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Flut in Pakistan „Schlimmer als der Tsunami“

Laut UNO sind in Pakistan 14 Millionen Menschen von der Flut betroffen - und damit mehr als beim Tsunami von 2004 und den Erdbeben von Pakistan 2005 und Haiti.

09.08.2010 16:00
Helfer verteilen Wasser aus einem Armeehubschrauber heraus. Foto: AFP

Die Einschätzung der Flutkatastrophe in Pakistan durch die Vereinten Nationen wird immer dramatischer. „Dieses Desaster ist schlimmer als der Tsunami, das Erdbeben in Pakistan von 2005 und das Erdbeben in Haiti“, sagte ein Sprecher des UN-Büros für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Montag.

„Bislang sind 13,8 Millionen Menschen von den Überschwemmungen in Pakistan betroffen“, sagte OCHA-Sprecher Maurizio Giuliano in Islamabad. Dies übertreffe vorangegangene Naturkatastrophen. „Vom Erdbeben in Pakistan 2005 waren drei Millionen Menschen betroffen, vom Tsunami fünf Millionen und vom Erdbeben in Haiti drei Millionen“, sagte Giuliano zur Erläuterung. Durch den Tsunami kamen im Dezember 2004 in Südasien etwa 220?000 Menschen ums Leben.

Weiterhin waren Hunderttausende in Pakistan auf der Flucht vor den Wassermassen. Am schwersten betroffen ist der Nordwesten des Landes, aber auch flussabwärts des Indus in den Provinzen Sindh und Punjab stehen ganze Landstriche unter Wasser. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Pakistan, Martin Mogwanja, rief am Montag zu einer massiven Aufstockung der Hilfe auf. „Zelte, Plastikplanen und Haushaltgeräte fehlen am meisten, es müssen dringend Vorräte in die betroffenen Gebiete geflogen werden“, sagte Mogwanja.

Die Region um das nordwestliche Swat-Tal, wo die pakistanische Armee 2009 eine Großoffensive gegen die radikalislamischen Taliban unternahm, war seit dem Wochenende völlig von der Außenwelt abgeschnitten. US-Militärhubschrauber, die bei den Hilfsanstrengungen einsetzt werden, können seit Samstag wegen des starken Regens nicht mehr fliegen.

In Muzaffargarh in der Provinz Punjab ordneten die Behörden die Räumung des Ortes an. „Die Lage ist sehr ernst. Wir sind vollkommen hilflos, deswegen haben wir den Menschen gesagt, sie sollen sich in Sicherheit bringen“, sagte ein Behördensprecher. Laut UN-Schätzungen sind in der Provinz Punjab 500.000 Menschen obdachlos, 560.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen wurden zerstört.

Seit Beginn der Katastrophe vor zwei Wochen starben mindestens 1600 Menschen in den Fluten. Allein in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa kamen den Behörden zufolge 1400 Menschen ums Leben. Am Montag wurde Präsident Asif Ali Zardari zurückerwartet, der eine Reise nach Europa trotz der Lage in seiner Heimat fortgesetzt hatte. Viele Menschen sind über dieses Verhalten äußerst wütend, bei einer Veranstaltung mit Pakistanern in Birmingham am Wochenende wurde Zardari heftig kritisiert.

In der ebenfalls vom Hochwasser betroffenen indischen Himalaya-Region Ladakh stieg die Zahl der Todesopfer nach Angaben der Polizei vom Montag auf 150. In einem Vorort der größten Stadt Leh wurden unter den Trümmern noch zahlreiche Opfer vermutet. Aus dem entlegenen Zanskar-Tal wurden rund hundert ausländische Touristen per Hubschrauber ausgeflogen. Rund 200 Urlauber waren den Behörden zufolge weiterhin in der Region Ladakh gestrandet. ( afp)

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