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Liveticker Strahlung breitet sich aus

Drei Fukushima-Helfer verstrahlt +++ Edano: "Wir dürfen nicht zu optimistisch sein" +++ IAEA: Probleme bei Fukushima-Stromversorgung - Steigender Druck +++ Erneutes Nachbeben in Fukushima +++ Beben-Schäden von 300 Milliarden Dollar erwartet +++ Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker

21.03.2011 09:22
In Reaktor 3 gibt es Probleme, den Strom für die Kühlanlage einzuschalten. Foto: dapd

Drei Fukushima-Helfer verstrahlt +++ Edano: "Wir dürfen nicht zu optimistisch sein" +++ IAEA: Probleme bei Fukushima-Stromversorgung - Steigender Druck +++ Erneutes Nachbeben in Fukushima +++ Beben-Schäden von 300 Milliarden Dollar erwartet +++ Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker

24. März, 7:11 Uhr: Drei Fukushima-Helfer verstrahlt

Am AKW Fukushima sind der Atomsicherheitsbehörde zufolge drei Mitarbeiter durch radioaktive Strahlung verletzt worden.

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24. März, 6:11 Uhr: Strahlung in Tokios Trinkwasser geht zurück

Die Belastung des Trinkwassers mit radioaktivem Jod ist in der japanischen Hauptstadt Tokio wieder unter den Grenzwert für Neugeborene gefallen. Bei einer neuen Untersuchung des Wassers seien deutlich verbesserte Werte festgestellt worden, sagte ein Vertreter der städtischen Behörden am Donnerstag. Die Behörden hatten am Mittwoch davor gewarnt, das Leitungswasser zur Zubereitung von Babynahrung zu nutzen. In einem Stadtviertel betrug die gemessene Radioaktivität zu diesem Zeitpunkt mehr als das Doppelte des Grenzwerts.

Nach Angaben der japanischen Polizei stieg die Zahl der nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März getöteten und vermissten Menschen auf mehr als 26.000. Etwa 9700 Menschen seien ums Leben gekommen. Vermisst würden noch rund 16.500 Menschen.

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24. März, 5:49 Uhr: Tsunami-Region Iwate setzt Wahlkampf aus

In zwölf japanischen Präfekturen hat am Donnerstag der Wahlkampf für Gouverneurswahlen am 10. April begonnen. Die im Katastrophengebiet liegende Präfektur Iwate setzte den Wahlkampf jedoch aus, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Es wird erwartet, dass die Wahlen für die Regierungschefs der Verwaltungsgebiete von der Diskussion dominiert werden, wie die Folgen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März am besten bewältigt werden können und welche Rolle die Sicherheit bei der Nutzung der Atomkraft nach dem Unglück von Fukushima künftig spielen soll.

Die Abstimmung gilt daher auch als wichtige Vorentscheidung für die politische Zukunft von Ministerpräsident Naoto Kan. Allerdings kommt es nur in den drei Präfekturen Tokio, Hokkaido und Mie zu einem direkten Duell zwischen Kandidaten von Kans Demokratischer Partei (DPJ) und der zuvor jahrzehntelang regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP). In Hokkaido kündigte Gouverneur Harumi Takahashi eine „drastische Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen“ im Atomkraftwerk Tomari an, das den Strombedarf dieser Insel zu etwa 40 Prozent deckt. Takahashi sagte aber auch, die Kernenergie leiste einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung von CO2-Emissionen und damit für den Kampf gegen die globale Erwärmung.

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24. März, 3:42 Uhr: Edano: „Wir dürfen nicht zu optimistisch sein“

Die Situation des Atomkraftwerks Fukushima gibt nach Einschätzung der japanischen Regierung weiter Anlass zu großer Sorge. „Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein“, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Tokio.

Edanos Einschätzung bezog sich auf eine Frage zum Reaktorblock 1. Der Regierungssprecher räumte ein, dass die Temperatur in dessen Reaktorkern am Mittwoch gestiegen sei. Inzwischen sei sie aber wieder gesunken, was eine Folge der verstärkten Bemühungen um eine Kühlung des Reaktors sei. Es gebe keine Hinweise auf eine Beschädigung des inneren Reaktorbehälters in Block 1. Zum Austritt von Dampf über Block 1 wie über weiteren Reaktoren des Atomkraftwerks sagte Edano nach den Worten der Dolmetscherin des Fernsehsenders NHK: „Das ist nur natürlich.“

Zur radioaktiven Verstrahlung von Lebensmitteln sagte der Regierungssprecher, leider breite sich diese Folge des AKW-Unglücks weiter aus. Die am Mittwoch in Tokio verbreitete Aufforderung, Kindern unter einem Jahr kein Leitungswasser mehr zu geben, sei eine reine Vorsichtsmaßnahme und gelte allein für Babys. Für alle anderen sei das Leitungswasser unbedenklich.

