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Verschwundenes Flugzeug MH370 Malaysia Airlines Das letzte Signal von MH370

Wie können die Ermittler wissen, ob das vermisste Flugzeug wirklich in den Indischen Ozean gestürzt ist? Die letzte Spur wurde knifflig über das „Muster“ eines Signals an einen Satelliten errechnet. Chinesische Experten sind nicht überzeugt. Peking wirkt verärgert.

25.03.2014 13:24
Zeichnung von Flug MH370 auf einem Schulhof in der Nähe der philippinischen Hauptstadt Manila. Foto: dpa

In China stößt sie auf Skepsis: Die komplizierte Analyse der Satellitendaten, die auf einen Absturz der Boeing 777-200 im südlichen Indischen Ozean hindeutet. Experten sehen noch keinen schlüssigen Beweis, zumal keine Wrackteile gefunden worden sind. Außerdem fühlt sich Chinas Regierung offenbar auch überrumpelt durch die rasche Verkündung der tragischen Schlussfolgerungen durch Malaysias Regierungschef Najib Razak am Montag.

Aber was lässt die Ermittler so sicher sein, dass sie die letzte Spur von Flug MH370 auch tatsächlich gefunden haben? Die Hauptarbeit leistete das britische Unternehmen Inmarsat, das einen weltweiten Mobilfunkdienst über Satelliten betreibt. Nach dem Abschalten der Kommunikationsgeräte an Bord sendete das verschwundene Flugzeug nur noch ein stündliches Signal an den Satelliten – nach dem Motto: „Ich bin hier“, während der Satellit ein „Hab dich gesehen“ zurückfunkte.

Anhand dieses „Ping“ wurden in der ersten Phase zwei mögliche Korridore nach Norden und nach Süden ermittelt. Das Signal braucht 0,12 Sekunden zum Satelliten in 37.000 Kilometer Höhe über dem Äquator, wie David Stupples, britischer Elektronikprofessor der City University in London, der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte. Von einer weiter nördlich oder südlich gelegenen Position braucht es entsprechend länger.

„Wir haben die Differenz der Geschwindigkeit benutzt, mit der das Signal vom Flugzeug die feste Position des Satelliten im All erreicht“, erklärt Inmarsat-Vizepräsident Chris Mc-Laughlin der britischen Zeitung „Telegraph“. Mithilfe des „Doppler-Effekts“: „Stellen sie sich vor, wie das Pfeifen eines Zuges lauter wird, wenn er auf sie zukommt, und wieder leiser, wenn er sich weg bewegt.“

In der zweiten Phase seien die Signale mit denen anderer Flugzeuge vom Typ Boeing 777 der Malaysia Airlines auf beiden Korridoren verglichen worden. Das identifizierte „Muster“ sei noch von anderen Wissenschaftlern gegengeprüft worden. Auch seien die Annahmen über Geschwindigkeit und Verhalten der Maschine mit dem US-Flugzeugbauer Boeing abgeglichen worden. Durch die genaue Eingrenzung sei schließlich die Südroute „als die passendste“ ermittelt worden, wie Mc-Laughlin in einem „Telegraph“-Video am Ende – wenn auch etwas ungenau – sagt.

Das Blatt zitiert ihn jedoch an anderer Stelle mit den Worten, die Experten könnten „definitiv sagen, dass das Flugzeug ohne Zweifel die südliche Route genommen habe“. Mc-Laughlin räumt ein, dass die Suche für sein Unternehmen „völlig ungewöhnlich“ gewesen sei. „Es war das erste Mal, das wir gebeten wurden, zu versuchen, etwas anhand eines einzelnen Signals zu finden.“ Die letzte Spur muss demnach vom Indischen Ozean westlich von Australien gekommen sein. „Wir wussten, dass das Flugzeug seinen Treibstoff vor dem nächsten automatisierten „Ping“ aufgebraucht haben musste“, sagt Mc-Laughlin.

Zwar sprach die Staatsagentur Xinhua in einem Bericht aus London von einem „bemerkenswerten Stück hochtechnologischer Detektivarbeit“, doch sind Experten in China keineswegs überzeugt. Ohne Trümmerteile seien die Schlussfolgerungen „ein bisschen blind“ gezogen worden, heißt es in den Staatsmedien. Es brauche „lange Zeit“, um die Ergebnisse zu verifizieren, sagt Luftfahrtexperte Wu Peixin der „China Daily“. „Gibt es irgendwelche anderen Beweise?“

Die Geschwindigkeit der Ermittlungen stößt bei Professor Stupples auf Bewunderung. Andere Forschungseinrichtungen hätten wahrscheinlich „drei bis sechs Monate“ dafür gebraucht, zitiert ihn Xinhua. Der Pekinger Regierung und den Experten geht es aber alles viel zu schnell. Noch am späten Montagabend wurde Malaysias Botschafter Datuk Iskandar Bin Sarudin ins Außenministerium einbestellt. Er bekam die Verärgerung zu spüren, dass Peking vorab nicht informiert worden war, dass Premier Razak die Ergebnisse verkündet und jede Hoffnung für die 239 Passagiere aufgegeben hat, darunter 153 Chinesen.

In diplomatisch ungewöhnlicher Sprache „forderte“ Vizeaußenminister Xie Hangsheng „alle Informationen und Beweise“ für die Absturztheorie: „Wir fordern von der malaysischen Seite, die genaue Grundlage zu erklären, auf der sie zu diesem Urteil gekommen ist.“ Am Dienstag dann schickte China einen erfahrenen Krisenmanager nach Malaysia – ein weiteres Zeichen für die Unzufriedenheit Pekings.

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