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Fitness Stark ist das neue Dünn

Muskelkraft statt Magerwahn: Inspiriert durch Vorbilder aus sozialen Netzwerken trimmen immer mehr Frauen ihren Körper beim Sport. Aber die extreme Fixierung auf die eigene Fitness birgt auch Gefahren

06.10.2017 00:16
Liza Grundig
Sportmodel Liza Grundig trainiert drei- bis viermal pro Woche. Foto: dpa

Doch eigentlich existieren doch schon genug Modelvermittler, warum braucht man eine Agentur eigens für Fitnessmodels? Geschäftsführerin Tillack ist überzeugt: „Unsere Models haben eine andere Haltung.“ Sportlichkeit sei nicht nur als äußerliches Merkmal bei den Kunden beliebt. „Sportler sind disziplinierter, haben einen starken Willen, ein ganz anderes Körperbewusstsein“, sagt die zierliche, blonde Frau.

Ihre Sportmodelfirma sei die größte in Europa: „Wir greifen auf ein Potenzial von 1,5 Millionen Mitgliedern zurück.“ Außerdem habe das Unternehmen den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr stark gesteigert. 

Psychofaktoren wie Disziplin und Stärke nennt auch Lena Papasabbas vom Zukunftsinstitut als Teil des Phänomens. Das gelte besonders für Frauen: Während es beim Sport lange darum ging, den Körper zu optimieren, trete heute das Innenleben stärker in den Vordergrund. „Frauen werden zwar noch heute in unserer Gesellschaft regelmäßig objektifiziert“, erläutert die Expertin. Aber: Viele würden nicht nur Sport machen, um dünner oder attraktiver zu sein. „Frauen definieren sich nicht mehr ausschließlich über ihr Äußeres“, sagt Papasabbas. „Beim Sport geht es um die Leistung.“ Wer also zehn Kilometer joggen geht, zeigt auch: Ich bin stark, ich kann das. Körperliche Kraft wird - angesichts veränderter Rollen im Alltag – gerade für Frauen zum Symbol für Stärke auf anderen Ebenen: Wer zehn Kilometer durchhält, kann auch das neue Projekte im Job mit Ehrgeiz bewältigen.

Das sei ein Unterschied zu einer Fitnesswelle, die die US-Schauspielerin Jane Fonda Ende der 1970er und in den 1980er Jahren prägte. Mit Aerobic-Videos wurde Fonda zur Fitnessikone. „Damals standen hauptsächlich Äußerlichkeiten im Vordergrund, der Wunsch nach dem perfekten Körper.“

Masha Sedgwick jedenfalls trimmt sich nicht nur, um einen perfekten Körper zu haben. Die Modebloggerin gilt als „Influencerin“. Sie berichtete im Netz über Schönheit, Lifestyle und Mode – und beeinflusst so andere. Auf Instagram folgen ihr 140 000 Menschen.

Es ist später Vormittag in Berlin. Sedgwick kommt ein paar Minuten zu spät zum Treffen. Rote, hochhackige Schuhe, Blazer mit übergroßen Schulterpolstern, perfektes Make-up. Sedgwick fällt auf.

„Sport sorgt für ein besseres Körperbewusstsein und auch dafür, dass man im Alter fit bleibt und das ist im Endeffekt viel wichtiger als ein heißer Body“, schreibt sie im Netz. Der Beitrag ist garniert mit Fotos der Bloggerin beim Sport.

„Ich mache täglich Sport“, sagt sie. Und das, obwohl sie Sport nicht unbedingt möge. Doch In-Form-Bleiben gehöre zum Job, gibt sie zu. Zudem zeige Sport noch etwas anderes: Sie wolle nicht einfach „skinny“ sein, sondern „strong“. Man müsse sich motivieren, Disziplin zeigen. „Ich glaube, das ist das, was man eigentlich ‚strong‘ nennt.“

Zugleich möchte die Bloggerin in ihren Posts nicht immer perfekt wirken, sondern auch Schwächen zeigen. Sagt sie. Und spricht von der „Body-Positive-Bewegung“, die ihr wichtig sei. So nennt man einen Trend, der ein realitätsnahes Selbstbild in den Vordergrund stellt. Dessen Anhänger raten dazu, sich auch mollig wohl zu fühlen. Einige sehen darin feministische Ansätze. Nach Posts mit Schwächen muss man in Masha Sedgwicks Blog allerdings länger suchen.

Das gilt auch für Pamela Reif. Manche halten das 21-jährige Fitnessmodel für den Inbegriff des Trends zur sportlichen Schönheit. Drei Millionen Menschen folgen ihr auf Instagram. Dort veröffentlicht sie Fotos von Sportübungen und ihrem Körper. Ihr Buch heißt „Strong & Beautiful“. Auch sie verkauft Sport und Erfolg gerne als Frauenpower.

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