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Equinox Mit dem Joystick durch die Ems

Die "Equinox" ist das größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff. Nun wurde es durch die Ems zur Nordsee überführt. Der Fluss musste dafür extra um über zwei Meter aufgestaut werden.

20.06.2009 22:06
Oliver Pietschmann und Christian Wöste, dpa
Schlepper ziehen am 19.06.09 in Papenburg das Kreuzfahrtschiff "Equinox" der US-Reederei Celebrity von der Meyer Werft auf die Ems. Foto: ddp

Im Schritttempo schiebt sich das riesige Kreuzfahrtschiff auf der schmalen Ems in der Morgendämmerung in Richtung Nordsee. Hunderte Schaulustige und blökende Schafe eskortieren das schwimmende Hotel für die Weltmeere.

Auf der Brücke steht Kapitän Thomas Teitge und manövriert den 317 Meter langen, mehr als 36 Meter breiten und 13 Decks hohen Koloss durch das Nadelöhr Ems. Mit einem Joystick steuert er das neue Prunkstück der Papenburger Meyer Werft, die "Celebrity Equinox", bei der Jungfernfahrt mit dem Heck voraus über den Fluss auf die Küste zu.

Für die Überfahrt wurde eigens die Ems erstmals auch im Sommer für einen längeren Zeitraum aufgestaut, was mitten in der Brutzeit teils seltener Vögel zu Kritik bei Umweltschützern führte. "Es ist eine sehr hohe Konzentration erforderlich", sagt der erfahrene Kapitän Teitge von der Lotsenbrüderschaft Emden, der schon mehr als 20 der Kreuzfahrtschiffe für die Traditionswerft über die Ems geschifft hat. Einmal nicht aufpassen kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Der Koloss kann bis auf vier Zentimeter genau manövriert werden. Neben Routine, Können und Konzentration setzt Teitge noch auf ein "Wundermittel". "Ohne Kekse fahren wir nicht. Ein wenig Aberglaube muss sein."

Auch diesmal läuft bei der Überführung des 500 Millionen Euro teuren Luxusliners für die Schiffsbauer des Familienunternehmens Meyer alles glatt. Die kleine Luxuswelt "Equinox" (Tagundnachtgleiche) mit Kasino, Bibliothek, Theater, Golfplatz, Schwimmbädern, Fitnessstudio, mehr als einem halben Dutzend Bars und mehreren Restaurants meistert die Überfahrt in Richtung Nordsee.

Am 16. Juli will der Reeder Celebrity die schwimmende Urlaubswelt übernehmen und bereits einen Tag später unter Volllast mit Passagieren England ansteuern. Später soll das Schiff dann Urlauber in der Karibik umherfahren. Entgegen allen Erwartungen wegen der Finanzkrise läuft das Kreuzfahrtgeschäft. In Deutschland und der Schweiz gibt es nach Angaben von Celebrity Zuwachsraten. Und auch Werft Chef Bernard Meyer sieht trotz Krise in der Kreuzfahrtbranche weiter Wachstumspotenzial.

Angesichts wegbrechender Aufträge bei anderen Schiffen befürchtet er jedoch, dass andere Werften zum Beispiel in Asien versuchen werden, diesen Markt zu besetzen. Anders als bei vielen anderen Schiffbauern sind die Auftragsbücher in Papenburg noch bis 2012 gefüllt.

Die Begeisterung und Leidenschaft für seine Schiffe hat Meyer bis heute nicht verloren. "Es ist immer etwas Besonderes", sagt er über die jüngste Schiffsüberführung. Mit einem Vertrag zusammen mit den Naturschutzverbänden Nabu, Bund und WWF brachte der Firmenchef in der vergangenen Woche zudem noch Bewegung in einen seit 30 Jahren schwelenden Streit mit Umweltschützern. "Ich bin glücklich, so hätte es nicht weiter gehen können. Da wurde nutzlos Energie verschwendet."

Doch nicht alle Umweltschützer sehen den verhandelten Kompromiss als Erfolg. Mit drei Booten protestieren Mitglieder der regionalen Bürgerinitiative "Rettet die Ems" am Samstag während der Überführung. Auf Transparenten heißt es: "Stoppt die Zerstörung der Ems" und "Schluss mit diesem Wahnsinn". (dpa)

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