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Game of Thrones „Thronies“ auf Pilgerfahrt

Von Drachen, Wölfen und sehr großen Frauen: auf den Spuren der Erfolgsserie „Game of Thrones“ in Nordirland.

Drachenkönigin
Drachenkönigin Daenerys Targaryen (Emilia Clarke, rechts) landet mit ihrem Gefolge auf der Burg Dragonstone. Foto: Helen Sloan/HBO

Wer in Mary McBride’s Pub mal muss, muss erst am Schattenwolf vorbei. Links und rechts in den Ecken prangt das Symbol auf der Tür zum WC. Er ist das Wappentier des Hauses Stark, die kunstvoll geschnitzte Holztür ist der jüngsten Tochter Arya gewidmet. Fans der erfolgreichen TV-Serie „Game of Thrones“ werden die Zeichen sofort erkennen. Alle anderen können vor Ort in die Welt der Charaktere eintauchen – fast jeder hier kann eine Geschichte über das Fantasy-Epos erzählen. Die Serie wird unter anderem dort gedreht, wo Mary McBride’s Pub steht: im nordirischen Küstendorf Cushendun. Gerade jetzt, mit Beginn der Ausstrahlung der siebten Staffel, werden wieder jede Menge Fantouristen erwartet.

Die Höhlen in Cushendun sind schon für normale Touristen sehenswert: Durch extreme Wetterbedingungen sind sie über einen Zeitraum von 400 Millionen Jahren entstanden. Fans der Serie, die sich selbst oft „Thronies“ nennen, strömen aber vor allem dorthin, weil die rote Priesterin Melisandre in der zweiten Staffel genau hier ihr Schattenbaby zur Welt brachte.

Mit der „Toilettentür“ ist Cushendun nun um eine Serienattraktion reicher, Nordirland gleich um zehn. Mary McBride’s Pub ist einer von zehn Pubs, Cafés und Gasthäusern, in denen eine individuell gestaltete Holztür ausgestellt ist, die eine Episode der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ repräsentiert. Die irischen Tourismusbehörden ließen sie aus dem Holz der berühmten „Dark Hedges“ schnitzen, die in der Serie den sogenannten Königsweg umrahmen, auf dem Arya – als Junge verkleidet – vor der Gefangennahme floh.

Die Idee zu dieser neuen Tourismuskampagne kam auf, als einige der Bäume den Winterstürmen 2015/16 zum Opfer fielen. Jedes dieser Kunstwerke ist in der Nähe eines der Drehorte zu finden: von Cairn Castle und den Glens of Antrim über die „Dark Hedges“ bis hin zu den Cushendun-Höhlen. Auf den Spuren der Serie können die Fans dieser Route durch Westeros folgen – ein wichtiger Kontinent in der Serienwelt, der in seiner Geografie und Geometrie stark den britischen und irischen Inseln ähnelt. Bei jeder Station können sie sich den dazugehörigen „Journey of Doors“-Pass abstempeln lassen.

Dean McConell hat die Tour de Tür schon hinter sich. Ein Holzportal behält der Restaurantmanager in dem kleinen Ort Stranocum in der Grafschaft Antrim aber ganz besonders im Blick. Bei seiner Arbeit geht er täglich an Nummer sieben vorbei, von der ihm ein dreiäugiger Rabe entgegenblickt. Gracehill House ist eine georgische Villa mit Geschichte, aber auch ein Golfclub mit Restaurant. Will man hier überhaupt Serienjunkies haben? „Solange sie Geld ausgeben“, sagt McConell und lacht. Er schiebt seinen linken Hemdärmel nach oben und zeigt seine Armbanduhr. Über dem Ziffernblatt wacht ein Schattenwolf. Ein echter „Thronie“ also. Als die nahe gelegene berühmte Baumallee „Dark Hedges“ 2011 als Drehort diente, gab es noch kein Restaurant im Golfclub. Deshalb hat McConell Crew und Dreharbeiten verpasst. Auf einem Flug von London nach Belfast traf er jedoch zufällig die 1,91 Meter große Schauspielerin Gwendoline Christie, die in der Serie Brienne von Tarth verkörpert. „Es sah so aus, als wollte sie nicht gestört werden“, sagt McConell. „Und sie ist wirklich sehr groß.“

Vom Gracehill House und einem benachbarten Parkplatz sind es nur ein paar Meter zu den „Dark Hedges“. Trotzdem stellen die meisten Besucher ihr Auto direkt unter den Bäumen ab. Wer hier ein Erinnerungsfoto von einer menschenleeren Straße machen will, muss kreativ werden, den richtigen Moment und Blickwinkel erwischen – was schon mal 20 Minuten dauern kann.

