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East Side Gallery Mauerteile werden wieder eingesetzt

Die Polizei ist am Mittwochmorgen mit 250 Kräften zur East Side Gallery ausgerückt - dort ließ ein Bauinvestor Teile der Mauer entfernen. Demonstranten waren kaum vor Ort - der Abriss kam überraschend. Die Mauerteile sollen aber wohl wieder eingesetzt werden.

27.03.2013 07:25
250 Polizisten waren am Morgen an der East Side Gallery im Einsatz. Foto: AFP

An der weltbekannten East Side Gallery in Berlin sind am Mittwochmorgen überraschend weitere Teile herausgetrennt worden. Damit werde Platz für die Baustellenzufahrt eines Investors geschaffen, wie die Polizei vor Ort mitteilte. Kurz nach 5 Uhr hatte ein Bagger begonnen, vier bemalte Betonsegmente herauszutrennen. Eine bereits Anfang März gerissene Lücke wurde damit vergrößert und klafft nun auf etwa sechs Metern Länge. Rot-weiße Absperrgitter waren aufgestellt. 250 Polizisten waren im Einsatz, um den Gehweg abzusperren. Am Morgen waren nur wenige Demonstranten an der bemalten Mauer.

Um 9.15 Uhr waren nur noch zwei Polizeibusse vor Ort. "Die Wagen werden aber auch gleich wegfahren", sagte ein Polizeisprecher. "Die Möglichkeit eines Einsatzes bestand schon seit Längerem. Dass es aber konkret heute Morgen losgehen sollte, haben wir auch erst unmittelbar heute erfahren."

"Uns hat es kalt erwischt"

Auch die Aktivisten des Mediaspree-Versenken-Bündnisses, die sich für den Erhalt der East Side Gallery einsetzen, wurden von den spontanen Abrissarbeiten überrascht. "Das kommt völlig unerwartet. Uns hat es kalt erwischt", sagte Robert Muschinski von "Mediaspree versenken", der an der East Side Gallery eine Mahnwache abhält. "Wir dachten, wir könnten uns auf das Wort des Bürgermeisters verlassen, aber da haben wir uns getäuscht."

Die Aktivisten planen für den morgigen Donnerstag eine Demonstration vor dem Roten Rathaus, um sich erneut für ihre Forderungen Gehör zu verschaffen.

Der Investor hat angekündigt, die herausgerissenen Mauerteile wieder in die East Side Gallery einzusetzen, da er den Durchbruch nur als Baustellenzufahrt benötige. Die „temporäre Mauerversetzung“ sei aber notwendig geworden, weil in Gesprächen mit dem Senat, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Investoren des Nachbargrundstücks auch nach vier Wochen keine Alternative gefunden worden sei, teilte Living Bauhaus am Mittwoch mit.

"Wir glauben aber nicht, dass etwas, das einmal draußen ist, wieder reinkommt", sagte Muschinski.

Der Streit um das längste noch erhaltene Mauerstück tobt seit Anfang März. Künstler aus aller Welt hatten den 1,3 Kilometer langen Wall nach dem Mauerfall bemalt. Die Mauer-Galerie, die ein Magnet für Touristen aus aller Welt ist, wurde bereits in früheren Jahren an einigen Stellen durchbrochen.

Das Heraustrennen eines ersten Segments für das Bauprojekt des Investors, der auf dem früheren Todesstreifen ein Wohnhochhaus errichten will, hatte massive Proteste ausgelöst. Tausende Menschen demonstrierten, auch Sänger David Hasselhoff kam extra nach Berlin.

Senatssprecher Richard Meng sagte der dpa, offenbar habe der Investor vor den anstehenden Kompromissgesprächen Fakten schaffen wollen. Dies sei kein Zeichen für Kooperationsbereitschaft.

Es gab auch ein Treffen beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sowie mehrere Gespräche, an denen auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt war. Auch weitere Verhandlungen am Dienstag brachten offenbar keine Lösung.
Am Mittwoch kritisierte der Senat den neuen Abriss von Mauerteilen. Senatssprecher Richard Meng sagte der dpa, offenbar habe der Investor vor den anstehenden Kompromissgesprächen Fakten schaffen wollen. Dies sei kein Zeichen für Kooperationsbereitschaft.

Kein Zeichen für Kooperationsbereitschaft

Der Investor hat Baurecht. Nach dem Heraustrennen des ersten Segments und den Protesten hatte dieser Anfang März den weiteren Teilabriss zunächst gestoppt. Die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg hatte sich in einem Beschluss gegen die Bebauung ausgesprochen.

Laut Polizei sollten am Mittwoch keine weiteren Mauerteile entfernt werden. Der neue Durchbruch wurde mit einem Holztor gesichert. (mit BLZ)

Unser Leser William Mollers hat uns dieses Video geschickt, das er am Mittwochmorgen an der East Side Gallery aufgenommen hat:


Unser Leser Steffen Freiling hat 2010 die komplette East Side Gallery (damals frisch saniert und graffitifrei) abfotografiert und zu einem Video zusammengesetzt:


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