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Fitness Stark ist das neue Dünn

Muskelkraft statt Magerwahn: Inspiriert durch Vorbilder aus sozialen Netzwerken trimmen immer mehr Frauen ihren Körper beim Sport. Aber die extreme Fixierung auf die eigene Fitness birgt auch Gefahren

06.10.2017 00:16
Liza Grundig
Sportmodel Liza Grundig trainiert drei- bis viermal pro Woche. Foto: dpa

Wenn Liza Grundig die Wahl hat, greift sie zu einer besonders schweren Kugelhantel. „Das macht mir nichts“, sagt sie. Im Gegenteil. Die 28-Jährige, das dunkle Haar im Zopf nach hinten genommen, lässt leichtere Trainingsgeräte liegen und lächelt in die Kamera. Grundig ist Studentin in Berlin, stolz auf ihren vom Ausdauertraining kraftvoll geformten Körper – und sie ist Sportmodel bei McFit. Die Fitnessstudiokette hat seit ein paar Jahren eine eigene Modelagentur. Grundig ist eines von rund 2000 Fitnessmodels, die die Vermittlung in der Kartei führt.

Ihre Chefin heißt Anja Tillack. Sie leitet die Agentur. Ihr Angebot: die Sportstudiomitglieder vom Laufband auf den Laufsteg zu bringen. Und vor die Kameras von Werbefotografen. „Sportliche Attraktivität ist beliebter denn je.“ Tillack glaubt, dass sich auch die Modebranche in diese Richtung verändert.

„Strong is the new skinny“, also stark ist das neue Dünn, so lässt sich dieses Phänomen beschreiben. Weibliche Fans wollen Muskeln zeigen, nicht Rippen. Fitnessmodels feiern mit Büchern und mit Trainingsprogrammen online Erfolge. In sozialen Netzwerken finden sich motivierende Hashtags wie #noexcuses (keine Ausreden) und #getstrong (werde stark). Selbst Weltklassesportlerinnen wie die US-Skirennikone Lindsey Vonn (32) springen mit Büchern wie „Strong is the new beautiful“ auf diesen Zug auf. „Das ist auf jeden Fall seit einigen Jahren ein Trend“, bestätigt Lena Papasabbas vom Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main. Dazu passen die steigenden Mitgliederzahlen bei Fitnessstudios: 2016 wurde die Zehnmillionenmarke in Deutschland geknackt, notierte der Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen.

Muskeln statt Size Zero also. Eine positive Entwicklung, befeuert durch das Internet, könnte man meinen. Ist gar ein Ende des krankmachenden Magerwahns in Sicht? Dass Menschen sportlich aktiv sind, ist erst mal nicht neu. Kulturanthropologin Papasabbas erinnert an die Trimm-dich-Bewegung der 1970er Jahre. Neu seien allerdings Anstoß und Absicht. Während die Trimm-dich-Bewegung von Politik, Krankenkassen und Wirtschaft, also von oben, gefördert wurde, um Krankheiten in der Wohlstandsgesellschaft einzudämmen, gehe der aktuelle Trend vom Einzelnen aus, erläutert die Expertin. Heute steht das individuelle Bewusstsein für den Körper im Vordergrund. Dazu zählt neben gesunder Ernährung auch Sport. Gleichzeitig geht es oft um Ausgleich und - auch so ein Modetrend – Achtsamkeit. Gegen Stress im Job werden Sport und Bewegung hoch gehandelt.

Model Liza Grundig macht drei- bis viermal pro Woche Sport. Im Fitnessstudio ist die 28-Jährige seit Jahren Mitglied. Auf die Idee, dort auch als Model aktiv zu werden, kam sie über eine Ausschreibung. Auf Grundigs Sedcard, also auf ihrer Bewerbungskarte, steht, sie sei 1,72 Meter groß. Für ein Model eher klein. Körpermaße: 85-64-91.

In der Sportagentur gibt es jedoch keine Mindestgröße, keine vorgegebenen Maße. Auch das Alter ist nicht entscheidend. Jedes Mitglied könne sich in die Modelkartei eintragen lassen, wirbt McFit.

Am Berliner Sitz der Agentur wird Grundig regelmäßig vermessen. Sport heißt für Grundig nicht nur Wohlbefinden. „Ich finde sportliche Figuren wunderschön“, sagt sie. Durch Sport sehe die Haut viel gesünder aus. Gleichzeitig sei Bewegung aber auch wichtig für ihren Alltag, gebe ihr Energie. Die junge Frau war 2013 Miss Ostdeutschland, ist das Gesicht einiger Unternehmen und Kampagnen.

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