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Greenpeace-Studie zu Fukushima Atomindustrie zahlt nicht für Opfer

Auch zwei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima warten Hunderttausende Opfer noch immer auf angemessene Entschädigung. Laut einer Greenpeace-Studie zahlen Opfer und Steuerzahler die Zeche nach dem Super-Gau, während die Atomindustrie kaum in die Verantwortung genommen wird.

Viele Fukushima-Opfer konnten auf der Flucht vor zwei Jahren nicht mehr als das nackte Leben retten. Foto: dapd

Auch zwei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima warten Hunderttausende Opfer noch immer auf angemessene Entschädigung. Laut einer Greenpeace-Studie zahlen Opfer und Steuerzahler die Zeche nach dem Super-Gau, während die Atomindustrie kaum in die Verantwortung genommen wird.

Seit zwei Jahren lebt Yukiko Kameya mit ihrem Mann in einer provisorischen Behausung. Seit dem 12. März 2011, als sie ihr Haus in Futaba, in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Fukushima, verließ. Die 68-Jährige hat kein neues Leben angefangen, im Gegenteil: Sie weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Zurück in die verstrahlte Heimat kann das ältere Ehepaar nicht. Doch für einen kompletten Neuanfang reicht das Geld nicht. Gerade mal 12.000 Euro hat der Betreiber von Fukushima der Familie als Vorschuss auf die Entschädigung gezahlt.

Wie Yukiko Kameya geht es einer Greenpeace-Studie zufolge vielen der 160.000 Evakuierten aus der Katastrophenregion um das havarierte Kernkraftwerk. Die Umweltorganisation kritisiert darin, nicht nur dass die Entschädigungen zu langsam erfolgen. Auch würden die Verluste viel zu niedrig taxiert. Die Umweltorganisation nennt das Beispiel einer Evakuierten aus dem Ort Okuma, deren 300 Quadratmeter großes Haus von Tepco auf 5900 Euro geschätzt wurde. Andere Flüchtlinge haben laufende Kosten, für die sie nicht entschädigt werden: Sie zahlen beispielsweise weiterhin Kreditraten für ihre verstrahlten Häuser, in die sie nicht zurückkehren und die sie nicht verkaufen können.

Für Greenpeace liegt der Fehler im System. Die Umweltorganisation fordert eine internationale Reform bei der Haftung für Atomunfälle. Bisher zahlten die Kosten für eine Nuklearkatastrophe wie in Fukushima die Opfer und die Steuerzahler, weil nur die Betreiber von Kraftwerken haftbar gemacht werden könnten. Außerdem gebe es eine bestimmte Grenze für Entschädigungssummen.

Hersteller haften nicht

Hersteller und Zulieferer würden gar nicht zur Verantwortung gezogen. Sie profitierten sogar noch von dem Unglück, weil sie wie jetzt in Fukushima mit der Dekontamination und dem Rückbau beauftragt würden. „Was sich in Japan abspielt, kann sich überall auf der Welt wiederholen. Die Menschen tragen das finanzielle und gesundheitliche Risiko einer atomaren Katastrophe, während die Atomindustrie den Profit einsackt. Dieses System muss dringend geändert werden“, sagt Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace.

In Deutschland haften die Betreiber von Atomkraftwerken zwar unbegrenzt für die Folgen eines Super-Gaus, allerdings nicht, wenn dieser durch eine Naturkatastrophe ausgelöst wurde wie in Japan. Dann liegt das Limit bei 2,5 Milliarden Euro - ein Bruchteil der Kosten, die etwa Fukushima verursacht hat. Die Grünen sehen nicht nur hier Handlungsbedarf, sondern fordern auch, dass sich Deutschland in der EU Reformen stark macht. "Aktuell gibt es in Europa massive Diskrepanzen bei der Atomhaftung", beklagt die atompolitische Sprecherin Sylvia Kotting-Uhl. So liege das Haftungslimit für den französischen Betreiber EDF liegt "bei haarsträubend niedrigen" 91 Millionen Euro. "Das verzerrt nicht nur den Strompreis zugunsten französischer Atomkraftwerke, es stellt vor allem keine wirkliche Motivation für den Betreiber EDF dar, umfassende Schadensvorsorge zu betreiben." Hier müsse sich die Bundesregierung gegenüber Frankreich zu Wort zu melden.

Tepco schätzt Kosten auf 184 Milliarden Euro

Aus Sicht von Greenpeace würde sich zudem die Chance der Opfer in Japan, doch noch etwas für den Verlust ihres Hab und Guts zu bekommen, deutlich erhöhen, könnten sie auch gegen die Atomindustrie, gegen die Hersteller wie General Electric, Toshiba und Hitachi klagen. Schließlich geht es dabei um gigantische Summen. Der inzwischen verstaatlichte Betreiber Tepco selbst schätzt die Kosten für Aufräumarbeiten, Entschädigung und Dekontaminierung der verstrahlten Gebiete auf 184 Milliarden Euro.

Tepco hat nach eigenen Angaben inzwischen 12.000 Angestellte, die sich allein um die Entschädigung der Opfer kommen sollen. Für Menschen wie Yukiko Kameya scheint dieser Aufwand wenig zu bringen.

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