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Fuerteventura Frischzellenkur für Mutter Robinson

Auf Fuerteventura steht der älteste Robinson-Club der Welt – nun muss der Hotelturm aus den Siebzigerjahren einem Neubau weichen. Aber vom einstigen Charme des Aussteigerurlaubs ist im Jandia Playa ohnehin nicht viel geblieben.

Haupthaus
Der aktuelle Anblick. Am 8. Januar beginnen die Abrissarbeiten am Haupthaus. Foto: prd

Wer an der Strandpromenade von Jandia entlangschlendert und den gleichnamigen Robinson Club auf Fuerteventura passiert, der kann eigentlich dieser Tage gar nicht anders, als vor den Palmen einen Halt einzulegen. Und die meisten zücken auch bald ihr Smartphone, um entweder eine Statue oder Plakate zu fotografieren, die neuerdings diesen Strandabschnitt der Urlaubsinsel zieren. „Willy Brandt auf Fuerteventura“ nennt sich die Ausstellung, die an eine Person deutscher Zeitgeschichte erinnert, die diesen Teil der Kanarischen Inseln in Deutschland erst populär machte. Millionen erlebten durch Fernsehen und Zeitungen mit, wie der damalige Bundeskanzler in der zu Spanien gehörigen Provinz vier Flugstunden von der winterlichen Heimat entfernt einen sonnigen Jahreswechsel 1972/1973 mit seiner Familie und seinem Hund Bastian verbrachte.

Bereitwillig ließ sich der SPD-Mann morgens nach dem Bad im Meer mit Stock und Vierbeiner am Strand oder die Familie beim Ausritt auf einem Esel nach Cofete ablichten. Und weil dem Stern-Fotografen Robert Lebeck auch die ulkigen Begebenheiten nicht entgingen – als etwa Ehefrau Rut vom Rücken des Tieres rutschte –, verkauften sich Bilder und Berichte noch besser. „Ein Sancho Pansa namens Willy Brandt“, schrieb der „Stern“. Für die „Bunte“ waren es „heitere Urlaubs-Eseleien“. Der politische Pioniergast wohnte mit seiner Entourage im einzigen Hotel am Platze, dem Jandia Playa, als die wenig erschlossene Südküste einer scheinbar verlorenen Vulkaninsel noch ein echter Geheimtipp war.

„Durch ihn ist Fuerteventura bekannt worden“, sagt auch Tom Pick, der heutige Clubdirektor des Robinson Club Jandia Playa. Für das Haupthaus – in Gründerzeiten beinahe ein Wahrzeichen der Insel – sind die Tage gezählt. Für den 8. Januar ist der Abriss des alten Torre terminiert – ein halbes Jahrhundert nach der Fertigstellung –, und es soll tatsächlich Stammkunden älteren Semesters geben, die heftig daran zu knabbern haben, dass das achtstöckige Gebäude fällt, weil sie so viele Erinnerungen damit verbinden. Über eine elfmonatige „Beauty-Pause“ hat der Club kurz vor Weihnachten über seine sozialen Kanäle berichtet. Die letzten Gäste könnten sogar ein „Stück Torre, ob Vorhang, Teppich oder ein Stück Mauerwerk“ mit nach Hause nehmen. An selber Stelle wird in ähnlicher Größe ein Neubau errichtet, der 26 zusätzliche Suiten und mehr Komfort bietet. Für fast ein Jahr prägen Handwerker das Bild an der Wiege des Cluburlaubs unter dem Robinson-Dach, einer 100-prozentigen Tochter mit weltweit 4500 Mitarbeitern des in Hannover ansässigen Reisekonzerns TUI.

Die Idee, an diesem vor einem halben Jahrhundert kaum besiedelten Inselabschnitt überhaupt ein mehrstöckiges Hotel zu bauen, kam Ende der 60er Jahre einem Ehepaar aus Teneriffa, das als Bauleiter ihren deutschen Schwiegersohn einsetzte. Das Projekt galt als durchaus ambitioniert: Nur eine holprige Schotterpiste führte vom Flughafen nahe der Hauptstadt Puerto del Rosario Richtung Süden. Dort gab es kein Telefon, und der Strom wurde noch bis Mitte der 70er Jahre aus Generatoren erzeugt. Wasser zum Kochen brachten die Lastwagen, Wasser zum Duschen pumpte ein selbst gebauter Brunnen aus der Tiefe. Dieser existiert noch heute und gilt sozusagen als die „Quelle von Robinson“.

Denn Anfang der 70er Jahre befand sich TUI auf der Suche nach einer neuen Hotel- und Clublinie – und kam auf diesen abgelegenen Piloten gleich neben dem Fischerdorf Morro Jable. Am 1. Januar 1971 eröffnete schließlich das Vertragshotel Jandia Playa mit dem neuen Konzept. Der an die Romanfigur Robinson Crusoe angelehnte Name kam von einem Schweizer, der den Vorschlag bei einem Preisausschreiben stiftete.

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