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Ebola Unbegreiflich späte Reaktion des Westens

Die EU-Staaten einigen sich darauf einen Posten für einen Ebola-Koordinator einzurichten. Bundesaußenminister Steinmeier regt derweil den Aufbau einer Weißhelm-Truppe zur Bekämpfung von Seuchen an.

Ein Helfer wird desinfiziert. Foto: REUTERS

Das erste Ebola-Opfer meldete der westafrikanische Staat Guinea im vergangenen Dezember. Im März dieses Jahres sprachen die ersten von einer Epidemie. Und im Juli mahnte Peter Piot im Sender CNN zu einem entschiedenen Eingreifen in den drei westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone. Getan hat sich aber wenig. Auch die EU-Staaten brauchten lange für ihre Reaktion auf das tödliche Virus. Am Montag verständigten sich die EU-Außenminister in Luxemburg auf einen gemeinsamen Ebola-Koordinator. Wer die Aufgabe übernehme, werde in den kommenden Tagen vereinbart, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius in Luxemburg.

„Unbegreiflich“, nannte Piot, 65, die späte Reaktion des Westens. Er kennt das tödliche Virus schon lange. Als junger Forscher war der Belgier 1976 daran beteiligt, in einer Probe aus dem Kongo erstmals ein Ebola-Virus zu isolieren. Der Erreger ließ den Arzt seither nicht mehr los. Piots Fazit zu den verhaltenen Gegenmaßnahmen: „Das ist eine Kombination von Unkenntnis in den betroffenen Ländern und der Weltgesundheitsorganisation WHO, die ihre Arbeit nicht getan hat“, sagte Piot der holländischen Zeitung NRC Handelsblad.

Über die Versäumnisse der WHO mochten die EU-Minister nicht sprechen. Auch nicht über eigene Fehlreaktionen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier regte den Aufbau einer Weißhelmtruppe an, um Epidemien wie Ebola zu bekämpfen „Nicht eine Organisation, die ständig besteht, aber ein Pool von Experten, von Ärzten, von Pflegepersonal, auf die man in solchen Krisenfällen zurückgreifen könnte“, sagte Steinmeier am Montag.

Schon tags zuvor hatte Steinmeier eine zivile Mission vorgeschlagen, um die Epidemie in Westafrika einzudämmen. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn nahm ein anderes kleines Land zum Vorbild. „Wir sollten uns in Europa vielleicht ein Beispiel nehmen an Kuba. Mit elf Millionen Einwohnern haben sie schon 130 Ärzte vor Ort, wollen noch 300 Ärzte und Krankenschwestern nach Afrika schicken“, sagte Asselborn. Mehr als 4500 Menschen sind bislang in Liberia, Guinea und Sierra Leone an der jüngsten Ebola-Epidemie gestorben. Offiziell: Forscher wie Peter Piot gestanden aber zu.

Überlebende einsetzen

Die Epidemie sei auch lange verkannt worden, weil Ebola bisher nur in Zentralafrika aufgetreten seien. Auch sei das Gesundheitssystem in den drei betroffenen Ländern – teils wegen Bürgerkriege nur schwach ausgebaut. „In Liberia gab es 2010 noch 51 Ärzte“, sagte Piot, der heute die renommierte London School of Hygiene leitet. Er verweist auf den Kongo, der eine Ebola-Epidemie aus eigener Kraft überwunden habe. Sein Ratschlag: „Überlebende einsetzen. Die können sich nicht noch einmal infizieren.“

Der britische Premier David Cameron hatte deshalb einen Hilfsfonds von einer Milliarde Euro angeregt. Mit den zusätzlichen Mitteln sollten vor allem mehr Isolierstationen in Afrika aufgebaut werden, so sein Außenminister Philip Hammond. Europa reagiert allmählich. Und das hat Gründe. In einer globalisierten Welt lässt sich eine tödliche Epidemie nicht isolieren. Vor allem die USA sind über zwei Ebola-Fälle geschockt. Piots Fazit: Die Fälle in den USA „haben vermutlich mehr bewirkt als Hunderte Tote in Afrika.“

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