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Ebola Angst vor Ebola-Epidemie in Mbandaka

„Die hygienischen Verhältnisse hier sind völlig unzureichend.“Das Ebola-Virus erreicht eine Millionenstadt in der Demokratischen Republik Kongo. Nun gilt es herauszufinden, mit wem die Infizierten Kontakt hatten.

Ebola
Ein einzelnes Ebola-Viruspartikel unter einem Elektronenmikroskop. Foto: dpa

Die schlimmste Befürchtung von Seuchenexperten ist eingetroffen: Die vor zehn Tagen bekannt gewordene Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo, die erstmals in dem kleinen Regenwald-Städtchen Bikoro im Nordwesten des Landes registriert wurde, hat sich jetzt auf die Millionenstadt Mbandaka ausgeweitet. Aus der rund 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt am Kongofluss wurde am Donnerstag der erste bestätigte Fall der meist tödlich verlaufenden Infektionskrankheit gemeldet, zwei weitere vermutete Fälle müssen noch überprüft werden. 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung: Nun bestehe die Gefahr einer „explosiven Zunahme“ der Ansteckungsfälle, sagte der Vizechef der Behörde für Katastrophenfälle, Peter Salama, weil das Virus in einer Stadt sehr viel schwerer zu kontrollieren sei als auf dem Land.

Trotzdem erklärte das Notfall-Komitee der WHO den Ausbruch der Seuche nicht als „Notfall im Gesundheitswesen mit internationaler Bedeutung“. Nach einer Sitzung des Komitees sagte dessen Vorsitzender Robert Steffen am Freitag in Genf, die Epidemie sei zum derzeitigen Zeitpunkt noch unter Kontrolle. Werde sich die Lage jedoch verschlechtern, würde das Komitee erneut zusammentreten. 

Nach dem Übergriff der Seuche auf das am Kongo-Fluss gelegene Mbandaka besteht nun die Gefahr, dass sich das Virus auch in anderen Teilen des Landes ausbreitet, nicht zuletzt in der Hauptstadt Kinshasa. Außerdem sind nun auch die Nachbarstaaten einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, vor allem die am anderen Flussufer gelegene Republik Kongo. 

Vor der Sitzung ihres Not-Komitees hatte die WHO die Gefahr für die Demokratische Republik Kongo als „sehr hoch“, für ihre Nachbarländer als „hoch“ und für den Rest der Welt als „gering“ eingeschätzt. Die Nachricht von den aktuellen Ebola-Fällen löste in Mbandaka offenbar Panik aus. Viele Menschen versuchen die Stadt mit dem Boot zu verlassen, andere schütteln sich nicht mehr die Hände oder kaufen sämtliche Vorräte an Desinfektionsmitteln in den Läden auf. „Wenn es die staatlichen Stellen erlaubt haben, dass das Virus bis hierher gekommen ist, dann befinden wir uns jetzt alle in Lebensgefahr“, sagte Constantine Boketshu, Frau eines Soldaten zu AFP: „Die hygienischen Verhältnisse hier sind völlig unzureichend.“

Am Freitag meldete das kongolesische Gesundheitsministerium 14 bestätigte, 21 wahrscheinliche und zehn vermutete Ebola-Fälle, 25 Menschen sollen an der Krankheit bereits gestorben sein. Die „Ärzte ohne Grenzen“ richteten in Bikoro und Mbandaka zwei Isolierstationen mit zehn beziehungsweise fünf Betten ein: Außerdem sollen in den nächsten Tagen mehrere Tonnen an medizinischer Ausrüstung in den Kongo geflogen werden. Darunter 300 Leichensäcke aus robustem Plastik, in denen die hochgradig ansteckenden Opfer der Seuche sicher begraben werden können. Bereits in der Hauptstadt Kinshasa eingetroffen sind 4000 Einheiten des vom amerikanischen Pharmakonzern Merck entwickelten Impfstoffs „rVSV-ZEBOV“, der sich während der Ebola-Epidemie in Westafrika vor drei Jahren als erfolgversprechend herausgestellt hatte. Das Präparat ist zwar noch nicht offiziell zugelassen, wurde von der kongolesischen Regierung jedoch zur Verwendung freigegeben. Da der Impfstoff bei Temperaturen zwischen minus 80 und minus 60 Grad aufbewahrt werden muss, wird er in der Hauptstadt Kinshasa zwischengelagert und muss bei Bedarf vor Ort geflogen werden. Mit der Impfung vor allem von Pflegekräften soll am Montag begonnen werden.

Schon jetzt befinden sich rund 100 Experten der WHO und der „Ärzte ohne Grenzen“ im Epidemie-Gebiet, womöglich werden in Kürze auch zahlreiche Mitarbeiter des us-amerikanischen Center for Disease Control (CDC) dazu stoßen. Wichtigste Aufgabe der Experten ist gegenwärtig, die Kontakte der Infizierten zu eruieren, die schon jetzt auf über 4000 Personen angewachsen sind. Als erster bekanntgewordener Fall gilt ein Polizist in dem Dorf Ikoki-Impenge bei Bikoro, nach dessen Beerdigung elf Angehörige seiner Familie erkrankten – sieben von ihnen sind inzwischen verstorben. 

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