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24. März, 3:14 Uhr: Strahlung breitet sich aus

Auch in einer Nachbarregion zu Tokio ist das Trinkwasser verstrahlt. In einer Wasseraufbereitungsanlage in Kawaguchi seien erhöhte Werte festgestellt worden, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Demnach überschreitet die Strahlung mit 120 Becquerel an radioaktivem Jod leicht die für Säuglinge erlassenen Grenzwerte. In Tokio wurden am Mittwoch im Wasser 210 Becquerel festgestellt. Die Behörden riefen dazu auf, Leitungswasser nicht mehr für Babys zu benutzen.

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24. März, 3:09 Uhr: Singapur stoppt Einfuhr von Lebensmitteln aus Fukushima

Nach Australien setzt auch Singapur die Einfuhr von Milch und Fleisch aus dem Gebiet der japanischen Unkglücksreaktoren aus. Zudem dürfen Obst, Gemüse und Meeresfrüchte aus der Region nicht mehr importiert werden, wie die Lebensmittelaufsicht mitteilt.

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24. März, 1:38 Uhr: Arbeiten am Unglücksreaktor 3 gehen weiter

Nach einer fast eintägigen Pause werden die Arbeiten am Unglücksreaktor Fukushima 3 wieder aufgenommen. Die Ingenieure seien auf das Geländer zurückgekehrt, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag. Die Arbeiten waren ausgesetzt worden, nachdem am Mittwochnachmmittag (Ortszeit) schwarzer Rauch aus dem Reaktor aufgestiegen war.

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24. März, 1:10 Uhr: Weiteres Beben erschüttert Japans Osten

Ein Erdbeben der Stärke 4,9 erschüttert den Osten Japans. Es lägen zunächst keine Berichte über Schäden vor, berichtet der Fernsehsender NHK. Auch warnen die Behörden demnach nicht vor einer nachfolgenden Flutwelle. Seit dem Beben der Stärke 9,0 und dem nachfolgenden Tsunami vor mehr als einer Woche wird das Gebiet immer wieder von Nachbeben erfasst.

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24. März, 1:07 Uhr: Australien erlässt Einfuhrbeschränkungen für Lebensmittel aus Fukushima

Australien erlässt Einführbeschränkungen für Lebensmittel aus der Region Fukushima. Die Entscheidung sei eine Vorsichtsmaßnahme und stehe im Einklang dem internationalen Vorgehen, erklärt die australische Nahrungsmittelaufsicht FSANZ am Donnerstag auf ihrer Website. Die Beschränkungen gelten demnach für Produkte aus den japanischen Präfekturen Fukushima, Gunma, Ibaraki und Tochigi und betreffen Milch und Milcherzeugnisse, frisches Obst und Gemüse, Algen und Meeresfrüchte.

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23. März, 18:20 Uhr: IAEA: Probleme bei Fukushima-Stromversorgung - Steigender Druck

Die Lage in Fukushima bleibt für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) trotz einiger Verbesserungen sehr ernst. „Die Gesamtsituation gibt uns weiter Anlass zu erheblicher Sorge“, sagte der IAEA-Experte Graham Andrew am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.
Im stark zerstörten Reaktor 3 ist es nach IAEA-Informationen nicht möglich, die Instrumente mit Strom zu versorgen. Dort stieg am Mittwoch schwarzer Rauch auf, und Arbeiter mussten die Anlage verlassen. Dazu habe man noch keine aktuellen Informationen japanischer Behörden, sagte die IAEA-Expertin Elena Buglova.
Im Reaktor 1 steigt nach Informationen der UN-Behörde der Druck, im Reaktor 3 war er bis zum Auftreten des Rauches stabil. Während die Radioaktivitätswerte an der Anlage laut mehreren Stunden alten Daten der IAEA sanken, stiegen die Werte von radioaktivem Jod und Cäsium in der weiteren Umgebung an. Der Trend gehe in zehn Präfekturen generell nach oben, sagte Andrew. Auch im zur Kühlung der Anlage genutzten Meerwasser wurden hohe Jod- und Cäsiumwerte gemessen. Eine positive Entwicklung sei aber, dass nun alle Reaktoren des AKW außer Reaktor 3 Stromversorgung hätten.

