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EM Kein Spiel dauert 90 Minuten

Grüner Tisch statt grüner Rasen: Unser Spiele-Experte gibt Tipps für Zeiten des Entzugs.

Entscheidend is aufm Tisch! Foto: Lookout Spiele, schmidt spiele, kosmos verlag, Spielkartenfabrik altenburg

Für Fußball-Junkies beginnt jetzt die harte Zeit. Zwei Wochen lang haben die Dealer von der UEFA bis zu dreimal am Tag geliefert. Jetzt wird der Stoff zwar besser – aber dramatisch knapp. Was tun?

Ersatz muss her. Traditionalisten, klar, greifen zu Tippkick und Tischkicker. Digital Natives traktieren den Bundesliga-Manager und lassen CR7 auf der PS4 Dinge tun, die nicht mal Messi hinkriegt. Aber der Rest? Auch der kann sich spielend die Zeit vertreiben: im klassischen Teamsport, sprich dem guten alten Gesellschaftsspiel. Aber was heißt alt! Es gibt reichlich Neues – und überall rollt der Ball. Wenn auch meist nur 15 bis 30 Minuten.

Etwa bei „Ligretto“ (Schmidt Spiele). Das ist im Original ein kunterbunt-hektisches Kartenspiel, bei dem die Akteure im wilden Durcheinander ihre mit Ziffern versehenen Handkarten passend auf Ablagestapel spielen. „Das Ligretto Fußballspiel“ funktioniert ähnlich, aber hier tritt man in zwei Teams an. Der Witz: Jede Mannschaft muss ihre Hektik koordinieren und gemeinsam die Auslage mit fünf Zahlenvorgaben schaffen. Hat sich das Team so zum gegnerischen Strafraum durchgetankt, dreht es die Handkarten auf die Rückseite. Die zeigen jeweils Teile einer Torszene, die man korrekt zusammenpuzzeln muss. Aber verdammt schnell, denn gegenüber machen sie dasselbe – verglichen damit hätte Mario Götze im nordirischen Strafraum Zeit gehabt, drei Guinness zu zapfen.

Wem das Karten-Tiki-Taka zu wild ist, greift zu „Schuss und Tor“ (Lookout Spiele). Auch das ein hübsches kleines Kartenblatt, bei dem aber alle reihum und gesittet spielen. Rein technisch betrachtet, geht es darum, richtig zu bedienen. Aber nicht die klassischen Farben, vielmehr entstehen Ballstaffetten. Spielt der erste Akteur die Karte „Fritz zu Willi“ aus, muss der nächste einen „Willi zu …“ auf der Hand haben und darauf legen. Kann (oder will) er das nicht, setzt der vorherige Spieler zum Torschuss an – sprich: Er zieht von einem zweiten Kartenstapel eine „Torchancenkarte“. Die bietet vom „Doppelschlag“ (= zwei Tore) bis zum „Aus“ alles Mögliche. „Schuss und Tor“ variiert sehr hübsch klassische Kartenspiel-Elemente wie Glück und Taktik. Dazu kommt, dass die Runde das Geschehen wie in einer Radioreportage begleitet. Spätestens bei „Schuss und Tor!!!“ fiebert auch der Nebentisch in der Kneipe mit.

Womit der elegante Seitenwechsel zu „Fußball-Fieber“ (Kosmos) gelingt. Das ist ein komplexes Kartenspiel, das vom Mechanismus ein bisschen an „Magic: The Gathering“ erinnert. Jeder der bis zu vier Spieler versucht, sein Team erfolgreich durch die drei Spiele seiner Vorrunden-Gruppe zu manövrieren. Dazu hat man acht zufällig gezogene Handkarten. Entweder punktet man damit in der eigenen Gruppe oder – höchst interaktiv – legt den anderen ein Ei ins Nest. So kann der Spielführer „Deutschland“ anstelle einer „Traumkombination“ bei sich dem „Italiener“ aus Gruppe 2 einen „Schlechten Tag“ auf das „Belgien“-Spiel legen und aus dem knappen Sieg ein Unentschieden machen. Denn am Ende zählen für den Sieg, wie im richtigen Leben, Punkte und Tordifferenz. „Fußball-Fieber“ ist ein Spiel für ausgefuchste Karten-Strategen, die ihr Blatt präzise einsetzen und auch Konter in der 90. Minute noch ablaufen.

Wem das jetzt alles zu neumodisch klingt, schaut sich bei den Klassikern von der Altenburger Spielkartenfabrik um. Die dürfen, dank DFB-Lizenz, ihre Skat- und Mau-Mau-Blätter mit den deutschen Spielern versehen. Dass Thomas Müller als Kreuz-Bube antritt, ist ja klar. Und Mats Hummels als Herz-König auch. Aber Boateng und Kroos als Damen …? Sehr hübsch ist auch, dass man dank der „Großen Spielesammlung“ endlich versteht, was „Rasenschach“ wirklich bedeutet: ein Schachbrett in grasgrün kariert gemäht.

Sogar Maskottchen Paule hat im „Paule Memo“, einem goldig bebilderten Memory für ganz junge Fußballfans, seinen Auftritt. Wer es knifflig mag, findet bei den „Denksportkarten“ einen Mix mit Anagrammen, Rebusrätseln, Fudoku und Logikaufgaben. Der ist so anspruchsvoll, da setzen sich ganze Stehtribünen nieder. Persönlicher Favorit des Autors aber ist der lederne Würfelbecher aus dem „Retro-Spieleset“. Mit geprägtem DFB-Wappen!

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