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Gamesom Gamesom feiert Jubiläum in Köln

Vor zehn Jahren feierte Köln seine Premiere als Standort der Gamescom – und gewinnt mit der Branche an Bedeutung

Computer Spielemesse Gamescom
Sind so flinke Hände: Seit gestern wird in Köln wieder gespielt, bis die Server glühen. Foto: dpa

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren wagte Olaf Coenen folgende Prognose: „Köln wird in Deutschland die neue Gaming-Hauptstadt.“ Heute ist klar: Der damalige Deutschland-Chef des Spielekonzerns Electronic Arts (EA) mit Räumen im Kölner Rheinauhafen stapelte zu tief. Er unterschätzte die rasante Entwicklung der Spieleindustrie und der Gamescom. Denn zehn Jahre später ist Köln mehr als die deutsche Hauptstadt der Spiele – Köln ist die Gaming-Hauptstadt der Welt. Zumindest in dieser einen Woche im August, in der Hunderttausende in die Kölner Messe strömen, schauen viele Millionen Menschen nach Deutz.

Die Industrie, die rund um digitale Spiele in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist, ist eine Goldgrube. Im ersten Halbjahr 2018 stieg der Umsatz hierzulande um 17 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Dem Branchenverband Bitkom zufolge spielen vier von zehn Deutschen ab 14 Jahren zumindest gelegentlich – 30 Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte gibt dafür Geld aus, Tendenz steigend.

Im zehnten Jahr ihres Bestehens hält die am gestrigen Dienstag eröffnete Gamescom mit der Entwicklung Schritt. Sie ist die weltgrößte Schau für Video- und Computerspiele und fährt regelmäßig beeindruckende Zahlen ein: 355 000 Besucher, mehr als 1000 Aussteller, 201 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der Erfolg der meistbesuchten Kölner Messe war beim Umzug vor zehn Jahren zwar eingeplant, aber in seinen Dimensionen kaum zu erahnen.

Als Games Convention startete 2002 die erste deutsche Ausstellung für Computerspiele in Leipzig mit 80 000 Besuchern. Dass das längst überfällig war, bewies das große Interesse der Branche – 166 Aussteller kamen, darunter alle großen und wichtigen Studios. Bis 2008 war die Messe ein Leipziger Erfolg, dann gewann Köln das Rennen um die Nachfolge ab 2009.

Köln toppte Leipzig sofort

Schon vier Jahre zuvor hatten sich die Kölner die Rechte am neuen Namen Gamescom gesichert und die austragenden Branchenverbände mit mehr Ausstellungsfläche, einem größeren Einzugsgebiet, idealer Verkehrsanbindung und mehr Hotelbetten überzeugen können. „Der alte Standort war nicht mehr groß genug und auch nicht international genug“, sagt Jens Kosche, aktueller Chef von EA Deutschland und Vorstandsmitglied des ausrichtenden Branchenverbands Game.

Zur letzten Leipziger Games Convention kamen 203 000 Menschen – die Gamescom setzte bei ihrer Premiere gut 20 Prozent drauf. Seitdem geht es steil nach oben: Plus 45 Prozent bei den Besuchern, plus 68 Prozent bei der Ausstellungsfläche, plus 120 Prozent bei den Ausstellern. Die Internationalisierung ist gelungen: 2009 kamen 44 Prozent der Aussteller aus dem Ausland, 2018 werden es etwa 70 Prozent sein.

„Die Gamescom hat sich von einer klassischen Messe zu einem 360-Grad-Erlebnis-Event entwickelt“, sagt Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Kölner Messe. Seit der ersten Gamescom steigt in der Veranstaltungswoche das Gamescom City Festival. Hinzu kommen die Entwicklerkonferenz Devcom, der E-Sport-Kongress Spobis und der Gamescom Congress, der sich mit den Potenzialen digitaler Unterhaltung in Gesellschaft und Wirtschaft beschäftigt. Seit Jahren gehören auch E-Sports-Turniere zur Messe, bei denen professionelle Spieler gegeneinander antreten.

Will die Gamescom besucherseitig wachsen, braucht es neue Akteure. Insbesondere in Deutschland gibt es viel Potenzial, die deutsche Branche schwächelt beim Anteil heimischer Produktionen am Gesamtumsatz. 2017 lag der bei nur 5,4 Prozent.

Zwar ist ein Umzug in eine andere Stadt aufgrund der Größe der Gamescom und der eng getakteten Messekalender kaum denkbar, doch eine Garantie, dass die Spielewelt auch künftig in Köln stattfindet, wollen weder Kosche noch Verbandsgeschäftsführer Felix Falk der Messe ausstellen. Keiner der Vertragspartner äußert sich zur Laufzeit des aktuellen Vertrags. Unterdessen ist zu vernehmen, dass sie sich derzeit in Verhandlungen über einen neuen Kontrakt befinden.

Dass physisches Wachstum für den Erfolg der Ausstellung überhaupt notwendig ist, stellt Kosche infrage. „Zentral ist vor allem die Verlängerung der Messe ins Internet“, sagt er. Es geht also um virtuelles Wachstum, denn: „Die Gamescom ist eine hybride Messe: Ein Teil findet vor Ort statt und ein immer größer werdender Teil im Internet.“

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