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Glamping Fast ohne Krabbeltiere

Reisetrend „Glamping“: FR-Autorin Jennifer Hein hat das glamouröse Camping getestet.

Luxus-Trailer
Viel Platz, drinnen wie draußen. Foto: Jennifer Hein

Meine größte Befürchtung sind Spinnen und riesige Schnaken. Ich suche alle Wände ab, gucke hinter jedes Kissen auf der Couch, schüttle die Bettdecke auf. Nichts. Nichts. Nichts. In meinem Trailer findet sich nicht ein einziges Krabbeltier. Insekten sind großartig, aber ich will sie nicht da haben, wo ich schlafe. Deswegen war Camping auch nie mein Thema – vom mangelnden Komfort mal abgesehen. Bis jetzt.

Anhänger mit drei Räumen

Rund 90 Autominuten nördlich von San Francisco liegt das Autocamp Russian River, am Rande des kleinen Holzfäller-Örtchens Guerneville. Inmitten riesiger, für die Region so typischer Redwood-Bäume stehen 23 silberglänzende Wohnwagen, die legendären Airstream-Trailer, auch „Silver Rockets“ genannt. Außerdem gibt es zehn Luxuszelte in der Parkanlage. Glamping nennt sich dieser Outdoor-Trend, eine Wortschöpfung aus Glamour und Camping. Mit Isomatte und Schlafsack hat das nichts zu tun.

Jeder der umgebauten Anhänger ist aufgeteilt in drei Räume: Wohnzimmer mit Couch und Küche in skandinavischem Design, Schlafzimmer mit großem Bett und Bad mit ebenerdiger Dusche. Flatscreen und Klimaanlage gibt’s auch noch. Flächendeckendes WLAN sowieso. Ein Boutiquehotel auf Rädern. Camping für Leute, die Camping hassen, aber die Natur lieben. Also für mich.

Das scheint auch genau die richtige Kombination aus Abenteuer und Luxus für Kurzurlauber aus der wohlhabenden Bay Area zu sein, denn die kommen in Scharen. Die meisten Gäste sind „Millennials, junge Familien und auch Senioren, die sich einen Airstream kaufen und vorher mal testen wollen“, sagt Mark Belhumeur. Er führt seit zwei Jahren für Neil Dipaola und Ryan Miller die Geschäfte am Russian River. Den beiden Freunden gehören zwei weitere Camps, in Yosemite und in Santa Barbara. Und weil die so gut laufen, wollen sie im kommenden Jahr zwölf weitere in den USA eröffnen. In Kalifornien weiß man, wie Wachstum geht, das Silicon Valley ist nicht weit.

Zum Marshmallow-Grillen ist es mir an diesem Abend trotz großem Lagerfeuer etwas zu kalt. Gemütlicher sitzt es sich im Clubhouse, einem Pavillon im Midcentury-Stil, auch dort gibt es einen wärmenden Feuerplatz. Daneben spielen Frauen an einem Tisch mit Karten, andere stricken, eine Gruppe junger Hipster sitzt mit einer Flasche Wein zusammen und lacht. Auf Klappstühlen muss hier keiner sitzen.

Spa-Duschen im Clubhouse

Etwas mulmig ist mir schon nachts durch den dunklen Park auf dem Weg zurück zum Trailer, in der Gruppe am Lagerfeuer hatte ich die Gruselgeschichten noch für eine gute Idee gehalten. Ich beeile mich den Nummerncode einzugeben, der mir die Tür öffnet. Jetzt eine heiße Dusche. Die sieben Minuten warmes Wasser, die jedem zur Verfügung stehen, reichen völlig. Zur Not hätte ich auch eine der Spa-Duschen im Clubhouse benutzen können. So geht Luxuscamping eben.

Am Morgen weckt mich ein Trappeln. Ein kleiner Vogel läuft auf der Fensterluke über meinem Bett. Ansonsten ist es still. Ich ziehe sämtliche Rollos und Vorhänge der vielen kleinen Fenster auf und lasse die Morgensonne rein. Mit Kaffee und Schokocroissant aus dem Pavillon genieße ich die letzten Minuten auf meiner kleinen Terrasse neben dem Trailer und direkt oberhalb des plätschernden Russian River. Noch einmal die wunderbare Waldluft einatmen. Beim Kofferpacken entdecke ich sie dann doch noch: Eine Ameise klettert die Badezimmerwand hoch. Ich lasse sie.

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