Erst dann entfaltet die düster-geheimnisvolle Baumreihe ihre mystische Schönheit und ist leicht als Königsweg wiederzuerkennen, wie er zu Beginn der zweiten Staffel von „Game of Thrones“ zu sehen ist. Die Buchenallee wurde im 18. Jahrhundert von der Stuart-Familie angelegt, um ihre Besucher schon vor der Einfahrt zur Villa Gracehill House zu beeindrucken. Zwei Jahrhunderte später gelten die „Dark Hedges“ als das meistfotografierte Naturphänomen Nordirlands – auch schon vor der Serie.

Durch Tür Nummer sechs in Ballintoy laufen jeden Tag Dutzende Fans auf dem Weg zu ihrem Mittagessen. Eine „Game of Thrones“-Tour macht im Pub Fullerton Arms Halt, bevor sie zum Hafen fährt – ein weiterer Drehort. Wenn sie die Eingangstür öffnen, schaut ihnen der furchterregende Drache Drogon entgegen. Pub-Besitzer Sean McLaughlin ist glücklich über seinen neuen Eingang. Früher hatte er nur eine Glastür. Doch wo genau der Drache eingehängt wird, war nicht seine Entscheidung: „Ich musste Fotografien von all meinen Türen in der Bar einreichen.“

Die „Game of Thrones“-Tourteilnehmer kommen schon seit Jahren zum Lunch vorbei. 26 Prozent seiner Gäste seien „Thronies“, sagt der Barbesitzer. Ein Viertel des Geschäfts mache er während der Mittagszeit – wegen der täglichen Tour und weil generell mehr Menschen in die Gegend kommen. Ballintoy profitiere davon, dass die Serie hier gedreht wurde, meint McLaughlin. Und er weiß, was seine Kunden wollen: Im Nachbarraum der Bar steht ein Nachbau des Eisernen Throns, hängen Rüstungen und andere Accessoires an der Wand. Demnächst möchte der Unternehmer ein mittelalterliches Vier-Gänge-Menü am Abend anbieten. „Es wird Schweinshaxen geben, wir werden den Raum schmücken und hinterher mit Fackeln zum Hafen laufen.“

Der malerische Ballintoy Harbour liegt nur einen Speerwurf vom berühmten Giant’s Causeway entfernt, ein Naturwunder an der beliebten Causeway Coastal Route. Man erreicht ihn über eine kurvige Straße, die sich hinab zum kleinen Hafen windet, wo Theons Rückkehr zu den Eiseninseln gedreht wurde. Doch auch in darauffolgenden Staffeln kam die Location immer wieder vor. „Man hat nicht viel davon gesehen, weil viele Aufnahmen sehr früh am Morgen stattfanden“, sagt McLaughlin. Zeitweise sei der Hafen auch gesperrt gewesen. Anfangs hätten einige der Schauspieler vor Ort übernachtet, doch später seien sie in Belfast untergebracht worden – in der Nähe des Filmstudios Titanic. Viele Menschen aus der Gegend wurden aber Teil der Serie: „Einige der Tourenführer waren Statisten. Die meisten spielten Soldaten.“

McLaughlin war schon in die Produktion der Serie involviert, bevor sie überhaupt ausgestrahlt wurde. Der frühere Hotelmanager kannte die Crew vom ersten Tag an, da er in Belfast Übernachtungen für sie organisierte. „Ich habe die Serie natürlich von Beginn an geschaut. Eine gute Show und dann spielt sie auch noch in Nordirland – oder besser gesagt in Westeros.“ Wird es den Einheimischen in ihrem beschaulichen Örtchen denn nicht langsam zu voll? „Die Tourteilnehmer setzen wir ins Restaurant und versuchen die Bar etwas ruhiger zu halten. Wir lassen nie mehr Leute rein, als wir Plätze haben“, betont McLaughlin. „Die Serie ist einfach ein Phänomen und das wollen wir feiern.“

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