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Festivals Männer geben den Ton an

In der Musikbranche sind die Frauen ganz klar eine Minderheit. Das zeigt sich bis auf wenige Ausnahmen auch in den Line-ups der Festivals. Einige wollen das ändern.

Beth Ditto
Teilt sich die Bühne gerne mit Männern: Beth Ditto. Foto: Lisa Meinen

Gezielte Frauenförderung

Die Veranstaltung an der Reeperbahn hat es in der Sache tendenziell einfacher, da sie mehr als eine reine Musikveranstaltung ist. Neben dem Bühnenprogramm, das um die 40 000 Besucher anlockt, gilt die Veranstaltung mit zahlreichen Konferenzen einerseits als wichtiger Treffpunkt für Vertreter der globalen Musikindustrie und legt andererseits Wert auf die Unterstützung neuer Talente in der Branche. Es ist quasi ein Schaulaufen für Newcomer unter den Augen der Firmen.

Bei Keychange geht es jedoch nicht nur um die 50-Prozent-Agenda, sondern auch um gezielte Frauenförderung: Ein Talentförderungsprogramm unterstützt zunächst bis ins nächste Frühjahr 60 aufstrebende weibliche Künstlerinnen und Musikwirtschaftende aus Europa, die unter anderem zu internationalen Festivals eingeladen werden. Neben dem Erschaffen einer Plattform für diese Musikerinnen und Innovatorinnen sollen mittel- bis langfristig die bestehenden Strukturen aufgebrochen und ein neues Bewusstsein verankert werden. Der von der EU geförderten Kampagne scheinen aber mit einem Budget von 200 000 Euro klare Grenzen gesetzt.

Hinter der Kampagne steht eine Stiftung, die sich seit vielen Jahren der Talentförderung verschrieben hat, die PRS Foundation aus London. Die Macher von Keychange haben sich 2017 für die angestrebte Veränderung eine ambitionierte Fünfjahresfrist gesetzt. Manche Veranstalter allerdings, heißt es seitens der Initiative, hätten bereits einen Frauenanteil von 50 Prozent erreicht und nutzten die Kampagne wiederum, um ihre Erfolge zu bewerben.

Dass es auch ganz anders geht, zeigt ein Beispiel aus Frankfurt: Auf 100 Prozent Frauen setzt dort das „W-Festival“, früher unter dem Namen „Women of the World“ bekannt. Die mehrtägige Veranstaltung, die sich auf mehreren Bühnen der Mainmetropole und Umgebung abspielt, will Künstlerinnen „jenseits aller Klischee- oder Emanzipationsdebatten“ präsentieren, „um ein Unikat in der manchmal maskulin anmutenden Festival-Landschaft zu bieten“ – so die Selbstbeschreibung. Im Mai gastierten unter anderem „Morcheeba“ mit Frontfrau Skye Edwards in Frankfurt.

Genaue Zahlen über das Geschlechterverhältnis in der kompletten Branche gibt es nicht – Keychange gibt einen Frauenanteil von höchstens 20 Prozent für beteiligte Länder an. Die Dynamik, die sich jedoch just in der Kreativindustrie um die Gleichstellung entwickle, biete eine Möglichkeit, wirkliche Veränderungen zu erreichen, hoffen die Initiatoren. Auch die Macher der Pitchfork-Studie haben das ambitionierte Ziel von Keychange registriert und in ihrer Studie erwähnt. Den meisten Festivals sei es gelungen, den Frauenanteil verglichen zum Vorjahr zu steigern. Wenn der Trend anhalte, sei ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auch irgendwann möglich. Bis 2022 könnte das allerdings knapp werden.

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