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23. März, 11:15 Uhr: Erneutes Nachbeben in Fukushima

Ein neues Erdbeben hat nach Angaben des japanischen Wetterdienstes die Region in der Nähe des schwerbeschädigten Atomkraftwerks erschüttert. Die Stärke wurde voräufig mit 4,7 angegeben. Berichte über Schäden lagen zunächst nicht vor. Einem Fernsehbericht zufolge droht kein Tsunami.

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23. März, 8.33 Uhr: Schwarzer Rauch über Reaktor Drei

Über Reaktor Drei des Atomkraftwerkes Fukushima steigt nach Angaben des Betreibers Tepco schwarzer Rauch auf. Die Arbeiter seien angewiesen worden, das Gelände vorübergehend zu verlassen.

23. März, 6:50 Uhr: Strahlung in Tokios Trinkwasser über Gefahrengrenze für Neugeborene

Die radioaktive Strahlung im Trinkwasser der japanischen Hauptstadt Tokio hat die Gefahrengrenze für Neugeborene überschritten. Nach den gesetzlichen Vorschriften sei das Leitungswasser derzeit nicht für die Zubereitung von Babynahrung geeignet, sagte ein Vertreter der städtischen Behörden am Mittwoch vor Journalisten. In einem Stadtviertel habe die gemessene Radioaktivität im Wasser mehr als das Doppelte des Grenzwerts betragen.

Wegen erhöhter Strahlungswerte hatte Japans Regierung bereits zuvor die Ausfuhr mehrerer landwirtschaftlicher Produkte aus zwei Präfekturen im Umkreis des havarierten Kernkraftwerks Fukushima 1 untersagt. Die USA kündigten strengere Einfuhrkontrollen an. Frankreich forderte die Europäische Kommission zu einer schärferen Importpolitik auf. Tokio liegt etwa 250 Kilometer südlich von Fukushima 1.

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23. März, 6:07 Uhr: Japan rechnet mit Beben-Schäden von 300 Milliarden Dollar

Japan geht einem Zeitungsbericht zufolge inzwischen von Kosten von bis zu 300 Milliarden Dollar in Folge der Naturkatastrophen aus. In der Summe seien die Schäden an Straßen, Gebäuden, Fabriken und an der übrigen Infrastruktur eingerechnet, berichtete die Zeitung „Nikkei“ am Mittwoch. Damit käme das Beben die drittgrößte Volkswirtschaft drei Mal so teuer zu stehen wie die Katastrophe von Kobe im Jahr 1995. Die Summe würde sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprechen. Die Schätzung schließt demnach noch nicht die Kosten ein, die durch den Produktionsausfall in den Unternehmen entstehen.

Unterdessen sind die japanischen Banken Branchenkreisen zufolge bereit, dem Betreiber der Unglückskraftwerke in Fukushima mit Krediten im Umfang von fast 25 Milliarden Dollar unter die Arme zu greifen. An der Spitze der Bankengruppe stehe Sumitomo Mitsui Financial, hieß es weiter. Die Gespräche mit Tokyo Electric Power (Tepco) hätten bereits begonnen.

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23. März, 5:11 Uhr: NHK: AKW-Betreiber Tepco will Notkredite in Milliardenhöhe

Nach dem AKW-Unglück in Japan hat die Betreibergesellschaft Tepco die großen Banken des Landes nach Informationen des Fernsehsenders NHK um Notkredite in Höhe von 1,5 Billionen Yen (13,1 Milliarden Euro) gebeten. Diese Summe müsse möglichst bis Ende des Monats gezahlt werden, damit Tepco die Folgen des Unglücks im Atomkraftwerk Fukushima bewältigen könne, berichtete der Sender unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Möglicherweise könne der kurzfristig benötigte Betrag noch auf zwei Billionen Yen (17,4 Milliarden Euro) steigen. Als voraussichtliche Geldgeber nannte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo die Institute Sumitomo Mitsui, Mizuho und die Bank of Tokyo-Mitsubishi.

