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Gipsy Kings Das Comeback der Könige

Sie feierten weltweit Erfolge. Anfang der Neunziger wurde es still um die „Gipsy Kings“. Jetzt geht Bandleader Chico Bouchikhi mit früheren Kollegen wieder auf Tour.

Gipsy Kings
1982 - die „Gipsy Kings“ am Strand mit Brigitte Bardot. „Das ist fast eine Art Seelenverwandtschaft.“ Foto: collective privée

Überraschend erklingt gegen Ende ein „Despacito“-Cover, Latin-Music beeinflusse ihn, gesteht Chico. Dennoch wird das Stück in das typische musikalische Kleid zwischen katalanischem Rumba und „Gipsy Rock“, wie Chico es nennt („Wir haben nie Flamenco gespielt“), gepresst. Ein neues Album hat die neu formierte Gruppe bereits aufgenommen, aufgrund des Namensstreits jedoch noch nicht veröffentlicht. 

Jean-Pierre Steverlink alias „Mr. PeeWee“ an der Geige

Seine Erfolge in den vergangenen 25 Jahren könnten auch ein Grund sein, warum die drei Brüder sich wieder mit Chico vereinigt haben und sich an einer späten zweiten Karriere versuchen. „Sie haben gesehen, dass es funktioniert“, sagt Ledermann. „Da kommt immer wieder eine neue Platte raus, in der anderen Formation gab es nur eine ‚Best of‘ nach der anderen.“ Auch der Start für „Chico & the Gypsies“ Anfang der Neunziger begann mit Hürden, erinnert sich der Manager. Auch sie spielten die alten Hits der „Gipsy Kings“. „Bei manchen Konzerten stand die Polizei schon bei unserer Ankunft da. Es hieß, wir seien Betrüger“, so Ledermann. Auch diese Auseinandersetzung war gar nicht vordergründig auf die bei den „Gipsy Kings“ verbliebenen Mitglieder der Reyes-Familie zurückzuführen. „Das ging nie auf die Initiative der Brüder zurück. Das war die Plattenfirma, aber vor allem die Produzenten.“

Doch trotz aller juristischen Streitigkeiten: Die in die Jahre gekommenen Herren auf der Bühne haben ihre Freude an der Musik nicht verloren. Die Front aus neun Akustik-Gitarristen wird gestützt von Drums, Percussions, einem Bassisten und dem herausragenden Jean-Pierre Steverlink alias „Mr. PeeWee“ an der Geige, der mit seinen Soloeinlagen das Publikum an diesem Abend mehrfach zum frenetischen Szenenapplaus zwingt. Steverlink spielt auch bei „Chico & the Gypsies“ – Chico hatte den Straßenmusiker vor rund 15 Jahren entdeckt. 

Die Ausgelassenheit und Fröhlichkeit der „Gipsy-Musik“ sieht der Bandleader nicht zwingend in einem Widerspruch zur häufig eher von Unterdrückung geprägten Lebenssituation der Menschen, ob in Frankreich oder anderswo. „Das hat viele Ähnlichkeiten mit den Schwarzen in den USA“, sagt er. „Einerseits gibt es dieses Unglück, aber die haben einen Schlüssel gefunden, für sich etwas zu bewahren – die Musik. Das ist bei uns so wie beim Blues, der zum Rock’n‚Roll und zu einem Lebensgefühl wurde.“ So gibt es auf der Bühne auch seltene, weniger fröhliche Momente. „Das Lied von Canut, ‚Nathalie‘, diese verlorene Liebe, wenn du da genau hinhörst, auch in die Stimme, da hörst du die totale Misere, ein Abgrund. Aber beim Konzept eines Konzertes steht natürlich das Fröhliche im Vordergrund.“ 

Das gilt auch für den Ausblick auf die bevorstehende Tour, die sie in Deutschland unter anderem nach Frankfurt führt. „Wir wollen uns amüsieren und mit dem Publikum eine tolle Fiesta feiern“, sagt Chico. Dass sie den Namen „Gipsy Kings“ nicht nutzen dürfen, ist für den Bandleader ein kleineres Problem: „Es geht nicht um das, was draufsteht, sondern um das, was darin ist.“ Sein Manager sieht das naturgemäß anders und würde den Namen sehr gerne weiterführen. Ob eines Tages noch einmal alle Gründungsmitglieder gemeinsam auf der Bühne stehen? „Die Tür ist immer offen“, erklärt Chico. „Wie sie es für Canut, Paul und Patchaï war. Keiner hätte sich vorstellen können, dass sie zurückkommen.“ Doch jetzt sind sie da. „Und wir haben auch noch ein bisschen mehr Platz auf der Bühne.“ 

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