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Fall Dutroux Dutrouxs Ex-Frau erbost Belgien

Viele Jahre lang war sie im Gefängnis, nun genießt sie wieder das Leben: Michelle Martin. Die Ex-Frau des Kindermörders Marc Dutroux geht zum Edelfriseur und ins Restaurant. Viele Belgier regt das auf.

20.12.2012 17:40
Im August durfte Michelle Martin das Gefängnis von Brüssel verlassen: Auf dem Rücksitz einer Limousine. Foto: dpa

Es war kein Friseurbesuch wie jeder andere. Wenn die Belgierin Michelle Martin im vornehmen Seebad Knokke 80 Euro für einen Haarschnitt zahlt, empört das ganz Belgien. Die Ex-Frau des Kindermörders Marc Dutroux, die erst seit vier Monaten das Gefängnis verlassen hat, lebt wieder ein normales Leben. Sie fährt ans Meer, sie wird von Bodyguards bewacht und geht im Restaurant essen, berichteten belgische Medien übereinstimmend. Kontrovers diskutiert die belgische Öffentlichkeit nun die eine Frage: Darf diese Frau das?

Eine Frau, die als „Hexe“ beschimpft wird, weil sie in den 90er Jahren Mädchen im Kellerverlies ihres damaligen Mannes jämmerlich verhungern ließ. Eine Frau, die vor Gericht gestanden hat, dass sie jahrelang mit Dutroux auf Kinderjagd ging und das Auto fuhr, wenn er Mädchen entführte. Vier seiner Opfer starben damals. Nach 16 Jahren Knast wurde die 52-Jährige vorzeitig entlassen und genießt das Leben - während die Familien der Opfer lebenslang unter ihrer Trauer leiden.

Mit Bodyguards ans Meer

Der Bürgermeister von Knokke, Léopold Lippens, gab eine klare Botschaft aus: „Michelle Martin ist hier in Knokke-Heist nicht willkommen.“ Und er stellte die praktische Frage, was passiere, wenn Martin am Strand zufällig Angehörigen der Opfer begegne. Der Friseur, der sie zunächst nicht erkannt hatte, zeigte sich schockiert: „Ich habe nicht erwartet, dass dieses Monster plötzlich in meinen Laden kommt“, sagte er „Het Laatste Nieuws“.

Eigentlich soll die ehemalige Lehrerin mit der unauffälligen Erscheinung ein Leben abseits der Öffentlichkeit führen. In einem Kloster in dem kleinen Ort Malonne bei Namur wurde Martin nach ihrer Entlassung aufgenommen, nachdem sie in der Haft zum Glauben gefunden habe. Dort hilft Martin 20 Stunden pro Woche im Haus und Garten - ehrenamtlich. Viele Belgier fragen sich, woher die Frau das Geld hat, um mit Bodyguards ans Meer zu fahren. Die Familien der ermordeten Mädchen haben nie einen Pfennig Entschädigung von Martin erhalten.

Seit ihrer vorzeitigen Entlassung im August beherrscht Michelle Martin immer wieder die Schlagzeilen. Bei ihrer Ankunft im Kloster gingen rund 5000 Menschen aus Protest auf die Straße, es gab sogar Morddrohungen. Genüsslich berichteten Zeitungen über die Kosten für den Steuerzahler - allein für den Polizeischutz Martins bei ihrer Überführung ins Kloster seien 151.738 Euro ausgegeben worden.

Auch Dutroux will freikommen

Als wenig später zwei Umschläge mit verdächtigem weißem Pulver im Kloster eingingen, wurde ein Anschlag mit Milzbrand-Erregern vermutet. Nach einer Analyse gab die Staatsanwaltschaft Entwarnung: Es handelte sich lediglich um harmloses Pulver.

Danach wurde es etwas ruhiger. Martin lebe in einem separaten Haus im Kloster und respektiere die strengen Regeln der Gemeinschaft, ließen die Nonnen verlauten. Im November traf die Ex-Frau von Marc Dutroux den Vater eines der Opfer. Das mehrstündige Gespräch mit Jean-Denis Lejeune fand in aller Stille an einem geheimen Ort statt und drang erst durch einen Vermittler an die Öffentlichkeit.

Rechtlich steht Martin auf sicherem Boden. Sie hat mit ihrem Ausflug nicht gegen Auflagen verstoßen. Doch der Vater der ermordeten kleinen Eefje, Jean Lambrecks, kritisiert: „Das ist zu viel. Michelle Martin denkt einfach nur an sich.“ Martins Anwalt, Thierry Moreau, hält Reisen seiner Mandantin dagegen für „Privatsache“ und droht dem Bürgermeister gar mit einer Klage. Auch die Zeitung „Nieuwsblad“ sprach von einer „Hexenjagd“ auf Martin.

Es sind tieferliegende Emotionen, die die Menschen bewegen. Denn auch Dutroux selbst will das Gefängnis verlassen. Im September hat der Mädchenmörder, der eine lebenslange Haft absitzt, seine vorzeitige Entlassung beantragt. Auch wenn Juristen ihm keine Chancen einräumen, ist es ein Trauma der belgischen Bevölkerung, dass dies gelingen könnte. (dpa)

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