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Queen-Besuch Volksfeststimmung in Berlin

Jubelnde Queen-Fans, ein Bundespräsident als Stadtführer und viel politische Symbolik: Beim fünften Staatsbesuch der britischen Königin Elizabeth II. in Deutschland haben beide Länder ihre enge Verbundenheit demonstriert. Eine Chronologie.

24.06.2015 19:54
Petra Ahne
Her Majesty: Schaulustige stehen mit Fähnchen am Spreeufer, um einen Blick auf die Queen zu erhaschen. Foto: dpa

Die ganz in Weiß gekleidete britische Monarchin (89) und ihr Mann Prinz Philip (94) trafen sich am Mittwoch mit Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Eine Chronologie des Queen-Besuchs:

9.41 Uhr, Hotel Adlon
Der bordeauxrote Bentley der Queen durfte mitkommen nach Berlin, im Gegensatz zu den Corgis, und steht bereit vor dem Haupteingang des Hotels Adlon. In der Präsidentensuite hat Elizabeth II. dort die Nacht verbracht, allerdings allein. Denn obwohl diese Gemächer 180 Quadratmeter umfassen, zieht es ihr Gatte, Prinz Philip, vor, in einer eigenen Suite zu schlafen. Getrennte Schlafzimmer sind bekanntermaßen ja das Geheimnis mancher glücklichen Ehe. Und Kompromisse, denn der Bentley ist mit einem Sitzkissen so präpariert, dass die 1,63 Meter messende Queen darin nicht kleiner aussieht als ihr 1,88 Meter großer Ehemann. Um 10.26 Uhr kommt die Königin dann hurtig aus dem Hotel und steigt sogleich ein. Man hat ja einiges vor sich an diesem Tag.

10.35 Uhr, Schloss Bellevue
Auf die Sekunde pünktlich rollt der Bentley vor dem Schloss Bellevue vor. Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt empfangen den königlichen Besuch formvollendet. Bevor die beiden Paare sich im Büro unter einem berühmten Canaletto-Gemälde, der Ansicht Dresdens, zum Gespräch zusammensetzten, kommt der spannendste Moment des Tages: der Geschenkeaustausch. Die Queen hat für den Bundespräsidenten eine Buchsammlung ausgesucht: Die „Briefe eines Verstorbenen“ von Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der auf seinen Reisen nach England seine Berufung als Gartenkünstler entdeckte. Diese Briefe schrieb er an seine daheim gebliebene Frau – und sie waren Bestseller des frühen 19. Jahrhunderts, wie der britische Botschafter, Sir Simon McDonald, tags zuvor verraten hatte. Der Bundespräsident hingegen hat, neben einer Marzipan-Auswahl, auch ein persönliches Geschenk für die Monarchin anfertigen lassen: Ein Gemälde, das ein kleines Mädchen auf einem Pony zeigt, daneben ein Mann mit Kappe. Das Bild stellt offenbar die kleine Prinzessin dar. Sie schaut genau hin: „Und das soll mein Vater sein?“, fragt sie ein klein wenig ungläubig. Sie ist sichtlich amüsiert. Prinz Philip erhält eine historische Seekarte. Ein Hinweis, auf das, was jetzt folgt: Der nautische Teil des Besuchs beginnt, auf der Spree geht es vom Bellevue zum Kanzleramt.

11.15 Uhr, nahe Bellevue und Spreeufer
Mittlerweile haben sich einige Hundert Menschen an den Geländern und Absperrgittern am Nordufer der Spree eingefunden. Kerstin Zimmermann, eine Lehrerin aus Wittenburg ist mit Kolleginnen und 50 Schülern extra angereist, um die Queen zu sehen. Natürlich wird die Tagesexkursion in den Unterricht integriert, die Schüler haben Aufgaben bekommen. Sie waren schon am Adlon, um die Königin zu sehen, jetzt packen sie ihre Fähnchen wieder aus, britische und deutsche, denn gleich kommt sie übers Wasser. Die Lehrerinnen stimmen die britische Nationalhymne an, ein bisschen Volksfeststimmung macht sich breit.

Es sei Ehrensache, dass sie heute hier sei, sagt Shirley Heim, eine Britin, die seit 1971 in Berlin lebt. Sie öffnet ihre Handtasche und holt ein blaues Büchlein heraus: „Our Queen Elizabeth“, den Band bekamen britische Schulkinder zu Elizabeth’ Krönung im Jahr 1953. „Ich natürlich auch“, erzählt Shirley Heim, die damals als Neunjährige in Coventry lebte. „Wir alle haben sie geliebt damals“, erinnert sie sich. Und die Krönung in ihrem Heimatort gefeiert. Die Einladung dazu steckt ebenfalls noch in dem kleinen blauen Buch.

Ein Stück entfernt steht ein Herr mit rosa Hütchen und Tüllschleier, „das hab ich gestern noch für zwei Euro gekauft“, sagt Axel Wippermann. In der Hand hält er einen Union Jack, bei dem das schottische Blau durch leuchtendes Pink ersetzt ist. Dies sei die Flagge des Brighton Pride, einer der größten Schwulenparaden des Königreichs, erzählt der Kunsthistoriker, der ehrenamtlich im Schwulen Museum in Berlin arbeitet. „Die habe ich mir beim letzten Mal mitgebracht. Und jetzt ist doch ein guter Zeitpunkt, sie zu zeigen.“ Nur leider ist Wippermanns Flagge so klein und das königliche Boot, das nun im Hintergrund vorbeizieht, weit weg.

12.20 Uhr, Kanzleramt
Die Ajax – wie die Königin Jahrgang 1926 – legt am Kanzleramt an, wenig später verschwindet die Queen in dem riesigen Gebäude, und was jetzt dann kommt, so glauben die politischen Auguren zu wissen, könnte, die Zukunft der Briten in der Europäischen Union mitbestimmen. Zumindest ein klein wenig. Das Vier-Augen-Gespräch von Angela Merkel und dem britischen Staatsoberhaupt ist jedenfalls unzweifelhaft der politische Höhepunkt des Besuchs. Ob die beiden Frauen im Arbeitszimmer der Kanzlerin tatsächlich über den britischen Premierminister David Cameron und das bevorstehende Referendum über die EU-Mitgliedschaft reden, weiß niemand – es dringt kein Sterbenswörtchen nach draußen – aber es ist naheliegend.

Als die beiden Damen nach 20 Minuten wieder im Foyer erscheinen, spielt ein Lächeln um ihre Lippen. Die Kanzlerin ist sichtlich fröhlich und verabschiedet die Queen besonders herzlich. Was das für Europa bedeutet? Interpretationssache.

12.45 Uhr, Neue Wache
Nahezu still warten die Menschen an der Neuen Wache. Sie beobachten die Scharfschützen auf dem Gebäude, den Hubschrauber in der Luft. Hauptsächlich Touristen sind hier. Die Bauarbeiter auf den Gerüsten an der Staatsoper genießen sichtlich ihren privilegierten Platz über den Schaulustigen an den Absperrungen. Als die Königin endlich kommt, geht alles sehr schnell. Der Bentley hält. Es dauert ein wenig, bis die alte Dame ausgestiegen ist. Als sie auf die Neue Wache zugeht, rufen einige hinter der Absperrung. Aber dies ist kein Moment zum Winken. Ein Kranz wird hinein getragen, dann verschwindet die Queen mit ihrem Gefolge im Gebäude. Fünf Minuten später ist alles bereits wieder vorbei – drei Minuten vor der angekündigten Zeit. (mit dpa)

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