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Filmemacher Ali Samadi Ahadi Der Trubel-Perser

Lachen über Multikulti? Der Exil-Iraner Ali Samadi Ahadi zeigt den Deutschen, wie das geht. Seine persönlichen Erfahrungen sind für Außenstehende weniger lustig. Von Moritz Baumstieger ( Mit Trailer)

22.07.2009 15:07
MORITZ BAUMSTIEGER
Anna Böger als Ana Bergheim und Navid Akhavan als Mohsen Taheri inder Komödie "Salami Aleikum" von Ali Samadi Ahadi. Foto: ddp

Ein junger Mann sucht seine Besitztümer zusammen, viel ist es nicht. Er durchwühlt sein Zimmer, sieben Quadratmeter in einem ehemaligen Schwesternheim in Hannover. Auf dem Tisch liegt ein Brief, die Ablehnung seines Asylantrags. Anbei eine Rechnung des Rechtsanwalts, 1800 Mark, dazu ein Vollstreckungsbescheid, denn er hat ja kein Geld. Der junge Mann, 18 Jahre alt und vor fünf Jahren ohne Eltern aus dem Iran gekommen, packt in seiner Angst seine Matratze und die Schulbücher zusammen. Den Rest soll der Gerichtsvollzieher ruhig holen, denkt er - nur nicht die Schulbücher! Er bringt die Sachen zu seinem Nachbarn, der stopft sie in sein Zimmer - das genauso winzig ist. Der Gerichtsvollzieher ist nie gekommen. Er rief den jungen Mann an, und als er hörte, dass nichts zu holen sei, war ihm der Weg zu weit. Man könnte über die naive Verzweiflung des Iraners fast lachen.

Ali Samadi Ahadi kann darüber lachen, laut sogar. Er selbst war vor vielen Jahren dieser Junge. Jetzt ist er 37, ein anerkannter ausgezeichneter Filmemacher, und lebt auf deutlich mehr als sieben Quadratmetern. Ahadi sitzt in seiner Küche in Köln-Klettenberg, trägt einen Vollbart zum schwarzen Haar, außerdem Jeans, ein blau-weiß kariertes Hemd und streckt seine nackten Füße unter den abgescheuerten antiken Küchentisch. Er habe Phasen gehabt, sagt Ahadi, da wollte er einfach nur unpolitisch sein, da ging er weg von seinen Wurzeln, suchte Distanz. Er, der mit 13 Jahren von seinen Eltern aus dem Iran fortgeschickt wurde, damit die Armee ihn nicht einziehen konnte, in einer Zeit, in der 15-jährige Soldaten im Krieg gegen den Irak starben. "Aber diese Distanz zur eigenen Biografie war wichtig, um zu lernen, über mich und meine Geschichte lachen zu können."

Diese Distanz zur eigenen Geschichte hat Ahadi nun genutzt, um einen Film zu machen, dessen Kernsatz lautet: "Eine verloren gegangene Heimat kannst du nur wiedererlangen, wenn Du Dir sie neu erschaffst". "Salami Aleikum" ist eine Komödie, eine politisch reichlich unkorrekte. Mohsen, ein iranischer Metzgerssohn aus Köln, der kein Blut sehen kann und gerne strickt, strandet auf der Durchreise in einem Dorf in den neuen Bundesländern. Dort ist er nicht gerade willkommen, verliebt sich aber in eine Ex-Kugelstoßerin. Um ihr zu gefallen, verstrickt sich Mohsen in Lügen, so dass auf ihm plötzlich die Hoffnung des ganzen Dorfes lastet, eine brachliegende Fabrik aus DDR-Zeiten wieder aufzubauen. Dann taucht auch noch Mohsens Vater auf, ein stolzer Perser, der auf seine Reise in die DDR zur Sicherheit einen Baseballschläger mitnimmt und findet, dass die Leute dort kein Deutsch können.

"Ich liebe es, Klischees auf einander loszulassen und zu schauen, was passiert", sagt Ahadi. "Da steckt viel Komödien-Potential drin." "Salami Aleikum" ist tatsächlich voller Klischees. Klischees über Orientalen, Klischees über Ossis und sogar auch das Klischee, dass in jedem Film mit Ostdeutschen Wolfgang Stumph ("Go Trabi, go!") mitspielen muss.

Und der Film steckt voller unterschiedlicher Stilelemente: Märchenhaftes aus 1001 Nacht, Animationen, Tricksequenzen und Bollywood-Style - all das überrascht, wenn man weiß, dass Ahadi 2006 den Deutschen Filmpreis mit einer bitterernsten Dokumentation über Kindersoldaten in Nord-Uganda bekam.

Dass Ahadi nun die Komödienform gewählt hat, ist vielleicht ein kleiner Trick. So will er den durchaus ernsten Hintergrund seines Films durch Lacher ins Herz der Zuschauer schleusen: Viele leben in einer idealisierten Vergangenheit, was verhindert, dass sie in der Realität heimisch werden. Ob das nun Ossis sind, die der DDR nachtrauern, oder Exil-Iraner, "die seit 30 Jahren auf gepackten Koffern sitzen und darauf warten, dass morgen ein Regimewechsel passiert".

Trailer zum Film

Von denen gebe es viele, sagt der Regisseur. Allein im Kölner Raum leben über 8000 Exil-Iraner der ersten Generation. Die Gruppe sei zerfasert, auch "weil jeder sein eigenes Fantasiegebilde der Heimat im Kopf" habe und die nicht immer unbedingt zusammenpassen, so Ahadi. Bei den Solidaritäts-Kundgebungen für die Demonstranten gegen den Wahlbetrug in der Heimat haben die Exil-Iraner wieder ein Stück weit zusammen gefunden. "Ich dachte, da kommen ein paar Hundert. Aber da waren ein paar Tausend!"

Während der Proteste im Iran hat Ahadi "zwei Wochen im Ausnahmezustand" gelebt, die Arbeit unterbrochen und nur noch vor Fernseher und Computer gesessen. Ahadi kennt die iranische Gesellschaft inzwischen auch wieder von innen, seit einigen Jahren kann er seine Familie dort besuchen. Während der Zeit der Demonstrationen versorgten ihn seine Mutter, seine Schwestern und Bekannte im Iran mit Informationen aus erster Hand. Auch deshalb glaubt Ahadi an eine Wende, selbst wenn jetzt die großen Protestzüge gewaltsam unterbunden werden: "Die Risse sind da, auch innerhalb des Establishments. Das System wird sich nicht ewig gegen das Volk stellen können."

Vielleicht ist es die Zuversicht, die da aus Ahadi spricht. Die Zuversicht von einem, der ohne Eltern und ohne ein Wort der fremden Sprache in Deutschland ankam und sich von der Hauptschule bis in die Uni hochkämpfte. Von einem, der am Anfang "viele Nächte lang geweint hat", der das aber als Einsatz für das betrachtet, was er jetzt an Anerkennung ausgezahlt bekommt.

Denn Ahadi hat ja so manchen Wandel schon selbst erlebt: Als er kurz nach der Wende das erste Mal in Ostdeutschland war, flüchteten er und seine Freunde vor Skinheads aus einer Kneipe namens "Völkerfreundschaft". Bei Recherchen für "Salami Aleikum" war das anders: "Ey, für einen Ausländer bist du echt ok", sagte man ihm da in einer Dorfkneipe. Sogar darüber konnt Ali Samadi Ahadi lachen.

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