Lade Inhalte...

"Es"-Autor Stephen King hat genug von Horrorclowns

Sie machen in Deutschland immer öfter die Straßen unsicher - und bringen damit professionelle Spaßmacher gegen sich auf. Was sagt der Erfinder des gruseligsten Clowns der Literaturgeschichte dazu?

24.10.2016 07:30
Grusel-Clowns seien "wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen", findet der Dachverband Clowns in Medizin und Pflege Deutschland. Foto: dpa

Nach mehreren Übergriffen von sogenannten Grusel-Clowns auf Passanten befürchten professionelle Spaßmacher einen Imageschaden. «Durch die Attacken wird der Clown immer mehr zum Angstobjekt», sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmen, Dieter Seeger, der Deutschen Presse-Agentur. «Mit einem Clown soll eigentlich Spaß, Freude und Tollpatschigkeit assoziiert werden. Über ihn soll man lachen.»

Warum die Maskierten sich für ein Clowns-Kostüm entscheiden, kann Seeger nur vermuten: «Möglicherweise hat das mit einigen Kinofilmen zu tun, in denen der Bösewicht als Clown auftritt - zum Beispiel bei Überfällen.» Das weiß geschminkte Gesicht, die rote Nase und das breite Grinsen seien dann nur noch gruselig. Gerade auf Kinder wirke sich das traumatisch aus. «Viele moderne Clowns im Zirkus verzichten mittlerweile auf die weiße Gesichtsfarbe und Maske und setzen eher auf lustige Kleidung.»

Die professionellen Clowns sind sauer und stellen klar: «Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen.» In einerMitteilung des Dachverbands Clowns in Medizin und Pflege Deutschland heißt es weiter: «Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie.»

Auch der Geschäftsführer des Vereins Rote Nasen Deutschland, Claus Gieschen, betonte in Berlin: «Wer Kinder und Erwachsene erschrickt und sich dabei hinter einer Maske verbirgt, richtet nicht nur seelischen Schaden bei den Betroffenen an, sondern beschädigt das Bild von Clowns in der Öffentlichkeit.» Der therapeutische Einsatz von Clowns in Krankenhäusern sei wegen der Gruselwelle gefährdet.

Der Direktor des Zirkus «Roncalli», Bernhard Paul, prophezeite in der österreichischen «Kronen Zeitung», die Grusel-Clowns würden «so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind». Paul sagte weiter: «Die Kostümierung dieser Gestalten ist die eine Sache. Dass sie sich ungestraft Clowns nennen, ist die andere. Aber wenn sie dann auch noch mit Sägen und Knüppeln auf Leute losgehen, dann sind es Kriminelle, dafür ist die Polizei zuständig.»

In den USA und zahlreichen anderen Ländern machen Grusel-Clowns schon seit einiger Zeit die Straßen unsicher - zuletzt mehrten sich auch Berichte über Grusel-Clowns in Deutschland. Als Videos tauchen die makabren Streiche oft im Internet auf.

Inzwischen ist es selbst Stephen King zuviel. Der US-Horrorautor hatte mit dem Roman «Es», in dem der böse Clown Pennywise reihenweise Kinder tötet, 1986 einen Bestseller gelandet. King schrieb diesen Monat auf Twitter: «Liebe Leute, macht endlich mal halb lang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen.»

Bei diesen Umtrieben hört für Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Spaß auf. "Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben", sagte der Minister der "Passauer Neuen Presse" (Montagsausgabe). Die Täter dürften nicht mit Nachsicht rechnen: "Wir werden da deshalb auch nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden", sagte Herrmann. "Aus einem vermeintlichen Scherz wird dann für den Täter bitterer Ernst."

Herrmann berichtete von einem Fall in München, wo am Freitag ein Horror-Clown einen zehnjährigen Jungen auf offener Straße erschreckt habe: "Plötzlich stürzte eine Person mit Clownsmaske und mit schwingender Axt schreiend aus einem Gebüsch und lief auf den Jungen zu. Dabei filmte sich der Täter. Der Junge erschrak furchtbar und lief davon." Wer solche Filme etwa auf Facebook veröffentliche, müsse mit einem Besuch der Polizei rechnen, sagte der Minister. (dpa/afp)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen