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Exorzismus Dem Bösen die Stirn bieten

Teufelsaustreibungen sind laut katholischer Kirche auch heute noch unverzichtbar. Der Vatikan hat in dieser Woche ein Exorzismusseminar für 250 Priester und Ordensleute ausgerichtet. Einer der Redner will Besessene sogar erfolgreich via Handy von Satan befreit haben.

Exorzismus
Die Kolumbianerin Gisela Marulanda wähnt sich von bösen Geistern besessen. Ein Exorzist soll sie vertreiben. Foto: rtr

Besessene, die wüste Flüche brüllen, sich winden, Fratzen schneiden und mit übernatürlichen Kräften Schränke verrücken; Priester, die sich mit Kreuzen bewaffnet gegen das Böse stellen. Es sind Bilder aus „Der Exorzist“ und anderen Horrorfilmen, die einem beim Stichwort Teufelsaustreibung in den Sinn kommen. Im Hörsaal der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum in Rom geht es an diesem Morgen dagegen recht ruhig und akademisch zu. Angehende Exorzisten aus aller Welt haben sich hier versammelt, um in einem einwöchigen Kurs die Grundlagen vermittelt zu bekommen. Unter den zwei Dutzend Dozenten sind Theologen, Psychologen, Mediziner und Juristen.

Vorwiegend schwarz gekleidete Männer und einige wenige Frauen füllen die Zuhörerreihen, dazwischen katholische Priester und Ordensleute in langen Talaren oder Kollarhemden. Es sind 250 Teilnehmer aus 51 Ländern, viele Lateinamerikaner, aber auch Afrikaner, Inder und US-Amerikaner sind darunter. Sie machen Notizen und tragen Kopfhörer, die italienischen Vorträge werden in drei Sprachen simultan übersetzt. 

Der einzigartige Kurs findet zum 13. Mal statt. Denn weltweit steigt die Nachfrage nach Exorzisten. Die Zahl der Hilfesuchenden, die sich von Dämonen befreien lassen wollen, hat sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht – behauptet jedenfalls die in Rom ansässige Internationale Vereinigung der Exorzisten AIE (Associazione internazionale degli esorcisti). In einem vermeintlich rationalen und säkularisierten Zeitalter sind das doch erstaunliche Zahlen. 

Viele Menschen glaubten nicht mehr an den Teufel, täten ihn als lächerlichen Volksaberglauben ab, sagt auch Pater José Enrique Oyarzun, einer der Organisatoren, zur Einführung. Aber er zitiert den Dichter Charles Baudelaire: „Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.“ Der „Fürst dieser Welt“, sagt Oyarzun, „unser Feind“, sei immer präsent und versuche die Menschen zu verführen. „Viele, die enttäuscht und unzufrieden sind, treten in Kontakt mit dem Bösen und enden in seinen Fängen.“ So breite sich das Phänomen aus.

Papst Franziskus hält ebenso wie seine Vorgänger den Einsatz von Exorzisten für unverzichtbar. Und betont: Diese müssten „sehr sorgfältig und mit viel Klugheit ausgewählt werden“. Anfang April hatte der Papst gefordert, jede Diözese habe einen Exorzisten zu ernennen. Im Kurs wird ebenfalls darauf verwiesen, dass ausschließlich Priester das offizielle Exorzismusritual anwenden dürfen – und das auch nur mit einer vom zuständigen Bischof ausgestellten Lizenz. Allerdings werden katholische Seelsorger in ihrer Ausbildung nicht darauf vorbereitet. Da gebe es einen Mangel in der Kirche, sagt später einer der Dozenten, das Problem werde unterschätzt. Deshalb also der Kurs.

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