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Fall Jens Söring Häftling bittet Merkel und Obama um Hilfe

Seit 27 Jahren sitzt der Deutsche Jens Söring in den USA im Gefängnis – verurteilt als Mörder. Er beteuert seine Unschuld.

14.06.2013 20:35
Seit 27 Jahren im Gefängnis: Jens Söring. Foto: dpa

Jens Söring hat schon oft gehofft, dass er aus dem Gefängnis kommt. Genauer gesagt: 27 Jahre lang. Er beteuert seine Unschuld, bestreitet, 1985 die Eltern seiner Freundin umgebracht zu haben. Nun setzt er auf die mächtigste Frau und den mächtigsten Mann der Welt. Er hofft, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen mit US-Präsident Barack Obama in der nächsten Woche in Berlin seinen Fall zur Sprache bringen wird.

Auf seiner Homepage hat er im Mai einen Brief veröffentlicht. Darin schreibt der 46-Jährige: „Auch wende ich mich an Berlin und bitte, nein, flehe und schreie um Hilfe: Wenn US-Präsident Barack Obama im Juni nach Berlin kommt (...) Holen Sie mich bitte heim!“
Ein US-Anwalt hat an Obama geschrieben, Sörings Freundeskreis um den Publizisten Wolfgang Welsch eine Petition an Merkel verfasst.

Die Bundesregierung bemüht sich

Doch aus Sicht der Bundesregierung ist Obama hier machtlos. „Der amerikanische Präsident und die amerikanische Bundesregierung haben keinen Einfluss auf diesen Fall – weder politisch noch rechtlich. Insofern macht es wenig Sinn, es mit ihm direkt abzusprechen“, sagt der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Markus Löning (FDP).

Die Bundesregierung bemühe sich aber seit langem bei den Behörden des US-Bundesstaates Virginia um Söring. Dort sitzt er seit 1990 in der Haftanstalt Buckingham Correctional Center von Dillwyn und verbüßt eine zweimal lebenslange Haftstrafe wegen Doppelmordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985.

Löning beschreibt die Haltung der Bundesregierung so: „Er sitzt jetzt seit 27 Jahren im Gefängnis. Nach deutschem Rechtsverständnis hat er damit seine Strafe verbüßt und wäre in Deutschland auf jeden Fall frei. (...) Insofern ist die Frage, ob er schuldig ist, für uns nicht relevant.“ Löning besuchte Söring 2011 in der Haft.

Stipendiat an der Universität in Virginia

Zum Zeitpunkt der brutalen Ermordung des Ehepaares Haysom war Jens Söring 19 Jahre alt und Stipendiat an der Universität in Virginia. Nach seiner Festnahme legte er zunächst ein Geständnis ab, widerrief dies aber und erklärte, seine psychisch kranke Freundin habe ihre Eltern getötet. Er habe sie mit seinem Geständnis vor der Todesstrafe bewahren wollen und sei davon ausgegangen, dass er als Sohn eines Diplomaten Immunität genieße.

Haysom erklärte, sie habe Söring zu den Morden nur angestiftet. Sie bekam 90 Jahre Haft.

Achtmal hat Söring seit seiner Verurteilung als Haupttäter Entlassung auf Bewährung beantragt. Achtmal erfolglos. 2010 stoppte der republikanische Gouverneur von Virginia, Bob Mc-Donnell, die Genehmigung seines demokratischen Vorgängers Tim Kaine zur Haftüberstellung Sörings an Deutschland.

Söring schreibt in seinem Brief noch: „Letztlich bekam ich ,nur‘“ lebenslänglich.“ „Ich soll den Rest meines Lebens bis zum Tod hinter Gittern verbringen: eine Existenz ohne Sinn, ohne Freundschaft und Liebe, ohne Hoffnung. In den Vereinigten Staaten brüstet man sich mittlerweile damit, dass diese Strafe viel grausamer ist als die schnelle Giftspritze. Ist sie auch.“ (dpa)

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