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Fukushima Tepco verschwieg Helfern Risiken

Schwere Vorwürfe gegen den japanischen Energiekonzern Tepco: Nach der Atomkatastrophe in Fukushima hat der Konzern offenbar Helfer ohne Schutz in die zerstörten Reaktoren geschickt.

01.11.2012 09:44
Dieses Bild vom 11. Mai 2011 zeigt den Einsatz von Arbeitern in der havarierten Atomanlage von Fukushima. Foto: dapd

Anderthalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima häufen sich in Japan die Vorwürfe gegen die Behörden und den Betreiber des Atomkraftwerks. Nach Aussage eines Arbeiters hat das Unternehmen Tepco ein Spezialteam ohne ausreichende Schutzmaßnahmen in stark radioaktiv verseuchtem Wasser arbeiten lassen. Außerdem sollen Hilfsgelder für den Wiederaufbau nach dem verheerenden Tsunami in völlig andere Projekte geflossen sein.

Das Unternehmen Tepco habe der sechsköpfigen Gruppe von Arbeitern die tatsächliche Gefahr verschwiegen und keine adäquate Ausrüstung bereitgestellt, sagte der Mann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Am Dienstag reichte er in Tokio eine Beschwerde gegen Tepco ein und forderte Schadenersatz.

„Es war abscheulich. Wir hätten nicht dort sein sollen“, sagte der 46-jährige Shinichi, der nur bei seinem Vornamen genannt werden wollte. Er und seine Kollegen wurden nach seinen Angaben zehn Tage nach der Explosion in einem der Reaktoren in das Gebäude geschickt, um dort Kabel zu verlegen. Zwar seien sie auf die erhöhte Radioaktivität hingewiesen worden, doch niemand habe etwas von verstrahltem Wasser gesagt, berichtete Shinichi. Daher hätten er und einige seiner Kollegen auch keine angemessenen Stiefel getragen. Ihre Geigerzähler hätten erhöhte Radioaktivität angezeigt und das Wasser sei warm gewesen, sagte er.

Tepco: Konzern hätte mehr nachdenken sollen

Einige Mitglieder des Teams hätten aufgrund der hohen Radioaktivität Verletzungen davongetragen. Shinichi beschrieb die Angst der Männer, während sie im stockfinsteren Untergeschoss nur mit Stirnlampen ausgerüstet durch dampfendes, radioaktiv verseuchtes Wasser wateten.

Tepco-Sprecher Yoshimi Hitosugi sagte, der Konzern habe zwar von Wasserlecks an anderen Stellen gewusst, sei aber nicht davon ausgegangen, dass sich an der Einsatzstelle auch Wasser befunden habe. Mayumi Yoshida, eine weitere Sprecherin des Unternehmens, räumte ein, Tepco hätte mehr über die Situation nachdenken sollen.

Shinichi reichte eine Beschwerde bei der Arbeitsrechtsbehörde in Tokio ein. Die Beamten sollten den Verstoß des Konzerns gegen Sicherheitsvorschriften bestätigen, fordert er. Überdies verlangte er Haft- und Geldstrafen für die Verantwortlichen.
In Fukushima war es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März vergangenen Jahres zu mehreren Kernschmelzen und Explosionen gekommen. Große Mengen Radioaktivität wurden freigesetzt und gelangten in die Umwelt.

Hilfsgelder für Kauf seltener Erden verwendet

Einem Regierungsbericht zufolge sind zudem für den Wiederaufbau nach dem Tsunami in Japan vorgesehene Gelder teilweise in vollkommen andere Projekte geflossen. So wurden Teile der Gesamtsumme von 14,9 Billionen Yen (rund 144 Milliarden Euro) etwa für den Straßenbau auf der südlichen Insel Okinawa oder den Kauf seltener Erden verwendet, wie aus einem von der Regierung in Auftrag gegebenen und am Donnerstag veröffentlichten Prüfungsbericht hervorgeht. Demnach wurde zudem für 4,2 Milliarden Yen Ausrüstung zur Katastrophenprävention in südostasiatische Länder geliefert.

Eigentlich waren die knapp 15 Billionen Yen ausschließlich für den Wiederaufbau des Nordostens Japans gedacht. Fast 19.000 Menschen waren im März 2011 ums Leben gekommen, als ein schweres Erdbeben und ein anschließender Tsunami die Gegend erschütterten.

Fast 20 Monate später leben immer noch mehr als 300.000 Menschen in provisorischen Unterkünften - weil ihre Häuser noch nicht wieder aufgebaut wurden oder weil die Umgebung noch radioaktiv verseucht ist. Politiker aus Nordostjapan kritisieren immer wieder, dass der Wiederaufbau viel zu schleppend vorangehe. (afp)

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