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Gambia Bildung für Taibatou

Toni Baba Drammeh aus Gambia weiß, wie gefährlich die Flucht nach Deutschland ist – er hat sie überlebt. Nun engagiert er sich dafür, anderen diese Erfahrungen zu ersparen und die Armut in seiner Heimat zu bekämpfen.

Schulkinder in Gambia
Auch wenn sie es in diesem Moment nicht zeigen: Bambo, Buba und Landing freuen sich über ihre neuen Hefte. Foto: Drammeh

Als er zurück nach Deutschland kam, berichtet seine Frau, war er geschockt: „Die Leben da wie die Tiere – es geht nur ums Essen und das reine Überleben“, soll er gesagt haben. Bei Baba nahm derweil bereits in Gambia eine Idee Gestalt an: „Früher war ich wie die Kinder heute in meinem Dorf. Die Mädchen helfen den Müttern beim Waschen und Kochen, die Jungen kümmern sich um die Tiere.“ Doch der beste Weg, um Armut zu bekämpfen, sei es, die Kinder zur Schule zu schicken. Baba sagt, er habe inzwischen verstanden, wie wichtig Bildung sei. „Ich war nie in meinem Leben in einer Schule. Ich habe Schwierigkeiten zu lernen, auch deutsch. Doch kleine Kinder hier lernen lesen und schreiben. Auch Laura kann alles – ich habe keine Ausbildung, ich kann so vieles nicht. Und auch wenn du kein Geld hast, dann kannst du mit Bildung etwas erreichen.“ Darum gründeten die beiden ihren Verein „Better Life Gambia“. Seit Januar ist er als gemeinnützig anerkannt.

Für ein besseres Leben

Das Problem in Taibatou ist, dass kaum eine Familie das Geld hat, die Kinder in die Schule zu schicken. Laut Unesco lag die Alphabetisierungsrate in Gambia 2013 bei 60 Prozent, andere Quellen geben den Wert teils deutlich niedriger an. Im ländlichen Taibatou gehen „nur etwa 20 Prozent der Kinder zur Schule“, sagt Baba. Den Familien für den Schulbesuch einfach Geld zu geben, ist aber keine Option. „Ich kenne Gambia, ich weiß wie es läuft“, sagt Baba, der befürchtet, damit lediglich die Farmen zu finanzieren. Dabei kostet die Schule selbst noch nicht einmal etwas, die Klassen eins bis zwölf von der Primary bis zur Senior Secondary School können die Kinder in Taibatou kostenlos besuchen – sie ist sogar für alle fußläufig zu erreichen. Aber die meisten scheitern jedoch bereits an der Beschaffung einer Schuluniform, ganz zu schweigen von einem Rucksack, Büchern und Schulmaterial, das ständig neu eingekauft werden muss. Und genau das haben Laura und Baba organisiert. „Es ist Wahnsinn“, sagt Laura, „eine Uniform kostet gerade einmal sieben Euro. Die Leute leben von der Hand in den Mund, die haben absolut nichts.“ Das Geld aus Deutschland für die Uniformen ging beispielsweise direkt an den Schneider.

In den ersten Monaten sind durch „Better Life Gambia“ nach und nach immer mehr Jungen und Mädchen eingeschult worden. Das neue Schuljahr steht bevor, insgesamt hat der Verein nun 70 Kinder in die Schule gebracht. „Das sollen natürlich noch mehr werden“, sagt Laura, „wir können aber nicht alles aus eigener Tasche schultern“ - der Verein ist auf Mitglieder und Spender angewiesen. Und die Kinder sollen dauerhaft unterstützt werden, schließlich schreiben sie ihre Hefte voll, brauchen neue Bücher und wachsen aus ihren Uniformen. „Das ist schon langfristig angelegt.“ Zudem braucht es Nachhilfelehrer, die mit den Kindern Hausaufgaben machen – die Eltern können ihre Kleinen nicht unterstützen, da sie selbst nicht lesen und schreiben können.

Das Schulsystem in Gambia ist im Hinblick auf die Fächer, die unterrichtet werden, mit hiesigen Schulen vergleichbar. Baba hat seine Kontakte vor Ort, beispielsweise einen Cousin, der einen Kiosk neben der Schule betreibt. Wenn ein Kind auf die Idee kommt, die Schule zu schwänzen, bleibt das auch bei „Better Life Gambia“ niemandem vorenthalten. Tabadinding und Tubabo – der Onkel und die weiße Frau – wie die Kinder die beiden nennen, bleiben stets auf dem Laufenden. „Sie gehen gerne zur Schule. Sie fühlen sich wie Könige und Königinnen“, berichtet Baba.

Und vielleicht wird es den Königen und Königinnen auf diesem Weg leichter fallen, später einmal ihre Familien zu ernähren. Vielleicht ist später niemand von ihnen so verzweifelt, die Bomben in Libyen und die Gefahren des Mittelmeeres in Kauf zu nehmen, um in Europa kein Asyl zu erhalten. Denn nicht alle Geschichten finden ein Happy-End. Und sicherlich gibt es zahlreiche únd auch finanzkräftigere Hilfsorganisationen und Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Probleme der afrikanischen Bevölkerung im Kleinen zu verbessern. Doch vielerorts kommt außer dem Geld der nach Europa Geflohenen gar nichts oder zu wenig an - wie in Taibatou. Bei „Better Life Gambia“ gehe es nicht nur ums Geld, sagt Laura, „es geht auch darum, auf die Situation in dem Land aufmerksam zu machen.“ Auch wenn sie bereits von ersten Erfolgen in Taibatou berichten können, wissen die beiden: „Bis jetzt ist es nur ein ganz kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein.“ Es wird noch viele Tropfen benötigen, bis die Armut in Taibatou niemanden mehr in die Flucht treibt.

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