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Gipsy Kings Das Comeback der Könige

Sie feierten weltweit Erfolge. Anfang der Neunziger wurde es still um die „Gipsy Kings“. Jetzt geht Bandleader Chico Bouchikhi mit früheren Kollegen wieder auf Tour.

Gipsy Kings
1982 - die „Gipsy Kings“ am Strand mit Brigitte Bardot. „Das ist fast eine Art Seelenverwandtschaft.“ Foto: collective privée

Wer sich von Chicos Leben, seiner Karriere und der Geschichte der „Gipsy Kings“ einen Eindruck verschaffen möchte, kann sich auf dem „Patio de Camargue“, wo auch das Konzert stattfindet, umschauen. Chico hat die mehrere Hektar große Industriebrache einer ehemaligen Bootsfabrik direkt an der Rhone vor 15 Jahren gekauft. „Anfangs haben alle gesagt ‚du spinnst‘“, erinnert er sich. „Aber was mich fasziniert hat, war der Fluss. Die Gypsies waren immer am Wasser.“ Heute umfasst das Grundstück neben der Konzerthalle (ein alter Hangar) zahlreiche restaurierte Bauwagen aus den Dreißigern, in denen manchmal Gäste unterkommen, mehrere Gebäude und die gemütliche Open-Air-Bar „Gipsy Beach“. Einmal im Monat veranstaltet Chico auf dem Gelände einen Konzertabend mit einer seiner Bands. Werbung braucht es nicht – die Mundpropaganda genügt.

Vor allem aber ist der „Patio de Camargue“ eine Art Freiluftmuseum: In einem offenen Gang hängen, wie in einer Ahnengalerie, Porträts von den Eltern, Kindern und Freunden Chicos.

Lächelnd neben Maradona, Helmut Kohl und Romy Schneider

Große Bilder, die auch in einem Bildband zu sehen sind, dokumentieren neben der Geschichte der Band zahlreiche Begegnungen des Musikers mit allerlei Prominenz: Chico lächelt neben Michael Douglas, Romy Schneider, Diego Maradona, Charles Aznavour, Helmut Kohl, dem Dalai Lama. Und eine taucht immer wieder auf: Brigitte Bardot. Die bis heute anhaltende Freundschaft findet ihren Ursprung im Jahr 1978: „Vor der ersten Begegnung hat uns jemand aus ihrem Bekanntenkreis zu ihrem Geburtstag eingeladen“, erzählt Chico. Oft sei sie danach mit der Band auf Partys gekommen, getarnt mit einer Perücke. „Die Leute haben gesagt, ‚es ist unglaublich, wie eure Tänzerin der Bardot ähnelt‘“, erinnert sich Chico lachend. Dass der einstige Weltstar heute überwiegend durch politische Entgleisungen auffällt, stört Chico nicht. „Das hat mit unserer Freundschaft nichts zu tun.“ Manager Ruedi Ledermann sagt dazu, dass Chico einer der Wenigen gewesen sei, der die Bardot nicht für sich in Anspruch genommen oder sie vor seinen Karren gespannt habe. „Das ist fast eine Art von Seelenverwandtschaft.“

Für viele Fans mögen die „Gipsy Kings“ eine Band sein, die sie auch mit der Zeit, in der sie die Musik gehört haben, in Verbindung bringen. Die Bilder auf dem Patio erinnern an die Zeit, in der die „Gipsy Kings“ groß wurden und waren. Auch an den Zeitgeist. „Die Gipsy Kings werden nie mehr sein“, sagt Ruedi Ledermann. „Für mich persönlich sind die ‚Gipsy Kings‘ ein Lebensgefühl gewesen – 1983 in St. Tropez. Dieses Lebensgefühl ist die absolute Freiheit. Keine Einschränkung. Kein Morgen“, fährt der Mann mit den langen weißen Haaren und dem weißen Bart fort. „Aber wir alle leben nicht mehr im Jahr 1983. Wir haben neue Technologien, die uns den Tag vorgeben. Keiner hatte damals ein Handy. Die Musik war eine Brücke, um die Langeweile zu überwinden. Da hat man eine Gitarre ausgepackt und sofort stand eine Menschentraube darum.“ Doch die Zeiten sind vorbei. Nachdenklich, fast melancholisch sagt er beim Betrachten der alten Aufnahmen: „St. Tropez gibt es nicht mehr.“ 

Was bleibt, ist die Musik. An jenem Abend in Arles dauert es nicht lange, bis der Funke zwischen den Musikern und den Gästen überspringt. Schon bei der Eröffnung hält es die ersten Besucher nicht mehr auf ihren Sitzen, und als die Band als drittes Lied den Klassiker „Baila me“ anstimmt, ist das Tanzen vor der Bühne bereits nur noch mit Hautkontakt zum Nachbarn möglich. Neben neuen Stücken, darunter das sommerhitverdächtige „La Guapa“, das auf Youtube bereits annähernd zwei Millionen Klicks verzeichnet, bekommt das Publikum sämtliche Hits aus den Hochzeiten der Kings präsentiert – von „Bamboleo“ und „Djobi Djoba“ bis „Volare“.

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