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Eurovision Song Contest 2018 Wie von Spotify vorausgesagt

Deutschland macht die Schmach der letzten Plätze beim Eurovision Song Contest wett, Israel gewinnt mit einem ungewöhnlichen Song. Der ESC 2019 wird voraussichtlich in Jerusalem stattfinden.

Eurovision Song Contest 2018 - Finale
Die Sängerin Netta feiert ihren Sieg. Foto: dpa

Spotify hat es vorhergesagt - und Recht behalten: Der Gewinner des Eurovision Song Contest 2018 heißt Israel, die ESC-Karawane zieht weiter von Lissabon ins Heilige Land. Nettas Stück „Toy“, das in den zwei Wochen vor dem Finale häufiger bei Spotify gestreamt und auf Youtube abgerufen wurde als die Songs aller Mitbewerber, setzte sich in einem spannenden Fotofinish durch und verwies Zyperns Elena Foureira („Fuego“) auf Rang zwei. Auch diese Platzierung entsprach der am Freitagabend veröffentlichen Spotify-Prognose.

Für Deutschland sang und weinte sich Michael Schulte auf den vierten Platz – ein Riesenerfolg nach drei aufeinanderfolgenden Blamagen 2015, 2016 und 2017. Auch die Einschaltquote hat sich wieder stabilisiert – 8,2 Millionen Zuschauer sahen die Übertragung im Ersten (nach 7,8 Millionen 2017).  

Zunächst wurden am späten Samstagabend die Jurywertungen aus allen 43 stimmberechtigten Ländern abgefragt. Schnell war klar, dass sich das deutsche Debakel der Vorjahre nicht wiederholen würde: Michael Schulte sang sein gefühliges „You Let Me Walk Alone“ (über den Tod seines Vaters) mit fester Stimme und feuchtschimmernden Augen. Dieses Tränen-Timing beeindruckte die Jurys in ganz Europa, vier Länder (Holland, Dänemark, Norwegen und Schweiz) spendierten sogar die begehrten zwölf Punkte, die Höchstwertung. Schulte sprach anschließend von „einem der schönsten Abende meines Lebens.“

Zur allgemeinen Überraschung räumten unsere Nachbarn aus Österreich noch stärker bei den Jurys ab: In neun Ländern gefiel der Soulsänger Cesar Sampson („Nobody But You“) den Musikexperten am besten. Nachdem alle Jurypunkte addiert waren, lag Sampson sogar in Führung, knapp gefolgt von Schweden. Für den smarten Benjamin Ingrosso („Dance You Off“) wendete sich das Blatt dann aber dramatisch, als das kumulierte Ergebnis aus dem „popular voting“ verkündet wurde, in aufsteigender Reihenfolge.  Da fiel der Name Schweden bereits sehr früh, nur Platz 23 in der Zuschauergunst und damit keine Chance auf den Sieg.

Auch für Österreich reichte es unterm Strich nicht – Platz 13 in der Zuschauerwertung und damit ein Rücksturz auf den dritten Platz in der Endabrechnung. Italien wiederum, von den Jury-Experten mit Missachtung gestraft, sprang noch auf den fünften Platz in der Gesamtwertung. 

ESC 2019 im konservativen Jerusalem statt im weltoffenen Tel Aviv?

Kurz nach halb zwölf Uhr portugiesischer Zeit spitzte sich dann alles auf die Frage „Zypern oder Israel?“ zu, mit dem besseren Ende für die Israelis, die nächstes Jahr nun nach 1979 und 1999 ein drittes Mal den ESC veranstalten werden, wohl nicht im weltlich-feierfreudigen Tel Aviv, sondern im konservativen Jerusalem. Siegerin Netta Barzilai war diese Information bereits bei der Siegerehrung rausgerutscht. Alon Amir, Pressechef der israelischen Delegation, dementierte auf Anfrage dieser Zeitung nur halbherzig: „Es ist noch nicht bestätigt, aber ich rechne fest damit. “ 

Barzilai, 25, war in Israel durch die Talentshow „HaKochav HaBa“ bekannt geworden, ihr Song „Toy“ kombiniert selbstbewusste Frauenpower-Botschaften mit schrillen Sounds und Hühnergegacker. Und während Netta den Kerlen einbläut, dass sie keine „Puppe“, kein „Spielzeug“ sei, rotieren im Hintergrund batteriebetriebene, güldene Winkekatzen. An diese Performance wird sich die ESC-Gemeinde noch lange erinnern.   

Die Siegertrophäe, das gläserne Mikrofon, nahm Netta aus den Händen des Vorjahresersten Salvador Sobral entgegen, es war sein erster großer Auftritt nach der lebensrettenden Herztransplantation im Dezember 2017. Dass er nochmal seinen Erfolgssong „Amar Pelos Dois“ sang, diesmal im Duett mit der brasilianischen Musiklegende Caetano Veloso, war für das einheimische Publikum viel mehr als ein Pausenfüller, sondern der emotionale Höhepunkt eines überlangen ESC-Abends (3 Stunden und 45 Minuten). Der letzte Platz im Wettbewerb (Claudia Pascoal, „O Jardim“) betrübte die Gastgeber nicht besonders.

Störer stürmt die ESC-Bühne

Der einzige unschöne Zwischenfall in der Altice Arena war jener Störenfried, der während des britischen Auftritts auf die Bühne stürmte und Sängerin Surie das Mikrofron aus der Hand riss. Sicherheitsleute wiederum rissen den Mann zu Boden. Mit einem flugs aus dem Off angereichten zweiten Mikro machte Surie tapfer weiter, ein Angebot der Veranstalter, noch zweites Mal (und dann ungestört) aufzutreten, schlug die britische Delegation aus.  

Brutal abgestraft wurde Australien – letzter Platz  im Zuschauerranking für Jessica Mauboy („We Got Love“). Sie dürfte dafür allerdings beim Barbara-Dex-Award beste Chancen haben – dieser von einer belgischen Fan-Website ausgelobte Preis gilt dem grausigsten Kleid eines jeden ESC-Jahrgangs. Hier ebenfalls in der engeren Wahl: der Heiratsschwindler-Anzug des Spaniers Alfred Garcia. 

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