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23. März, 3:19 Uhr: Zahl der identifizierten Toten in Japan steigt auf 9301

Auch zwölf Tage nach der Naturkatastrophe in Japan steigt die Zahl der Todesopfer weiter: Bisher wurde der Tod von 9301 Menschen bestätigt, wie die Polizeiführung am Mittwoch in Tokio nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo mitteilte. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März werden noch 13 786 Menschen vermisst. Mit zusammen genommen vermutlich mehr als 23 000 Toten ist das die größte Naturkatastrophe in Japan seit dem Erdbeben von 1923, als 105 000 Menschen in den Tod gerissen wurden.

Das Gesundheitsministerium leitete unterdessen eine Untersuchung ein, um Kindern beizustehen, die ihre Eltern verloren haben. Es bestehe die Sorge, dass die Katastrophe vom 11. März mehr Kinder zu Waisen gemacht habe als das Erdbeben von Kobe im Jahr 1995, sagte ein Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums. Damals verloren etwa 100 Kinder ihre Eltern.

Nach der Erfassung der Waisen sollen diese in Heime kommen oder an Pflegeeltern vermitteln werden. Dies werde aber wegen des großes Ausmaßes der Zerstörung noch einige Zeit dauern, sagte der Ministeriumssprecher.

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23. März, 4:06 Uhr: NHK: Arbeiten in Fukushima wegen hoher Radioaktivität unterbrochen

Wegen erhöhter Strahlenwerte sind die Arbeiten am Unglücksreaktor im japanischen Fukushima erneut unterbrochen worden. Die Mitarbeiter seien vorübergehend vom Reaktor 2 abgezogen worden, erklärte die zuständige Aufsichtsbehörde am Mittwoch. Demnach erreichte die Radioaktivität eine Stärke von 500 Millisievert pro Stunde.

Im Reaktor 1 stieg die Temperatur nach Angaben der Behörde über den Grenzwert, für den der Meiler ausgelegt ist. In einem Druckbehälter seien 400 Grad Celsius gemessen worden, hieß es. Der Grenzwert liegt bei 302 Grad. Es bestehe dennoch keine unmittelbare Gefahr, erklärte die Reaktorsicherheitsbehörde.

Die Regierung bekräftigte zugleich, eine Ausweitung der Sicherheitszone rund um die Reaktoren sei nicht nötig. Dafür gebe es keine Pläne, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Sicherheitszone gilt derzeit für einen Umkreis von 20 Kilometern. Japan kämpft gegen eine Kernschmelze in Fukushima, seit das Erdebeben und der Tsunami vor mehr als einer Woche die Reaktoren schwer beschädigt haben.

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23. März, 1:06 Uhr: Behörden erstellen Liste mit elf Arten von verstrahltem Gemüse

Das japanische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch eine Liste mit elf Gemüsearten veröffentlicht, bei denen eine teilweise drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Das Ministerium rief die Verbraucher auf, dieses in der Präfektur Fukushima erzeugte Gemüse nicht zu verzehren. Die Verstrahlung stammt von dem an der Küste gelegenen Atomkraftwerk Fukushima Eins, das seit der Erdbebenkatastrophe vom 11. März außer Kontrolle ist.

Bei Proben fand das Gesundheitsministerium erhöhte Strahlung in Gemüse aus mehreren Gemeinden der Präfektur Fukushima. Beim Blattgemüse Kukitachina wurden in einer Probe aus Motomiya 82 000 Becquerel an radioaktivem Cäsium und 15 000 Becquerel an radioaktivem Jod festgestellt - dies übersteigt die zulässigen Grenzwerte um den Faktor 164 beziehungsweise 7. Die Handelsorganisation JA Zen-Noh (Nationale Vereinigung von landwirtschaftlichen Kooperativen) teilte mit, dass seit Montag kein Gemüse aus der Präfektur Fukushima mehr ausgeliefert werde. In der Präfektur Ibaraki wurde auch radioaktiv belastete Milch gefunden.

