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Gustl Mollath Mollath - beharrlich oder starrsinnig

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath legt Norbert Nedopil sein Gutachten vor. Eine erneute Einweisung von Mollath in die Psychiatrie ist nach Ansicht des Münchner Professors nicht notwendig. Doch von einer vollständigen Rehabilitierung ist Mollath weit entfernt.

25.07.2014 16:40
Harald Biskup
Mollath sei in einem „geschlossenen Gedankensystem“ verharrt, sagt der Experte. Foto: imago/Future Image

Dieser 13. Verhandlungstag im Wiederaufnahme-Verfahren gegen Gustl Mollath war für den Angeklagten der bislang wichtigste. Das Gutachten, das der Münchner Professor für forensische Psychiatrie, Norbert Nedopil am Freitag vor dem Landgericht Regensburg erstattete, wird nach Überzeugung von Prozessbeobachtern großen Einfluss auf das für übernächste Woche erwartete Urteil haben.

Was die Prognose über eine möglicherweise jetzt oder in Zukunft von Mollath ausgehende Gefährlichkeit angeht, war die Einschätzung des Sachverständigen unmissverständlich eindeutig: Nichts weise auf eine mögliche Rückfälligkeit hin, die Voraussetzungen für eine nochmalige Unterbringung in der Psychiatrie seien „nicht gegeben“.

Weit weniger eindeutig fiel Nedopils Beurteilung über Mollaths psychische Verfassung in den Jahren 2001/2002 aus, als er am Höhepunkt einer schweren Ehekrise seine damalige Frau Petra misshandelt haben soll. Ob Mollath mit dem Prozess seinem Ziel näherkommt, eine vollständige Rehabilitierung zu erreichen, erscheint nach diesem Gutachten eher fraglich.

Verständnis für Verweigerung

Mehrfach betont der Psychiater mit mehr als 30-jähriger Berufserfahrung, eine fundierte Bewertung eines Angeklagten sei ohne dessen Mitwirkung nur eingeschränkt möglich. Mollath hatte eine Exploration, eine eingehende Untersuchung durch den Sachverständigen abgelehnt.

Nedopil zeigt für diese Verweigerungshaltung aber ein gewisses Verständnis und wertet sie als „Zeichen der Verbitterung eines Menschen, der sich zu Unrecht der Psychiatrie ausgeliefert fühlte“. Nedopil beschreibt die gänzlich unterschiedliche Situation des jetzigen Wiederaufnahme-Verfahrens und des Prozesses vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth, das ihn nach nur vierstündiger Verhandlung ohne geladene Zeugen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen hatte.

Für die damaligen Richter habe es sich um einen Routinefall gehandelt, und „Herr Mollath stand mit dem Rücken zur Wand“. Für ihn sei es „um etwas Existenzielles“ gegangen, er wollte einen Finanzskandal und Geldschiebereien anprangern, für das Gericht ging es um häusliche Gewalt und um Sachbeschädigung. Diesmal sei alles anders, „Herr Mollath steht im Rampenlicht und seine Bedürfnisse werden berücksichtigt“.

Sämtliche Charakterisierungen, die der Gutachter vornimmt, fallen vorsichtig aus, und stets schwingt ein Rest von Zweifel mit. Als prägende Eigenschaften von Gustl Ferdinand Mollath zählt er dann immerhin auf, dass er geradlinig, beharrlich und unbeugsam sei „oder negativ ausgedrückt“ stur, starrsinnig und engstirnig.

Des Weiteren halte er ihn für detailversessen und wenig anpassungsfähig. Diese Feststellungen gründeten sich auch auf zahlreiche Einzelbeobachtungen während der Hauptverhandlung im Regensburger Gerichtssaal, an der Nedopil von Anfang an teilgenommen hat.

Querulanten-Wahn

Ausführlich beschäftigt er sich in seinem fast zweistündigen Gutachten mit der „Phänomenologie und Psychopathologie des Wahns“ und führt aus, dass der so genannte Querulanten-Wahn auf „lebensgeschichtlichen Erfahrungen “ wie häufigen Enttäuschungen, Zurücksetzungen oder Kränkungen basiere.

Patienten mit diesem Krankheitsbild verträten Überzeugungen, oft mit missionarischem Eifer, die von ihrer Umwelt meist nicht geteilt würden. „Man muss sich das als eine Art Privat-Realität vorstellen.“ Es habe Phasen und Situationen gegeben, in denen Mollath in einem „geschlossenen Gedankensystem“ verharrt sei und für andere Erklärungen nicht zugänglich gewesen sei. Als Beispiel nennt der Sachverständige einen Mediziner des Klinikums Erlangen, den Mollath „aus nicht nachvollziehbaren Gründen“ verdächtigt habe, in die „Geldverschiebungs-Machenschaften“ verwickelt gewesen zu sein. Manche seiner Wahrnehmungen damals seinen „nicht realitätskonform“ gewesen, und viele Anzeichen sprächen dafür, dass eine wahnhafte Persönlichkeitsstörung vorgelegen habe. Diese Hypothese lasse sich im Nachhinein jedoch weder belegen noch entkräften.

Dagegen könne er ausschließen, sagt Nedopil, dass Mollaths Einsichts- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei, als er die Autoreifen von vermeintlichen Gegnern zerstochen haben soll. Überführt ist er für diese Beschädigungen lang nicht.

Als die Vorsitzende Richterin Elke Escher die Befragung durch den Angeklagten beendet, ruft Gustl Mollath in den Saal: „Herr Nedopil hat falsche Eindrücke von mir gewonnen, und ich kann mich nicht dagegen wehren. Ich gebe auf.“

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