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Katja-Riemann-Interview Emotionen nach dem "Riemann-Eklat"

Noch immer steht das TV-Interview der Schauspielerin Katja Riemann ganz oben auf der Erregungsagenda. Schriftstellerin Sybille Berg veröffentlich dazu einen erfundenen inneren Monolog des Moderators.

Das TV-Interview der Schauspielerin Katja Riemann in der NDR-Sendung DAS sorgt immer noch für Gesprächsstoff. Foto: dpa

Der europäische Kontinent navigiert hart am zyprischen Abgrund, aber der Gefühlshaushalt lesender und fernsehender Menschen wird von anderen Dingen bewegt. Noch immer steht das TV-Interview der Schauspielerin Katja Riemann in der NDR-Sendung DAS ganz oben auf der Erregungsagenda. Die Schriftstellerin Sybille Berg hat dazu in ihrer Kolumne für Spiegel Online eine Art journalistischen Jagdinstinkt aufgespürt. „Ich, der Moderator und Journalist, warte nur auf einen Moment, um dich, Künstler, mal so richtig zu provozieren. Weil ich zu einfältig bin, um mit dir über etwas anderes zu reden als über deine Haarfarbe. Weil es bei mir nicht dazu reicht, ein Gespräch im künstlichen Raum zu erzeugen, darum versuche ich, dich klein zu machen, sprachlos zu machen, das finde ich echt frech und investigativ, darum, du bekannter Mensch, musst du dir meine Dreistigkeit gefallen lassen. Denn wir wissen doch, wie es läuft. Du musst deine Arbeit bekanntmachen, weil sie sonst untergeht im Meer der künstlerischen Entäußerungen auf der Welt.“

Vom Mob gehasst

Berg belässt es aber nicht bei dem erfundenen inneren Monolog des Moderators, sondern schließt sogleich auf einen besondere Abneigung gegen die Schauspielerin Riemann. „Katja Riemann wird seit Jahren von einem undefinierbaren Mob gehasst, der zwar keinen einzigen Film mit der Schauspielerin kennt, aber sie irgendwo mal schlecht gelaunt auf bescheuerte Interviewfragen hat reagieren sehen. Der Mob hat eine normale Regung gesehen, und er ist verstört darüber. Für jeden Menschen wäre es eine Selbstverständlichkeit, auf dreiste Fragen irritiert zu reagieren. Unseren Stars sprechen wir das Recht dazu ab. Sie sollen sich verstellen, damit wir ihnen ihre Künstlichkeit vorwerfen können.“

Hallo Emotionen! Gibt es da nicht einen Zusammenhang zum TV-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“? Dem geht Joachim Huber im Tagesspiegel nach. „In der Gleichzeitigkeit der Ereignisse – Aufmerksamkeit für die Riemann-Zumutung und Aufmerksamkeit für die ZDF-Herausforderung – findet sich eine irritierende Disparität. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Zuschauer, der User, der Medien beölt sich an Riemann und befeuert wieder und wieder diesen läppischen Moment. Wer das gescheiterte Riemann-Interview interessanter, ja relevanter nimmt als das ZDF-Projekt, der gibt dem Fernsehen und sich selbst einen Vorwand, sich künftig noch stärker auf die Peinlichkeiten sogenannter Prominenter zu stürzen. (...) Oder sind derartige Beobachtungen nur moralinsaure Sorgenmacherei um die angebliche Sorglosigkeit der anderen? Die Riemann geht, der Nationalsozialismus bleibt, und alles ist gut? Die Zeichen der Zeit sind zweideutig.“

Gut, dass es die Stimme der Vernunft von Patricia Riekel in der Bunten gibt. „Man müsste auch den NDR fragen, warum es bei so schwieriger Kundschaft nicht krisenerprobtes Personal einsetzt, das das Ego solcher Stars bedienen kann.“

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