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23. März, 0:15 Uhr: Heftiger Erdstoß erschüttert Nordostjapan

Zwölf Tage nach der Erdbebenkatastrophe in Japan haben erneut mehrere heftige Erdstöße die Region erschüttert. Der staatliche Wetterdienst registrierte um 7.12 Uhr Ortszeit (23.12 Uhr MEZ) ein Beben mit einer Stärke von 6,0. In der US-Erdbebenwerte wurde eine Stärke von 5,7 gemessen. Das Epizentrum lag 72 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Fukushima und 180 Kilometer nordnordöstlich von Tokio. Eine Tsunami-Warnung sei nicht ausgelöst worden, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Nach wie vor kommt es in Japan zu zahlreichen Nachbeben. Allein in den vergangenen 24 Stunden bebte die Erde mindestens 18 Mal mit einer Stärke von mindestens 5,0.

In der Präfektur Fukushima droht am dort an der Küste gelegenen Atomkraftwerk immer noch eine Kernschmelze. Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 waren am 11. März nach offiziellen Angaben mindestens 9200 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 13 780 Menschen werden noch vermisst.

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22. März, 19:13 Uhr: IAEA besorgt über mögliches Leck in Reaktor 1

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA ist wegen eines möglichen Lecks im Fukushima-Reaktor 1 besorgt. Außerhalb der Anlage gebe es weiterhin hohe Strahlungsswerte, teilte die IAEA mit. Man habe bisher nicht herausfinden können, ob der Sicherheitsbehälter des Reaktors beschädigt sei. Insgesamt verbessere sich die Lage in dem havarierten AKW weiter, auch wenn sie noch immer „sehr ernst“ sei, sagte IAEA-Experte Graham Andrew am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

„Es ist nicht immer so, dass keine Nachrichten gute Nachrichten bedeuten“, sagte IAEA-Experte James Lyons. Seine Behörde habe vor rund sieben Tagen das letze Mal Informationen von japanischen Behörden über den Zustand von Reaktor 1 erhalten. „Wir sehen, dass von der Anlage ständig Strahlung ausgeht. Und die Frage ist, wo genau das herkommt“, sagte Lyons.

Die IAEA will klären, ob die Strahlung von beschädigten Sicherheitsbehältern um den Reaktorkern oder von überhitzten Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe stammt. Bisher hatte die UN-Behörde in Wien eine leichte Beschädigung des Sicherheitsbehälters von Reaktor 2 vermutet.

Über den Zustand von Reaktor 3 gibt es seit längerem keine Informationen mehr, ebenso wenig wie über Reaktor 1. Es werde vermutet, dass die Japaner selbst nichts über die Lage im Reaktor 1 wüssten, hieß es bei der IAEA.

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22. März, 15:20 Uhr: Opferzahl in Japan steigt weiter

Die Zahl der Todesopfer nach der Erdbebenkatastrophe in Japan steigt weiter fast stündlich. Am Dienstagabend (Ortszeit) lag die Totenzahl nach Angaben der Polizei bei 9.099. Mehr als 13.786 Menschen würden noch vermisst. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.
Unter den Toten und Vermissten befinden sich auch viele Kinder. Bis jetzt wurden 130 junge Todesopfer in den am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima bestätigt, doch diese Zahl wird nach Angaben des Erziehungsministeriums mit Sicherheit noch steigen.

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22. März, 8:35 Uhr: Alle Reaktorblöcke wieder ans Stromnetz angeschlossen

Alle sechs Reaktoren des japanischen Atomkraftwerks Fukushima 1 sind seit Dienstag wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Als letzte wurde eine Leitung zu den Reaktoren 3 und 4 gelegt, wie die japanische Atomaufsicht mitteilte. Die übrigen vier Reaktoren waren bereits zuvor an die Stromversorgung angeschlossen, allerdings wurden bislang nur die Reaktoren 5 und 6 mit Strom versorgt. Zunächst müssten die Anlagen geprüft werden, bevor die Stromzufuhr freigegeben werden könne, sagte ein Sprecher der Behörde.

Ingenieure versuchten seit Tagen, die Reaktoren wieder komplett an das Stromnetz anzuschließen, um die Kühlsysteme wieder in Gang zu setzen. Feuerwehrleute und Soldaten sprühten tonnenweise Wasser auf die überhitzten Reaktoren, um so die Brennstäbe zu kühlen und eine atomare Katastrophe zu verhindern. Nach Angaben der japanischen Atombehörde soll im Laufe des Dienstags über das weitere Vorgehen bei der Kühlung entschieden werden.

