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Europäisches Solidaritätskorps Die Uefa macht Kohle, der EU-Bürger zahlt

Die Pläne der EU, die Uefa bei der Ausrichtung der EM 2020 mit freiwilligen Helfern im Rahmen ihres Solidaritätskorps zu unterstützen, trifft besonders im Europaparlament auf heftige Kritik.

Uefa in der Kritik
Bereits in der Vergangenheit ist die Uefa immer wieder mit Skandalen um Schmiergeld und unsaubere Geschäftsführung aufgefallen. Foto: Imago

Dem Präsidenten ging es ums Grundsätzliche. „Die Solidarität ist der Kitt, der unsere Union zusammenhält“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im vorvergangenen Herbst vor dem Europaparlament. Der gemeinsame Haushalt sei ein Ausdruck der Solidarität, ebenso der Euro oder die europäische Entwicklungspolitik. „Als die portugiesischen Wälder brannten, löschten italienische Flugzeuge die Flammen. Als Überschwemmungen in Rumänien die Stromversorgung unterbrachen, sorgten schwedische Generatoren für Licht. Als Tausende Flüchtlinge an den griechischen Küsten landeten, fanden sie Schutz in slowakischen Zelten.“

Europa als solidarische Veranstaltung: So sieht Juncker das. Also schlug er ehedem etwas Neues vor, das den Zusammenhalt auf dem Kontinent weiter stärken soll – nämlich den Aufbau eines Europäischen Solidaritätskorps. „Junge Menschen aus der ganzen EU sollen als Freiwillige in Krisensituationen, wie etwa der Flüchtlingskrise oder nach den jüngsten Erdbeben in Italien, dort Hilfe leisten können, wo sie am dringendsten gebraucht wird.“

Gesagt, getan. Das Solidaritätskorps nimmt inzwischen Gestalt an. Fast 60 000 junge Menschen haben sich registriert, rund 4000 sind im Einsatz oder haben diesen abgeschlossen. Bis 2020 sollen es nach dem Willen Junckers 100 000 Teilnehmer sein. Sie erhalten von den ausführenden Organisationen Kost, Logis und ein Taschengeld. Das Ganze darf aber nicht gewinnorientiert sein. Die EU unterstützt die Abwicklung, auch finanziell. Wenn man so will, handelt es sich um eine Mischung aus Bundesfreiwilligendienst und Interrail: Junge Erwachsene aus ganz Europa machen sich vor dem Berufseinstieg nützlich, lernen andere Länder kennen, treffen Gleichgesinnte und vertiefen zugleich ihre Fremdsprachenkenntnisse.

Nun allerdings fällt ein Schatten auf das gut gemeinte Projekt. Denn Junckers Behörde hat unlängst einen Vertrag mit einer Organisation abgeschlossen, die in der Wahrnehmung vieler nicht unbedingt für Solidarität steht, sondern für Geschäftemacherei, Größenwahn und Korruption. Es handelt sich um den europäischen Fußballverband Uefa.

Die Kritik: Die Uefa macht Kohle, der EU-Bürger zahlt

Ziel des Abkommens ist es, die Popularität und Breitenwirkung des Fußballs zu nutzen, um Werte wie Toleranz, Nachhaltigkeit und soziale Inklusion zu fördern. Auch von „Good Governance“ ist in dem Abkommen die Rede, also von einer sauberen Geschäftsführung ohne Schmiergeld und Skandale. Das ist auch dringend notwendig: Im Frühjahr 2016 hatte der langjährige Uefa-Chef Michel Platini im Zuge einer Affäre um dubiose Zahlungen seinen Posten geräumt. Und im Sommer 2017 trat der damalige Uefa- und Fifa-Vize Angel Maria Villar Llona von seinen Ämtern zurück, nachdem die spanische Polizei ihn wegen Korruptionsverdachts festgesetzt hatte.

In dem Abkommen zwischen EU-Kommission und Uefa findet sich auch ein Passus, der das Zeug hat, Junckers schöne Solidaritätskorps-Idee ad absurdum zu führen. Darin sprechen beide Seiten davon, dass durch Freiwilligen-Einsätze bürgerschaftliches Engagement und Integration gefördert werden sollen. „Im Rahmen der Initiative für das Europäische Solidaritätskorps werden Freiwillige beispielsweise an den Programmen teilnehmen können, die an den Spielorten der Uefa Euro 2020 ausgetragen werden.“

Das ist zumindest missverständlich formuliert. Denn man kann die Passage auch so lesen, dass die EU-Kommission bereit ist, der Uefa anlässlich der Fußball-Europameisterschaft (EM) in zwei Jahren im großen Stil billige Arbeitnehmer zuzuführen und dafür auch noch Geld der europäischen Steuerzahler aufzuwenden. Bei Sport-Großveranstaltungen samt Begleitprogramm werden massenhaft Helfer benötigt – etwa als Ticket-Kontrolleure, Sicherheitskräfte oder als Lotsen für Gäste und Aktive.

Nun ist die Uefa alles andere als arm – auch wenn sie stets betont, gar nicht gewinnorientiert zu arbeiten. Mit der Vermarktung der EM 2016 in Frankreich etwa setzte der Verband 1,9 Milliarden Euro um. Am Ende blieben fast 850 Millionen Euro Überschuss. Die Vermarktung des Turniers 2020 läuft bereits auf Hochtouren, allein für die Fernsehrechte in Deutschland sollen ARD und ZDF 150 Millionen Euro gezahlt haben. Die EM findet in zwei Jahren nicht in einem einzigen Land statt, sondern in zwölf Städten quer durch Europa. Einziger Spielort hierzulande ist München.

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