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Fährunglück Sansibar trauert um seine Opfer

Bei einem Fährunglück sterben fast 200 Menschen. Die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet. Überlebende und Angehörige machen die Betreiber der Fähre für das Unglück verantwortlich.

12.09.2011 17:18
Viele Kinder gehörten zu den Passagieren der gesunkenen Fähre. Foto: dpa

Mit einer bewegenden Gedenkfeier begann am Sonntag Morgen in Sansibar eine insgesamt dreitägige Staatstrauer. Beim Untergang der Fähre „MV Spice Islander“ sind in der Nacht zum Samstag fast 200 Menschen ums Leben gekommen.

Das mit mehr als 800 Passagieren völlig überladene Schiff war auf dem Weg von der Insel Unguja zur Nachbarinsel Pemba. Sansibar ist ein halbautonomer Teilstaat des Unionsstaates Tansania, liegt im Indischen Ozean und ist ein beliebtes Ferienziel. Die Bewohner der malerischen Inseln mit ihren weißen Sandstränden erzielen ihre Haupteinkünfte aus dem Tourismus. Ausländer waren nach Behördenangaben aber nicht unter den Todesopfern.

Die Katastrophenhelfer setzten auch am Sonntag ihre Suche nach den Opfern des Unglückes fort. In der Hoffnung, Überlebende zu finden, versammelten sich Tausende Menschen am Strand der Nordküste Ungujas. An der Suche nach Vermissten beteiligten sich auch Fischer und Anbieter von Tauchausflügen. Taucher suchten die ganze Nacht und den ganzen Tag im Meer nach Überlebenden.

Die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwinden mehr und mehr, sagte am Sonntagnachmittag ein Polizeisprecher. Bis Sonntagabend konnten 197 Leichen aus dem Meer geborgen werden. Die meisten Toten stammten nach Behördenangaben aus Sansibar. Unter ihnen waren zahlreiche Familien, die von ihrem Urlaub zum Ende des Ramadan nach Hause zurückkehren wollten.

Überlebende und Angehörige machten die Betreiber der Fähre für das Unglück verantwortlich. „Noch bevor die Fähre auslief, schrien wir dem Kapitän und den Leuten im Hafen zu, dass das Schiff viel zu voll sei“, berichtete der 50-jährige Said Amur über das, was an Bord geschah. Vier Stunden später kenterte die Fähre. „Das war kein Unfall. Schuld haben diejenigen, die auch dann das Schiff nicht stoppen wollten, als selbst die Passagiere begriffen, dass die Fahrt viel zu gefährlich war.“

„Es war furchtbar"

„Es war furchtbar, die Menschen haben geschrien und kreischten in der Dunkelheit“, berichtete die siebenjährige Aisha Mohammed, nachdem sie aus dem Meer in ein Rettungsboot gezogen worden war. „Ich kann meine Mami nicht finden, ich habe sie im Wasser verloren“, sagte sie verzweifelt.

„Die meisten der Schiffe hier sind alt und oft überladen, und die Behörden lassen das einfach durchgehen“, sagte Abdurahman Alawi, der insgesamt sechs Angehörige bei dem Unglück verlor. „Wenn sich nichts ändert, wird das nicht der letzte Unfall dieser Art gewesen sein.“

Wie viele Menschen genau an Bord der Unglücksfähre waren, konnte zunächst niemand sagen. Obwohl die Behörden die maximale Passagierzahl nicht festgelegt hatten, sprachen sie davon, dass das Schiff überladen war. Außerdem hatte das Schiff offenbar riesige Mengen an Reis und anderen Gütern geladen.

Die gesunkene Fähre war 1967 in Griechenland gebaut worden. Zunächst diente sie jahrzehntelang als Fähre in griechischen Gewässern. Zuletzt befuhr sie die Route vom griechischen Fährhafen Piräus zu den saronischen Inseln Ägina und Angistri. 2007 ging das Schiff in den Besitz einer tansanischen Reederei über.

Im Stadion der Insel Unguja versammelten sich am Sonntagmorgen die Hinterbliebenen der Verunglückten zu einer gemeinsamen Trauerfeier. Am Samstag waren im Stadion zunächst die geborgenen Leichen aufgebahrt worden. Helfer brachten den ganzen Tag über leblose Körper, die aus dem Meer gezogen oder an die Strände angespült worden waren, auf den Fußballplatz. Dort wurden sie abgelegt, getrennt nach Männern, Frauen und Kindern, damit die Angehörigen sie schneller identifizieren konnten.

Präsident Ali Mohammed Schin sprach von einer nationalen Tragödie. Seine Regierung werde „alles tun, um die Opfer dieses schrecklichen Vorfalls zu unterstützen“, sagte er. (FR)

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