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22. März, 7:40 Uhr: Feuerwehrmänner angeblich zum AKW-Einsatz gezwungen

Der japanische Industrie- und Wirtschaftsminister soll Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen haben, stundenlang Wasser auf den radioaktiv strahlenden Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima Eins zu sprühen. Minister Banri Kaieda soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht ausführten, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, habe sich bei Regierungschef Naoto Kan darüber beschwert.

Der Wirtschaftsminister sagte daraufhin auf einer Pressekonferenz am Dienstag: „Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, (...) möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen.“ Er ging allerdings nicht näher darauf ein, ob die Vorwürfe gerechtfertigt seien, schrieb Kyodo.

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22. März, 7:30 Uhr: Meerwasser stark radioaktiv belastet

Wasserdampf und Rauch über defekten Reaktorblöcken, und die Umwelt wird immer mehr verstrahlt: Die Lage im Atomkraftwerk Fukushima bleibt «äußerst angespannt», wie der japanische Industrieminister Banri Kaieda am Dienstag erklärte. «Es ist nach meinem Gefühl schwierig, von Fortschritten zu sprechen», fügte der auch für die Atomaufsicht zuständige Minister nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo hinzu.

Fortgesetzte Hitzeentwicklung erschwert die Bemühungen, das teilweise zerstörte Atomkraftwerk Fukushima Eins (Daiichi) unter Kontrolle zu bringen. Über Reaktorblock 3 stieg am Montag und auch am Dienstag Rauch auf - nach Angaben des japanischen Verteidigungsministers Toshimi Kitazawa möglicherweise ein Hinweis auf brennende Trümmerteile oder Öl. Bei dem weißem Dampf über Block 2 handle es sich hingegen um erhitztes Wasser. Die Einsatzkräfte und Arbeiter wurden am Montagabend in Sicherheit gebracht, um sie nicht noch stärker zu gefährden.

Die Reaktorblöcke sollen in den nächsten Tagen erneut mit Wasser besprüht werden, um eine Überhitzung zu vermeiden. Aufgrund der Nachwärme in den Reaktoren verdampfe das bisher zugeführte Wasser, so dass eine Fortsetzung des Einsatzes von Pumpen und Wasserwerfern erforderlich sei, sagte NISA-Sprecher Nishiyama. Vor allem die Reaktorblöcke 3 und 4 sollen wieder mit Wasser besprüht werden.

Unterdessen wurde eine starke radioaktive Belastung des Meerwassers festgestellt. Bei Jod-131 sei ein Wert gemessen worden, der das gesetzliche Maximum um den Faktor 126,7 übersteige, berichtete der Fernsehsender NHK am Dienstag. Bei Cäsium-134 sei die Verstrahlung 24,8 Mal, bei Cäsium-137 16,5 Mal so hoch wie zulässig. Nach Auswertung der Probe von einem Standort 100 Meter südlich des havarierten Kraftwerks kündigte die Betreibergesellschaft Tepco weitere Tests vor der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu an.

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22. März, 7:00 Uhr: Offiziell mehr als 9000 Tote

Bei dem verheerenden Erdbeben und Tsunami vom 11. März wurden nach jüngsten offiziellen Angaben 9079 Menschen in den Tod gerissen. Die Zahl der Vermissten lag bei 12 645 in sechs Präfekturen. Fast 320.000 Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, berichtete die Agentur Jiji Press.

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21. März, 13:50 Uhr: Wahrscheinlich Dampf über Reaktor 2

Beim weißen Qualm über dem havarierten Block 2 des Unglückskraftwerks Fukushima Eins handelt es sich wahrscheinlich um Dampf und nicht um Rauch. Das meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Der Dampf komme vermutlich auch nicht aus dem Abklingbecken. Die genaue Ursache war weiter unklar. Zuvor war bereits über Block 3 grauer Rauch aufgestiegen, der bis zum frühen Abend (Ortszeit) wieder verschwand.

21. März, 12:29 Uhr: Nuklearstandards sollen überarbeitet werden

Als Reaktion auf die Katastrophe in Fukushima müssen aus Sicht der IAEA internationale Richtlinien zur Nuklearsicherheit überarbeitet werden. „Eine Lehre ist bereits klar: Das momentane internationale Rahmenwerk zur Reaktion auf Notfälle braucht Überarbeitung“, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, am Montag zu Beginn einer Sondersitzung des IAEA-Gouverneursrates in Wien. Die momentanen Regelungen reflektierten die Realitäten der 1980er Jahre und nicht die des 21. Jahrhunderts, sagte der Japaner.

