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Grimma Schwerer Neuanfang nach dem Hochwasser

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger kämpft schon das zweite Mal gegen Hochwasser. Doch anders als vor elf Jahren, als die Mulde schon einmal die sächsische Altstadt überspülte, treibt ihn diesmal die Sorge um: Wird Grimma resignieren?

In Grimma ist er "unser Matthias": Oberbürgermeister Matthias Berger. Foto: dpa

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger kämpft schon das zweite Mal gegen Hochwasser. Doch anders als vor elf Jahren, als die Mulde schon einmal die sächsische Altstadt überspülte, treibt ihn diesmal die Sorge um: Wird Grimma resignieren?

Die Geschichte mit dem Radlader werden sie Matthias Berger im Leben nicht vergessen. Es war August 2002, der Fluss Mulde donnerte durch die sächsische Stadt Grimma, demolierte fast 700 Häuser und richtete 250 Millionen Euro Schaden an. Damals setze sich der junge Rechtsanwalt und Oberbürgermeister Berger mit anderen Helfern auf einen großen Radlader und fuhr durch die tobenden Fluten, um Menschen aus ihren Häusern zu retten. Die Strömung war so stark, dass es ihn und die anderen auf dem großen Baufahrzeug fast weggespült und getötet hätte. Aber sie schafften es und holten 20, 30 Leute aus den einsturzgefährdeten Häusern.
„Zweimal in elf Jahren, das ist einfach zu viel“, sagt er. Matthias Berger leitete damals die Rettungsmaßnahmen. Der 33-Jährige war es, der trotz der schlimmen Katastrophe Optimismus versprühte und nach einigen Tagen mit aller Kraft das Aufräumen (30 000 Tonnen Dreck und Müll) und den Wiederaufbau der Stadt vorantrieb.

Und er war es auch, der dem damaligen Umweltminister und heutigen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) um die Ohren haute, er habe während der Flutkatastrophe wohl nichts Besseres zu tun, als Ernteköniginnen zu krönen. Seitdem ist er ein Held in Grimma, „unser Matthias“. Eine Wiederwahl schaffte der parteilose Rathauschef mit 98 Prozent.

Wutoberbürgermeister

Und nun wieder alles unter Wasser. Die Mulde hat die Stadt, vor allem den hübschen historischen Kern überspült, wieder sitzt Berger bei der Feuerwehr, er leitete die Rettungsmaßnahmen und jetzt organisiert er die Aufräumarbeiten. Aber der heute 44-Jährige wirkt, anders als vor elf Jahren, leicht niedergeschlagen. macht sich Sorgen, ob die Stadt noch einmal den Elan für einen Neuanfang aufbringt. Er fürchtet, Resignation könnte sich breitmachen. Aber er reißt sich zusammen, er ist der Oberbürgermeister, es muss ja weitergehen.

Gleichzeitig ist er ziemlich sauer, ein bisschen Wutoberbürgermeister, und es macht ihm einige Mühe, seinen Zorn halbwegs zu verstecken. Die Flut 2013 ist für Grimma zwar nicht so schlimm geworden, wie befürchtet. Die Schäden sind wohl nicht so hoch, aber nach Bergers Ansicht hätte kein einziger Tropfen Muldewasser in die Altstadt fließen müssen. Grimma plante direkt nach Jahrhundertflut Nummer eins auf Altstadtseite eine zwei Kilometer lange und 40 Millionen Euro teure Schottenwand, bezahlt vom Land Sachsen und der EU. Sie hätte die Fluten vorbeigeleitet, wäre sie rechtzeitig fertig geworden.

Aber das ist sie nicht, Bürgerproteste, lange Gerichtsverfahren und Streitereien um Denkmalschutz verzögerten den Baubeginn bis ins Jahr 2007, fertig wird die Wand wohl erst 2017. „Die Mulde wäre zu 100 Prozent draußen geblieben“, ärgert sich Berger. Aber laut schimpfen will er auch nicht. Zu DDR-Zeiten, meint er, wäre Grimma nach der Flut wahrscheinlich von der Armee mit Panzern zu einem Haufen zusammengeschoben worden.
Nun wird erst einmal aufgeräumt, Schlamm abgepumpt. Wie lange Berger noch Oberbürgermeister sein möchte, er weiß es nicht. Er sei als Quereinsteiger gekommen und werde als Queraussteiger gehen, sagte er einmal. Mal sehen, ob ihn die Leute überhaupt gehen lassen würden.

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