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Love-Parade-Katastrophe Duisburg wählt Sauerland aus dem Amt

Denkzettel für Adolf Sauerland: Rund anderthalb Jahre nach der Love-Parade-Katastrophe wählen die Bürger den Oberbürgermeister von Duisburg aus dem Amt. Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus.

12.02.2012 19:33
Harald Biskup
Nach einer kurzen Ansprache geht Adolf Sauerland. Foto: REUTERS

Als Adolf Sauerland sich kurz nach 20 Uhr den Weg durch die Menge bahnt, sind im Duisburger Rathaus gellende Pfiffe zu hören. „Ich bitte Sie“, ruft der Mann, der gerade als Oberbürgermeister von Duisburg abgewählt worden ist, „ein bisschen mehr Charakter an den Tag zulegen.“ Er erntet dafür nur Hohngelächter. „Natürlich“ , sagt Sauerland, akzeptiere er das Ergebnis. Seine Abwahl.

Schon ab 19 Uhr sickert die Nachricht ins Rathaus. Trotzdem hält die Spannung unter den etwa 200 geladenen Gästen und dem riesigen Journalistenpulk bis zum Auftritt von Stadtdirektor Peter Greulich an. „Der OB ist abgewählt“, erklärt Greulich kurz, und als er die exakte Zahl der Ja-Stimmen mitteilen will, geht die Ansage im Jubel unter: 129 833 Duisburger haben mit „Ja“ für die Abwahl votiert, das entspricht 35,5 Prozent der Wahlberechtigten. Notwendig waren 25 Prozent.

Sauerland verhehlt seine Enttäuschung in seiner offenbar eilends vorbereiteten Ansprache nicht – „nach den Erfolgen in acht Jahren“. Doch dann habe es eben auch die Love Parade gegeben, „damit werde ich und die Stadt leben müssen.“ Der abgewählte Oberbürgermeister hatte sich stets geweigert, die politische Verantwortung für die 21 Toten im Sommer 2010 zu übernehmen. Sauerlands letzter Satz geht fast unter im Getümmel: „Gott schütze die Stadt Duisburg.“

Von der Deutlichkeit überrascht

Noch bevor die siegreiche Bürgerinitiative, die monatelang für die Abwahl geworben hatte, ihren auch für sie selbst überraschend deutlichen Erfolg kommentieren kann, sind ein paar Duisburger Piraten zur Stelle und inszenieren vor der Rathaus-Kulisse ein Pfeifkonzert, begleitet von Silvesterfeuerwerk.

Wie geht es jetzt weiter in der gebeutelten Stadt? Als relativ sicher gilt, dass die satte rot-rot-grüne Ratsmehrheit einen Sauerland-Nachfolger ausguckt. Er muss in den kommenden sechs Monaten gewählt werden, aller Voraussicht nach noch vor den Sommerferien. „Wir machen auf jeden Fall weiter“, verkündet Theo Steegmann, der Kopf der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“. Er hält es sogar für vorstellbar, dass die Bürgerinitiative über einen eigenen Bewerber nachdenken.

In der Stadt feierten viele Duisburger die Abwahl mit einem spontanen Autokorso samt Hupkonzert.

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