21. März, 11:41 Uhr: Keine Inspektionen am Unglücks-Akw

Knapp zwei Wochen vor dem schweren Erdbeben hat der japanische Energieriese Tepco in einem Schreiben an die Aufsichtsbehörde eingeräumt, am später havarierten Atomkraft Fukushima regelmäßige Kontrollen unterlassen zu haben. Insgesamt 33 Ausrüstungsgegenstände seien nicht untersucht worden, teilte Tokyo Electric Power Co am 28. Februar in ein Bericht an die Aufseher mit, der am Montag auf der Internetseite des Unternehmens einzusehen war. Zu den nicht inspizierten Teilen gehörten unter anderem ein Motor und ein Notstromaggregat im Reaktorblock 1 der Anlage, die nach dem Tsunami immer noch nicht unter Kontrolle ist. Der Ausfall der Notstromversorgung gilt als Ursache für das Reaktor-Unglück.

Die Atomaufsicht gab Tepco bis zum 2. Juni Zeit, einen Korrekturplan auszuarbeiten. In ihrem Schreiben vom 2. März äußerte sich die Behörde überzeugt, dass die ausgefallenen Inspektionen kein unmittelbares Risiko für die Sicherheit des aus den 1970er Jahren stammenden Atomkraftwerks haben würde. Die Firma habe versichert, dass die Untersuchungen in Kürze nachgeholt würden. Das Schreiben der für ihre enge Kontakte zur Industrie in die Kritik geratenen Atomaufseher war auf ihrer Website nachzulesen.

Der stellvertretende Behördenchef Hidehiko Nishiyama sagte am Montag, ihm sei der Schriftverkehr mit Tepco nicht bekannt. Er könne nicht sagen, ob die unterlassenen Kontrollen das Reaktor-Unglück verschärft hätten.

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21. März, 11:34 Uhr: Auch über Reaktor 2 steigt Rauch auf

Auch über dem havarierten Reaktor 2 des Katastrophen-AKW Fukushima ist am Montag Rauch aufgestiegen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der Reaktor 2 ist seit Sonntag wieder an das Stromnetz angeschlossen. Ob die Wasserpumpen funktionieren, ist unklar. In Reaktor 2 gab es zuvor schwere Explosionen und Brände. Die innere Hülle des Reaktors ist beschädigt.

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21. März, 9:08 Uhr: Akw Fukushima wegen aufsteigenden Rauchs evakuiert

Das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima ist am Montag evakuiert worden. Sämtliche Arbeiter seien von der Anlage in Sicherheit gebracht worden, weil Rauch aus Reaktor 3 aufsteige, teilte der Betreiber Tepco mit. In den Brennelementen dieses Reaktors befindet sich hochgefährliches Plutonium.

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21. März, 8.59 Uhr: Alle sechs Reaktorblöcke haben Strom

Alle sechs Reaktorblöcke des japanischen Unglückskraftwerks Fukushima haben nach Angaben der Betreiberfirma Tepco wieder Strom. Als letztes seien die besonders schwerbeschädigten Blöcke 3 und 4 wieder angeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Im Reaktor 5 arbeite eine Pumpe bereits wieder mit Elektrizität aus dem Netz. Der Strom wird dazu benötigt, um die Kühlsysteme der Reaktoren wieder in Gang zu bringen.

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21.März, 8:29 Uhr: Japanische Regierung warnt vor verstrahltem Trinkwasser

In der Nähe des Katastrophenreaktors Fukushima wurden stark erhöhte Werte von radioaktivem Jod im Trinkwasser entdeckt. Die japanische Regierung forderte die Bevölkerung im Dorf Iitate auf, kein Leitungswasser mehr zu trinken.

Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tokio, Messungen in Iitate hätten Werte von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser ergeben. Der Grenzwert liege aber bei 300 Becquerel, heißt es auf der Website des Dorfes Iitate, das innerhalb der 30-Kilometer Zone um das AKW Fukushima liegt.

Quellen: dpa/afp/rtr

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