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Gewalt und sexuelle Übergriffe Schorndorf nach Krawallnacht verunsichert

Auf einmal spricht ganz Deutschland über einen 40.000-Einwohner-Ort bei Stuttgart: Sexuelle Übergriffe auf zwei junge Frauen sowie Angriffe gegen Polizisten lösen Empörung aus.

17.07.2017 21:03
Schorndorf
Mit einer Krawallnacht hatte vorher wohl niemand in Schorndorf gerechnet. Foto: dpa

So wollte die idyllische Fachwerkstadt Schorndorf – 40:000 Einwohner – östlich von Stuttgart ganz sicher nicht über seine Grenzen hinaus bekannt werden: Krawalle, die einige an G20 in Hamburg erinnern, sexuelle Übergriffe, die manchen an die Domplatte in Köln denken lässt. Tatsächlich ist da auch nichts von alledem Montagnachmittag während des Volksfestes „Schorndorfer Woche“: Auf einer Bühne hüpfen kleine Mädchen in Mäusekostümen, Menschen sitzen gelassen auf Bierbänken und trinken. Wenige Stunden zuvor hatten Polizei und Oberbürgermeister von Schorndorf ein ganz anderes Bild gezeichnet.

Die Nacht auf Sonntag: Gewalt gegen Polizisten aus einer Gruppe von etwa 1000 jungen Leuten heraus, sexuelle Übergriffen auf eine 17-Jährige und eine 25-Jährige. Oberbürgermeister Matthias Klopfer merkt noch der Presse gegenüber an, dass vor allem Schüler gefeiert hätten. Erst nachdem erste Auseinandersetzungen begonnen hatten, seien mehr Migranten gekommen.

Die Vorfälle lassen in Schorndorf niemanden kalt, fremdenfeindliche Parolen fallen im Gespräch mit den Einwohnern aber nicht. Die Stadt hat 700 Flüchtlinge aufgenommen. Nach Angaben von Volksfest-Organisator Jürgen Dobler ist Schorndorf „hervorragend aufgestellt“ in Sachen Integration. Der Werbekaufmann warnt vor Stigmatisierung: „Es gibt Gute und Böse in allen Nationalitäten“ Ende 2015 waren mehr als 15 Prozent der Schorndorfer nicht deutsch.

Alkohol als „Gewalttransmitter“

Bei einigen herrscht nun aber Verunsicherung: Eine 36-Jährige beobachtet missmutig: „Da fließt der Alkohol.“ Der enthemme die Menschen, verstärke schlechte Charaktereigenschaften. Der Aalener Polizeipräsident Roland Eisele hat Alkohol auch schon als „Gewalttransmitter“ beschrieben. Ein 19-Jähriger, der in einer Getränkebude arbeitet, bestätigt das. Und besonders schlimm sei, dass schon Minderjährige zur Flasche greifen.

Man solle die Kirche im Dorf lassen, meint hingegen eine junge Erzieherin. Auf dem „Stuttgarter Wasen“ gebe es doch auch Scharmützel – über die werde aber nicht berichtet. Für die belästigten Frauen sei das Erlebte sicher dramatisch. Aber wegbleiben? Nichts da: „Warum sollte ich mich einschüchtern lassen?“

Eine 27-Jährige ist skeptischer. Sie wolle nur noch in Gruppen mit Männern feiern gehen, sagt sie. Angesprochen darauf, dass Flüchtlinge der Übergriffe beschuldigt werden, sucht sie nach Erklärungen. Die Männer seien von Langweile und Frust geplagt. Sie müssten noch lernen, wie es in Deutschland zugehe. (Von Julia Giertz, dpa)

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