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Ebola Eine Millionenstadt im Alarmzustand

Nach der Ankunft des Virus ist in der kongolesischen Millionenstadt Mbakanda nichts mehr, wie es war. Doch die WHO hat aus dem tödlichen Fiasko von 2014 offenbar gelernt.

Kongo
Warten auf die Behandlung: Patienten im Gesundheitszentrum von Wangate in der Republik Kongo. Foto: rtr

Denn der Impfstoff muss bei Temperaturen zwischen minus 80 und minus 60 Grad aufbewahrt werden, was hochleistungsfähige Kühlschränke erfordert, die es bislang nur in der Hauptstadt Kinshasa gab. Inzwischen hat die WHO solche Tiefkühlaggregate auch nach Mbakanda und das 150 Kilometer südwestlich gelegene Städtchen Bikoro gebracht. Doch von dort muss das Serum mit dem Hubschrauber in abgelegene Orte geflogen werden, wofür oft erst einmal Landeplätze mit der Machete freigehauen werden müssen. 

Gebräuche sind ein Problem

Doch noch größere Sorgen als die Logistik bereiten den Seuchenbekämpfern die Ansichten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung. Mitte der Woche verschwanden in Mbakanda drei Patienten aus der Isolierstation der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Man könnte niemanden unter Zwang festhalten, sagt ein Sprecher. Andernfalls würden die Isolierstationen von der Bevölkerung vollends als Haftanstalten betrachtet, die es unter allen Umständen zu vermeiden gelte. Die drei Patienten wurden von Angehörigen auf dem Motorrad zu einer Gebetsveranstaltung gefahren. Zwei von ihnen starben kurze Zeit später, nicht ohne zuvor womöglich noch andere Teilnehmer des Gottesdienstes angesteckt zu haben. 

Wie in Westafrika ist auch im Kongo die Auffassung verbreitet, dass es sich bei der Epidemie um eine Strafe Gottes oder einen bösen Fluch handelt. Die gegenwärtige Seuche sei vom Diebstahl der Beute eines Jägers ausgelöst worden, erzählt man sich in Bikoro: Der Jäger habe das Fleisch mit einem tödlichen Bann belegt. Viele Kongolesen gehen bei einer Erkrankung erst einmal zum traditionellen Heiler. Erst wenn der nicht weiterhelfen kann, werden als letzter Rettungsversuch „westliche“ Krankenstationen aufgesucht. Unter diesen Voraussetzungen alle Hoffnungen in den Impfstoff rVSV-ZEBOV zu legen, sei gefährlich, meint Nahid Bhadelia von der Boston University School of Medicine: „Wir dürften unter keinen Umständen alles nur auf eine Karte setzen.“

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