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Flughafen BER An Platz mangelt es nicht

Machen wir uns nichts vor: Das mit dem neuen Flughafen in Berlin wird vorerst nichts. Was also tun auf den schier endlosen Weiten? Volkswagen prescht mit einer Idee vor - und FR-Autor Jens Blankennagel gratuliert dem Flughafen-Chef schon mal zum neuen Job.

BER
Das ist keine Satire, das ist Realität: Bad werden hier ein paar zehntausend Autos abgestellt. Foto: rtr

Es ist bestimmt nicht leicht, Engelbert Lütke Daldrup zu sein – jedenfalls, wenn es um seinen Job geht. Es gibt bundesweit wohl nicht allzu viele Wirtschaftslenker, die gern seinen Posten übernehmen würden – als oberster Bauleiter am weltweit verspotteten Flughafenprojekt BER in Berlin-Schönefeld. Obwohl man mit Superlativen ja ganz vorsichtig sein soll, ist es eine wahre Herkules-Aufgabe, dieses wirtschaftliche Jahrhundertdesaster zu einem Ende zu führen. Wie immer das auch irgendwann mal aussehen wird.

Eigentlich Herausforderung genug, könnte man glauben. Doch nicht für Engelbert Lütke Daldrup. Er übernimmt nun noch einen weiteren Job: Er wird oberster Parkplatzwächter – und zwar auf dem größten Parkplatz in Berlin und Brandenburg. Denn der krisengeschüttelte VW-Konzern – noch immer größter Autobauer dieses Planeten – fertigt derzeit viel zu viele Autos, die er nicht los wird und die er nun laut Vereinbarung mit dem BER in Schönefeld parken will.
Die Neuwagen bekommen ab 1. September nur eine Zulassung, wenn sie den dann gültigen neuen Abgastest namens WLTP bestehen. Da der Test jedoch erst in ein paar Wochen erfolgen kann, aber trotzdem weiter Autos gebaut werden, entsteht eine beachtliche Überproduktion. Die könnte sich nach Angaben des Konzerns auf 250 000 Autos summieren. Und viele davon sollen nun auf den Großparkplatz Schönefeld. Man kann auch sagen: VW übernimmt nun den BER.

Das ist keine Satire. Das ist Realität. Da kommt zusammen, was zusammengehört: Autos, die nicht gebraucht werden, stehen auf Landebahnen, die nicht genutzt werden. So ist das.
Kein Komiker könnte sich eine bessere Geschichte ausdenken: Die beiden wohl größten Wirtschaftsskandale der vergangenen Jahre – sinnbildlich vereint auf einem Parkplatz in Brandenburg. Da ist zum einen ein einstmals legendärer deutscher Autobauer, krisengeschüttelt durch die eigenen Diesel-Betrügereien; da ist zum anderen ein staatliches Konsortium, unfähig, ein großes Gebäude mit einer funktionierenden Lüftungsanlage zu bauen.

Eigentlich aber ist diese Sache geradezu genial. Da am BER auf absehbare Zeit niemand fliegen wird, ist es doch wunderbar, dass Engelbert Lütke Daldrup wenigstens ein paar Parkgebühren einnimmt. Da neulich auch noch der Audi-Chef verhaftet wurde und auch Mercedes nicht mehr das reine Vorbild ist, wollen diese Firmen vielleicht auch ein paar Zehntausend Autos abstellen.
Vielleicht ist das Ganze auch nur ein Testballon für den Nicht-Mobilitätsstandort Schönefeld.

Denn wenn das mit dem Baustellenchaos auf den Berliner Straßen so weitergeht, rollt im Berufsverkehr bald gar nichts mehr. Dann wollen – wegen der vielen Dauerstaus – womöglich immer mehr Berliner ihr Auto loswerden. 

Dann wird Schönefeld der größte Parkplatz der Welt. Und das Amt des obersten Parkplatzwächters wird für Lütke Daldrup vielleicht ein echter Vollzeitjob.

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