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FR-Interview mit Sofia Coppola Ohne Worte

Sofia Coppola hat einen ziemlich berühmten Vater und sagt von sich selbst, dass sie vor allem mit Celebrities befreundet ist. Im Gespräch verrät die Filmregisseurin warum sie keine Dialoge mag und die Langsamkeit schätzt.

08.11.2010 16:13
Regisseurin Sofia Coppola. Foto: dpa

Sofia Coppola hat einen ziemlich berühmten Vater und sagt von sich selbst, dass sie vor allem mit Celebrities befreundet ist. Im Gespräch verrät die Filmregisseurin warum sie keine Dialoge mag und die Langsamkeit schätzt.

Frau Coppola, während Hollywood-Filme immer schneller und schneller werden, scheint sich Ihre Arbeit stetig zu verlangsamen. Sind Ihre Filme so etwas wie Slowfood für Cineasten?

Das ist lustig, so habe ich das noch nie betrachtet. Aber es stimmt, die Menschen werden immer mehr durch unnützes Zeug abgelenkt, alles geht heute so schnell, dass es schwieriger wird, einmal innezuhalten und nach sich selbst zu schauen. Vielleicht haben Sie Recht, und meine Filme sind eine Reaktion darauf.

In Ihren Filmen wird auch sehr viel weniger geredet als in anderen. Trauen Sie Bildern mehr als Worten?

Ich mag es einfach lieber, Geschichten visuell zu erzählen als mit Dialogen. In vielen Filmen sagen die Leute immer mit großen Worten, wie oder was sie gerade fühlen. Im normalen Leben ist das nicht so, da haben die meisten nonverbale Methoden, um sich auszudrücken. Bei mir war das jedenfalls schon immer so: Ich habe bereits in der Schule, wenn wir Referate halten sollten, lieber einen Film über mein Thema gedreht. Ich fand das sehr viel einfacher als etwas aufzuschreiben und dann zu erzählen.

Sind Sie so zum Filmemachen gekommen?

Zum Film bin ich zunächst natürlich durch meinen Vater gekommen. Ich war als Kind häufig mit am Filmset, wenn er gedreht hat. Das hat großen Spaß gemacht. Meine Brüder und ich haben dann irgendwann selbst die Videokamera in die Hand genommen und Filmchen gemacht. Das war in den 80er Jahren. Nach dem College habe ich einen ersten ernsthaften Kurzfilm gedreht, wenn man so will. Und dann habe ich das Buch „The Virgin Suicides“ gelesen …

... aus dem Sie dann Ihren ersten, auf Anhieb erfolgreichen Langfilm machten.

Ich wollte das Buch beschützen, indem ich es verfilme. Da hatte ich das erste Mal den konkreten Gedanken: Ich will Regisseurin werden.

Seither werden Sie ständig mit Ihrem Vater verglichen. Wie sehr nervt das?

Na ja, ich habe mich daran gewöhnt. Aber ich bin ja nun selbst erwachsen und habe meine eigenen Kinder, meine eigene Arbeit, meinen eigenen Stil.

Sie drehen zum Beispiel immer noch analog, während Ihr Vater längst auf digital umgestiegen ist.

Ja. Er hat ein paar Mal versucht, mich zu überzeugen – und irgendwann aufgegeben. Er findet es süß, dass mein Bruder und ich immer noch auf das alte Material setzen. Ich hoffe, ich kann das noch lange durchhalten.

Stimmt es, dass Sie Ihren neuen Film „Somewhere“ mit denselben Linsen gedreht haben, die Ihr Vater vor 23 Jahren für „Rumble Fish“ benutzte?

Ja, das war so. Mein Bruder hat die Dinger die ganzen Jahre über aufbewahrt. Ich finde, sie bringen eine wunderbar sanfte Atmosphäre in den Film.

In „Somewhere“ geht es um einen berühmten Hollywood-Schauspieler und seine Tochter. Da drängt sich der Vergleich mit dem berühmten Francis Ford und Tochter Sofia Coppola auf.

Ich weiß. Und in dem Film steckt auch sehr viel Persönliches von mir. Aber das ist nicht die Hauptsache.

Was ist denn die Hauptsache?

Ich wollte ein Porträt über einen Typen machen, der in eine Lebenskrise gerät, in die jeder geraten kann. Bei mir ist er eben Schauspieler geworden …

… der ein stinklangweiliges Leben führt, in dem er zusehends vereinsamt. War es Ihr Ziel, die Schattenseiten Hollywoods zu zeigen?

Das ist schon eine extreme Welt. Man kann als Star vielleicht einen Ferrari fahren und sich strippende Zwillinge aufs Hotelzimmer bestellen. Vielleicht ist das für eine Weile auch lustig. Aber sicher nicht immer.

Als Spross einer Familie voller Stars müssen Sie es ja wissen.

Einerseits. Andererseits bin ich im Norden Kaliforniens aufgewachsen, meine Mutter war nicht im Showgeschäft. Ich hatte durch meinen Vater zwar immer einen Zugang dazu, konnte mir aber stets eine gewisse Distanz bewahren. Ich bin mehr Beobachterin als Teilnehmerin.




In Ihren Filmen kommen aber erstaunlich oft Berühmtheiten vor.

In den USA sind viele Menschen regelrecht besessen von dieser Celebrity-Kultur. Unzählige Leute versuchen auf unzählige Weisen, berühmt zu werden. Mich hat das immer neugierig gemacht. Ich wollte wissen, wie so ein Leben ist. Wie ist es am Morgen, wenn man aufwacht? Fühlt man sich anders, unnormaler als normale Menschen?

Haben Sie selbst viele berühmte Freunde? Oder halten Sie es eher mit den normalen Menschen?

Ehrlich gesagt, die meisten meiner Freunde sind Celebrities. Aber für mich sind sie normal.

Ich habe den Eindruck, dass in Ihren Filmen selten Erwachsene vorkommen. Auch scheinbar Erwachsene sind oft Kindsköpfe mit einem Peter-Pan-Syndrom: Sie wollen nicht groß werden.

Ja, das ist sicher so. Ich glaube, das hat etwas mit meiner Generation zu tun. Da haben viele einfach Schwierigkeiten, ihren Platz zu finden. Das ist wohl eines der großen Themen meiner Filme.

Sie arbeiten viel mit Andeutungen, Geheimnissen, Unausgesprochenem. Wissen Sie selbst, was die Leute, die in Ihren Filmen flüstern, sagen?

Ja, meistens habe ich eine Idee.

Auch in der berühmten Flüsterszene in „Lost in Translation“?

Klar. Ich verrate aber nicht, was.

Aufgezeichnet von Jörg Schindler

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