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Genua Ein Symbol für die Stadt und ihren Schmerz

Der italienische Stararchitekt Renzo Piano will eine neue Brücke für Genua entwerfen.

Renzo Piano
Renzo Piano sieht es als seine Pflicht, auf die Katastrophe von Genua zu reagieren. Foto: rtr

Weltberühmt ist er für kühne Museumsbauten und Hochhäuser, vom Centre Pompidou in Paris über das Bürogebäude am Potsdamer Platz bis zum 310 Meter hohen Londoner „The Shard“. Mit Brücken hat Renzo Piano eher wenig Erfahrung. Doch für den Wiederaufbau des vor zwei Wochen eingestürzten Autobahnviadukts in Genua will der 80 Jahre alte Stararchitekt jetzt seine Kunst beisteuern, und zwar ganz und gar gratis.

Am Dienstag brachte einer seiner Mitarbeiter ein großes, in Plastik verhülltes Paket ins Büro des ligurischen Regionalpräsidenten Giovanni Toti. Nur ein Modell mit ersten Ideen, hieß es, kein endgültiger Entwurf. Enthüllt wurde es denn auch nicht: „Top Secret“. Nur die Zeitung „La Stampa“ schien mehr zu wissen und schrieb von einfachen, klaren Linien ohne Baustrukturen über der Fahrbahn und 43 Lichtsäulen zur Erinnerung an die Menschen, die bei der Tragödie starben.

„Seit die Brücke eingestürzt ist, denke ich an nichts anderes mehr“, sagte der Architekt nach dem Treffen mit Toti, der das Hilfsangebot dankend annahm. Piano lebt in Paris, ist viel in der Welt unterwegs und weilte am Unglückstag in Genf. Er fühlt sich aber nicht nur durch die Tatsache verpflichtet, dass er in Genua geboren wurde, als Sohn eines Bauunternehmers dort aufwuchs und noch ein Büro in der Stadt hat.

Seit fünf Jahren, seit er vom damaligen Staatspräsidenten zum Senator auf Lebenszeit ernannt wurde, ist er auch italienischer Politiker. „Damit ist es meine Pflicht, auf eine solche Katastrophe zu reagieren.“

Die Trauer über die Toten würde wie ein Schatten über Genua liegen, sagt Piano. Der Wiederaufbau der Brücke könne aber ein positiver Moment der Einheit und Kooperation werden. Die Stadt müsse ihren Stolz wiederfinden. Aus seiner Sicht muss der Neubau einerseits an die Tragödie erinnern, andererseits sollte er die Züge Genuas tragen. „Die unserer Qualitäten und ein wenig auch die unserer Sparsamkeit.“

Zugleich müsse die neue Brücke ein großartiger Zugang zu der ligurischen Hafenstadt und ihren Schönheiten werden. Renzo Piano hatte in den 90er Jahren bereits den alten Hafen von Genua zu einer Art Freizeitgelände umgebaut, das bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt ist.
Den verstorbenen Ingenieur Riccardo Morandi, der die Brücke Anfang der 60er Jahre plante, nimmt Piano, der selbst als Meister der Bautechnik gilt, in Schutz. „Er schuf etwas Mutiges und Kluges, aber sehr Zerbrechliches.“ Deshalb habe die Brücke extrem viel Achtsamkeit erfordert.

Morandi hatte die bei Zugseilbrücken üblichen Stahlseile durch Spannbetonträger ersetzt. Es wird vermutet, dass deren Korrosion einer der Gründe für den Einsturz sein könnte. Wegen mutmaßlicher Versäumnisse bei der Instandhaltung soll dem privaten Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia die Konzession entzogen werden. Die Regierung aus Fünf-Sterne und Lega will, dass der Betreiber für den Wiederaufbau zahlt, aber die Arbeiten von staatlichen Unternehmen ausgeführt und überwacht werden. Über die genaue Vorgehensweise ist man sich noch uneins.

Wann die ebenfalls einsturzgefährdeten Brückenreste abgerissen werden und der Neubau beginnen kann, blieb indes offen. Man müsse sie bald wieder aufbauen, mahnt Renzo Piano, aber gut und ohne Eile. Das werde dann nicht er tun, sondern das müssten auf Brücken spezialisierte Ingenieure übernehmen.

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