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GAU in Fukushima Unkalkulierbare Lage

In Fukushima sind Brennstäbe in drei Reaktoren beschädigt. Experten sehen in dem Austritt von Plutonium den klaren Hinweis, dass die Brennstäbe sich bereits auf 1800 bis 2000 Grad Celsius aufgeheizt haben.

Reaktorgerippe: Auch im besten Fall muss die Kühlung der Brennstäbe noch Monate fortgesetzt werden. Foto: dpa

In Fukushima sind Brennstäbe in drei Reaktoren beschädigt. Experten sehen in dem Austritt von Plutonium den klaren Hinweis, dass die Brennstäbe sich bereits auf 1800 bis 2000 Grad Celsius aufgeheizt haben.

Keine Entwarnung in Fukushima: Plutoniumfunde in der Umgebung des AKW erhärten den Verdacht, dass die Brennstäbe in den Reaktoren und Lagerbecken zumindest stark beschädigt oder bereits teils geschmolzen sind. Japans Atomaufsicht Nisa räumte ein, dass Brennelemente in drei der sechs Blöcke nicht mehr intakt seien. Zudem hielten die Schutzhüllen offenbar nicht mehr dicht. Japans Premier Naoto Kan sagte am Dienstag: Die Lage in Fukushima sei „unkalkulierbar“.

Das hochradioaktive und giftige Schwermetall Plutonium war vom Fukushima-Betreiber Tepco an fünf Stellen außerhalb des Meilers festgestellt worden. Aus Behörden in Tokio verlautete laut der Nachrichtenagentur AP, der Stoff gelange auch weiterhin ins Erdreich. Zu den fünf Proben teilte Tepco später mit, die gemessenen Werte seien „ungefährlich“. Die Spuren des Stoffes seien nicht größer als jene, die früher nach Atomwaffentests in der Atmosphäre gemessen worden seien. „Ich entschuldige mich dafür, Menschen in Sorgen gestürzt zu haben“, so der Vizepräsident des Konzerns, Sakae Muto.

Der Austritt von Plutonium ist für Reaktorexperten allerdings der klare Hinweis dafür, dass die Brennstäbe sich bereits auf 1800 bis 2000 Grad Celsius aufgeheizt haben. Erst ab solchen Temperaturen wird Plutonium freigesetzt, bei Jod ist das bereits bei einigen Hundert Grad und bei Cäsium ab 1000 Grad der Fall. Jod und Cäsium waren schon kurz nach Eintritt des Unfalls in der Umgebung des Reaktors gemessen worden. Bei rund 2500 Grad wird der Kern flüssig, und die Schmelze frisst sich dann durch den Druckbehälter und das Fundament.

Bislang kann immer noch nicht ausgeschlossen worden, dass es soweit kommt. Die Techniker und Hilfsmannschaften hoffen weiter, dass die notdürftige Kühlung der insgesamt zehn kritischen Bereiche in dem AKW ? drei Reaktorkerne und sieben Brennelementlager ? ausreicht, die weitere Aufheizung durch die Nachzerfallswärme zu stoppen.

Diese Nachwärme ist zwar zweieinhalb Wochen nach der Schnellabschaltung der Reaktoren weit geringer als am Anfang, aber immer noch beachtlich. Sie beträgt in den Reaktorblöcken noch rund 0,1 Prozent der thermischen Leistung beim Vollbetrieb. „Das entspricht aber immer noch der Leistung von 1100 Heizlüftern“, erläuterte der Reaktorexperte Michael Sailer vom Öko-Institut im Gespräch mit der FR. Bislang habe es Tepco offenbar geschafft, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen. Eine Garantie für die Zukunft sei das nicht. Auch im besten Fall müsse die Kühlung noch Monate fortgesetzt werden.

Sailer vermutet, dass die Tepco-Techniker selbst wegen teils defekter Messgeräte nicht genau wissen, in welchem Zustand sich die Anlagen genau erfinden. Sie seien „praktisch im Blindflug“.

Unterdessen haben 50 Träger des „Alternativen Nobelpreises“ den weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie gefordert. In der am Dienstag in Stockholm und Hamburg veröffentlichten Erklärung hieß es, Atomkraft sei weder die Antwort auf moderne Energieprobleme noch ein Wundermittel für die Herausforderungen des Klimawandels.

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