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Gesundheit Auf der Sonnenseite

Heute gilt Lichtschutzfaktor 30 als Standard, waren Sonnencremes in den achtziger Jahren teuer – und boten nur kurzzeitig Schutz vor Sonnenbrand. FR-Redakteurin Nina Luttmer hat sich über die Entwicklung der Forschung informiert.

Sonne
Da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Foto: istock

Der Rücken schmerzte, die Haut war knallrot und warf schon Blasen. Dabei hatten die Eltern nicht an Sonnencreme gespart. Und dennoch: Dieser heftige Sonnenbrand im Sommer 1984 ist bis heute unvergessen. 

Wer heute geboren wird, muss solche Erlebnisse nicht mehr haben, dank guter Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktoren (LSF) von bis zu 50+. Sie ermöglichen es, den Eigenschutz der Haut gegen Sonnenbrand um mehr als das Fünfzigfache zu verlängern. Doch noch in den achtziger Jahren war das vollkommen anders: Es gab schlichtweg keine Mittel mit hohen Lichtschutzfaktoren. Sonnencreme war zudem sehr teuer. 

„Noch in den achtziger Jahren galt LSF 15 als Sonnenblocker“, sagt Jens Treu, Bereichsleiter Forschung Sonnenschutzmittel bei Beiersdorf, dem Hersteller von Nivea-Produkten. 1989 schrieb die Stiftung Warentest in ihrem Testbericht zu Sonnenschutzmitteln: „Bislang steht noch Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 4 an der Spitze der Käufergunst“, es gab aber auch schon Produkte mit Faktor 8 und vereinzelt auch mehr. 

Geht man nochmal weiter zurück, so heißt es in dem Testbericht von 1966, der Lichtschutzfaktor „sollte bei starker Sonneneinstrahlung mindestens 2 betragen“. Sonnenbrand war da, insbesondere für hellhäutige Menschen, programmiert. Auf den meisten Produkten fehlte bis Mitte der siebziger Jahre sowieso jeglicher Hinweis zum Lichtschutzfaktor, die gekauften Mittel glichen also einer Wundertüte. Zwar führten die Hersteller dann nach und nach eine Kennzeichnung ein – aber verbindlich genormt wurde der Lichtschutzfaktor erst 1984. „Heute geht der Trend in Deutschland ganz klar zu LSF 30 oder 50“, sagt Treu. Nur in einigen Ländern Südeuropas würden noch in stärkerem Maße Mittel mit den Faktoren 6 oder 15 nachgefragt. Wobei Hautärzte ganz klar dazu raten, die Zeit, die eine Sonnencreme einem Sonnenbadenden laut LSF „schenkt“, niemals voll auszureizen. 

Konnten die Hersteller früher keine Produkte mit höheren LSF herstellen, oder gab es danach schlichtweg keine Nachfrage? „Beides ist richtig“, sagt Treu. „Es war schwer zu formulieren. Die Produkte mit höheren LSF waren oft instabil, heißt: Wasser und Öl trennten sich und das Mittel ging schnell kaputt. Die Mittel mit hohem LSF, die es gab, waren dickflüssig wie eine Paste – man sah aus wie ein Clown, wenn man sie auftrug.“ Zudem sei aber die Nachfrage nach höherem Lichtschutzfaktor auch gar nicht vorhanden gewesen. Hautkrebs und Hautalterung durch zu viel Sonne waren lange Randthemen.

Das Wissen, dass zu viel Sonne die Haut schädigt, hatten die Dermatologen zwar schon seit etwa 1900, unter anderem durch die Untersuchung von Seeleuten. Aber es war eben ein Problem einzelner Berufsgruppen – für alle anderen galt es ohnehin als unschicklich, braun zu sein. Erst in den fünfziger und sechziger Jahren wurde Bräune als modern und attraktiv empfunden. Zudem wurden die Menschen immer älter, so dass Hautschädigungen häufiger beobachtet werden konnten. „In den siebziger Jahren trugen Wissenschaftler das Wissen über Hautkrebs durch Sonnenbaden immer mehr in die Öffentlichkeit, zunächst vor allem in Australien“, sagt Hans Merk, emeritierter Professor für Dermatologie an der RWTH Aachen.

Inzwischen ist es Allgemeinwissen, dass Sonnenbrände das Hautkrebsrisiko erhöhen. „Sonnenbrände im Kindesalter haben ganz besonders negative Auswirkungen auf die spätere Karzinom-Entwicklung“, sagt Merk. Für eine Studie in Großbritannien wurden unlängst Menschen gefragt, an wie viele wirklich schlimme eigene Sonnenbrände sie sich erinnern. „So schlimme, dass sie noch sagen können, wann und wo sie die sich geholt haben“, sagt Merk. Das Ergebnis: „Wer mindestens fünf schlimme Sonnenbrände hinter sich hat, hat – an Hautveränderungen schon ablesbar – ein exorbitant höheres Risiko, Melanome zu bekommen.“ 

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