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Genussreise Wein und Werte

Tunesien eröffnet als erste muslimische Nation im Herbst eine eigene Weinstraße. Sie soll den Saft, die antike Archäologie und die traditionelle punische Küche miteinander verknüpfen.

Tunesien
Ernte von Muskattrauben in der Weinregion um Grombalia. Wein und Weinanbau gehört seit 2500 Jahren zur Kultur des Landes. Foto: Katharina Eglau

Drei Tagesetappen über 120 Kilometern soll es zunächst geben. Den Anfang macht Tunis mit der spektakulären „Grotte der tausend Amphoren“ in Megrine, die der Winzergenossenschaft Karthago gehört, plus dem Bardo-Museum, wo antike Mosaike vom Weinbau erzählen. Von dort führt der Weg in die Winzerregion um das Städtchen Grombalia zu dem Gut Neferis. Diese Etappe ist mit dem Museum von Nabeul verknüpft, das eine stattliche Sammlung von Amphoren besitzt. Am Schluss steht das Gut Kurubis auf der Halbinsel Kap Bon zusammen mit Kerkouane, der einzigen noch erhaltenen punischen Stadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Doch auch andere Güter scharren bereits mit den Füßen und wollen mitmachen wie Shadrapa nahe der römischen Weltkulturstätte Dougga oder Ceptunes nahe dem Bergmassiv Ressas, einem der spektakulärsten Naturorte des Landes. „Wir sind vernarrt in unseren Wein“, sagt Ceptunes-Kellermeister Hamdi Maher, der bereits 26 Ernten auf dem Buckel hat und dessen Familie seit fünf Generationen im Weinbau tätig ist. „Wein herstellen ist ein künstlerischer Beruf“, sagt er, der keine Minute ruhig stehen kann. Ständig wandern seine Augen umher, schellt sein Handy, mustert er prüfend das Temperaturtableau seiner Gärtanks oder packt mit an, wenn sich einer der Schläuche zu sehr krümmt. „Man braucht Fantasie, Hingabe und Elan“, sagt er, während er zwischen seinen runden Edelstahl-Kolossen hin und her springt. Mal zapft er eine Kostprobe frischen Rosé, mal einen alten Roten oder einen seiner Muskatweine, auf die er besonders stolz ist. Jedes Mal steckt er seine Nase tief ins Glas, saugt den Duft ein, lässt den Wein im Mund kreisen, bevor sich ein zufriedenes Lächeln auf sein Gesicht setzt. „Ich bin wie ein Fisch, wenn ich eines Tages den Wein verlassen müsste, werde ich sterben“, sagt er, dessen Frau aus einer streng religiösen Familie stammt und noch nie ein Glas probiert hat.

700.000 Euro von der EU

Mit 700.000 Euro fördert die Europäische Gemeinschaft die neue Weinstraße, bei der die Besucher auf Sizilien beginnen und dann nach Tunesien übersetzen. Sie ist Teil des „Iter Vinis“, einem Netzwerk von Weinrouten in 18 europäischen Ländern, welches der Europäische Rat 2009 ins Leben rief. Die neuen Touren sollen den Tourismus attraktiver und farbiger machen, weg vom Pauschalurlauber-Image und der All-Inklusive-Monotonie. Seit Jahrzehnten setzt Tunesien auf Sonne, Strand und Meer und schenkte dem Kulturtourismus eher wenig Bedeutung. Und so traf der Kalaschnikow-Anschlag 2015 auf Badegäste in Sousse die Ferienindustrie mit voller Wucht. Es folgten zwei Jahre Flaute, erst jetzt beginnt sich das Urlaubsgeschäft wieder zu erholen. „Nach Attentaten wie in Paris oder Barcelona bricht der Tourismus in diesen europäischen Ländern nicht in gleicher Weise ein“, bilanziert einer der betroffenen Hoteliers, weil dort die Besucher aus den unterschiedlichsten Motiven anreisen. „Bei uns dagegen herrscht eine Art Monokultur.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Tunesien

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