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Erdöl Kanaren Kein Öl vor Fuerteventura

Sieben Wochen lang bohrte Repsol im Atlantik und stieß bis in gut drei Kilometer Tiefe vor – alles vergebens. Der spanische Konzern bricht die Probebohrungen erfolglos ab, die Bewohner der Kanaren und Reiseveranstalter sind erleichtert.

Die spanische Kriegsmarine patrouillierte in kleinen Boten rund um den Bohrturm. Foto: dpa

Die Wunden schwären noch. Monatelang haben sich die spanische Regierung in Madrid und die Regionalregierung der Kanaren übers Erdöl gestritten, das der Energiekonzern Repsol in den Tiefen des Atlantiks in der Nähe von Fuerteventura vermutete. Jetzt hat Repsol seine Probebohrungen erfolglos abgebrochen, doch der Streit ist noch nicht beigelegt. Der Industrieminister José Manuel Soria hält der kanarischen Regionalregierung weiter vor, ein „Possenspiel“ veranstaltet zu haben, der kanarische Ministerpräsident Paulino Rivero klagt weiter, seine Inseln seien von Madrid wie eine „Kolonie“ behandelt worden. Und er will auf der Hut bleiben: „Wir dürfen weder der Regierung noch Repsol trauen.“

Wie im Rausch

Repsol ist ein spanischer Konzern, der in aller Welt nach Öl bohrt. In Spanien selbst ist das Unternehmen bisher selten fündig geworden. Umso größer war die Aufregung, als Repsol im Jahr 2001 einen ersten Antrag auf Probebohrungen im Atlantik vor den beiden am weitesten östlich gelegenen Kanareninseln Fuerteventura und Lanzarote stellte: Dort gebe es möglicherweise das größte Ölfeld, das „in der Geschichte Spaniens“ entdeckt worden sei. So ergiebig, dass damit zehn Prozent des spanischen Erdölbedarfs gedeckt werden könnten, 20 Jahre lang.

Die Nachricht löste auf den Kanaren keine Euphorie aus. Die Inseln leben vom Tourismus, mehr als zehn Millionen ausländische Besucher kommen jedes Jahr. Dass Erdöl und Tourismus schlecht zusammen passen, fanden nicht nur die meisten Kanarenbewohner, sondern auch die Reiseveranstalter. Deren Lobbyorganisationen wie der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Schweizer Reiseverband (SRV) schrieben besorgte Briefe ans spanische Industrieministerium und warnten vor dem möglichen „ernsthaften Schaden“ für den Tourismus, wenn mit den Ölbohrungen begonnen würde.

Doch der zuständige Minister José Manuel Soria, selbst in Las Palmas de Gran Canaria geboren, ließ sich nicht beirren. Nach langem administrativem Vorspiel gab er im vergangenen Sommer die Genehmigung für die 13 Jahre zuvor beantragten Probebohrungen. Am 18. November begann Repsol rund 60 Kilometer östlich von Fuerteventura zu bohren, unbeirrt von allen Protesten.

Umweltschützer erleichtert

Die spanische Kriegsmarine hielt die Greenpeace-Aktivisten auf Abstand, die sich in Schlauchbooten der schwimmenden Bohrplattform Rowan Renaissance zu nähern versuchten. Sieben Wochen lang bohrte Repsol und stieß bis in gut drei Kilometer Tiefe vor. Alles vergebens. Das Unternehmen gab bekannt, dass man Gas gefunden habe, doch „weder in ausreichender Menge noch Qualität“, um eine Förderung in Betracht zu ziehen. Der kanarische Ölrausch findet nicht statt.

„Eine schlechte Nachricht für Spanien und für die Kanaren“, befand Minister Soria. „Ein Erfolg für die Kanaren und die kommenden Generationen“, meinte dagegen Regionalpräsident Rivero. Selbst auf den fernen Balearen freute man sich. Denn auch im Mittelmeer möchten manche nach Öl suchen, was Umweltschützer und Regionalpolitiker zu verhindern versuchen. Probebohrungen wie die vor den Kanaren seien „nicht wirklich notwendig“, meinte Carlos Bravo vom balearischen Verband Mar Blava, der sich gegen alle Ölsuche im westlichen Mittelmeer engagiert. Stattdessen müsse man jetzt auf „das hervorragende Potenzial der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz“ setzen.

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