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Finanzierung Aus für Berliner "Chinatown"

Aus der Traum von Pagoden, Teehäusern und authentischer Peking-Ente: Das für 500 Millionen Euro vor den Toren Berlins geplante, bundesweit einmalige "Chinatown" wird nicht gebaut.

25.09.2008 09:09
Keine Drachentänze in Berlin: Das für 500 Millionen Euro vor den Toren Berlins geplante, bundesweit einmalige "Chinatown" wird nicht gebaut. Foto: ap

Oranienburg (dpa) - Aus der Traum von Pagoden, Teehäusern und authentischer Peking-Ente: Das für 500 Millionen Euro vor den Toren Berlins geplante, bundesweit einmalige "Chinatown" wird nicht gebaut. "Das Projekt ist vom Tisch", verkündet nun der Bürgermeister von Oranienburg, Hans-Joachim Laesicke (SPD).

Der Grund: "Die Investoren haben eine äußere Hülle vorgestellt, die Inhalte fehlten aber komplett". Auch der Eigentümer der Fläche, die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH (BBG) ist mit der Geduld am Ende.

"Wir werden das Grundstück nicht mehr länger für ein Chinatown vorhalten", betont Geschäftsführer Harald Holland-Nell. Lange genug habe man vergeblich auf konkrete Finanzierungszusagen gewartet. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: Vor rund eineinhalb Jahren berichtete eine Regionalzeitung erstmals über die hochfliegenden Pläne für ein "Klein-China" nördlich von Berlin. Ein ganzer Stadtteil im chinesischen Stil mit Pavillons, Teehäusern, Gewerbe, Kultureinrichtungen und einem Landschaftspark für etwa 2000 vor allem chinesische Einwohner solle auf dem einstigen Flugplatz entstehen.

Schon wenig später gaben die Stadtverordneten grünes Licht, und Laesicke sprach voller Optimismus von einer "Attraktion für Touristen aus ganz Europa" und einem Zeichen für ein tolerantes Oranienburg. Gerade angesichts der Geschichte der 41000-Einwohner-Stadt, in der die Nazis das Konzentrationslager Sachsenhausen errichtet hatten, sei dies von besonderer Bedeutung. Doch es dauerte nicht lange und der Investor, die Brandenburg-China-Projekt Management GmbH in Frankfurt (Oder), geriet immer stärker in Erklärungsnot.

Vom schwierigen chinesischen Markt war die Rede und von politisch problematischer Lage, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, im Kanzleramt empfing. Selbst als Laesicke Anfang 2008 das Aus kommen sah, vertrösteten ihn die Investoren. Als nun der Bürgermeister die Reißleine zog, waren sie für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Schwer fiel Laesicke der Schritt nicht, da die Stadt kein finanzielles Risiko getragen habe. "Es wäre natürlich schön gewesen, mit einer bundesweit einzigartigen Attraktion werben zu können - aber um jeden Preis wollten wir dieses Projekt nicht."

So muss Deutschland weiter auf ein "Chinatown" warten. Zuletzt gab es eins im Hamburger Stadtteil St. Pauli, wo in den 1920er Jahren bis zu 2000 Asiaten lebten. In der Nazi-Zeit flüchteten zahlreiche Chinesen, viele wurden verhaftet. Als die Pläne für ein Oranienburger "Chinatown" aufkamen, war zumindest die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner skeptisch, ob dieses je ein Touristenmagnet wie die chinesischen Stadtviertel von New York oder Los Angeles werden könnte. Diese seien schließlich wegen ihrer Einwohner so lebendig. Denn: Ob Chinesen überhaupt in die Kleinstadt im Berliner Speckgürtel hätten ziehen wollen, war ohnehin eine ungeklärte Frage.

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