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AKW Reaktor Japan Kritische Bergung in Fukushima

Der japanische Atomkonzern Tepco muss Brennstäbe aus dem zerstörten Unglücks-Reaktor von Fukushima holen. Die Regierung in Tokio sagt dafür Milliardenhilfe zu.

Überreste der Reinigungsarbeiten in Fukushima. Foto: rtr

Der japanische Atomkonzern Tepco muss Brennstäbe aus dem zerstörten Unglücks-Reaktor von Fukushima holen. Die Regierung in Tokio sagt dafür Milliardenhilfe zu.

Die japanische Regierung steht vor der Entscheidung, die Aufräumarbeiten in Fukushima und die Dekontaminierung der radioaktiv belasteten Region komplett als staatliche Aufgabe zu übernehmen. Vorschläge der Regierungspartei LDP dazu sollen Premier Shinzo Abe in dieser Woche vorgelegt werden, während in der Atomruine eines der schwierigsten Projekte bei den Aufräumarbeiten beginnen soll.

Der Stromkonzern Tepco hat jüngst die Genehmigung erhalten, die Brennstäbe aus dem Lagerbecken im teilweise zerstörten Reaktor 4 zu bergen und diese in ein anderes Becken umzulagern. Start dafür soll Mitte November sein, die Bergung soll mindestens bis Ende 2014 dauern.

Der Vorsitzender der Atomaufsichtsbehörde NRA, Shunichi Tanaka, warnte, die Arbeiten seien gefährlicher als die bisher am Katastrophenreaktor durchführten Maßnahmen.

Fukushima-Betreiber Tepco muss die rund 1535 Brennstäbe entfernen, um eine mögliche Quelle für neue Verseuchungen zu beseitigen. Das Gebäude von Reaktor vier ist seit den Wasserstoff-Explosionen während des Super-GAU vom 11. März 2011 instabil und droht einzustürzen. Das Lagerbecken liegt im obersten Stock. Das ursprüngliche Dach ist teilweise zerstört. Die Operation, die mit einem Kran ausgeführt werden soll, gilt als kritisch, weil dabei Radioaktivität aus beschädigten Brennstäben frei werden und das Kühlwasser aus dem Lagerbecken auslaufen könnten.

Tepco veröffentlichte auf seiner Homepage ein Video, das zeigt, wie die Bergung ablaufen soll. Tanaka sagte: „Es ist völlig anders als bei einer normalen Entladung von Brennstäben aus einem Abklingbecken. Sie müssen sehr vorsichtig behandelt werden.“ In dem Lagerbecken befindet sich kleine und große Stein- und Betonbrocken, die vom Dach stammen und das Herausziehen der Stäbe behindern könnten. Er sei über mögliche Unfälle bei dieser Prozedur stärker besorgt als über das kontaminierte Wasser in der Anlage und im Boden von Fukushima, meinte der NRA-Chef. Die Brennstäbe sollen in Castor-artige Behälter verpackt und mit Transportern in ein anderes Becken auf dem Gelände gefahren werden.

Arbeiten zum Schutz des Grundwassers

Tepco intensiviert unterdessen die Arbeiten zum Schutz des Grundwassers, das durch auslaufendes radioaktives Kühlwasser aus Lagertanks verseucht wird. Der Konzern pumpt Wasser aus der Erde in der Umgebung der Tanks herauf, um so die Ausbreitung der Nuklide unter der Erde zu verhindern. Der Grund: An einer der Kontrollstellen waren hohe Belastungen gemessen worden, nämlich 220 000 Bequerel an Betastrahlern pro Liter. Belastetes Grundwasser, das Richtung Pazifik strömt, hat bereits zu einer messbaren Belastung des Meeres vor der Anlage geführt.

Japans Finanzminister Taro Aso signalisierte Unterstützung für die Vorschläge zur Neuorganisation der Aufräumarbeiten, die von einem Komitee der LDP erarbeitet wurden. Sie laufen darauf hinaus, dass das Geld der Steuerzahler künftig direkt in die Fukushima-Sanierung fließen würde. Die Aufräumarbeiten dürften Jahrzehnte dauern und umgerechnet zig Milliarden Euro kosten.

Bei dem wegen Fukushima akut von der Pleite bedrohten Konzern hatte die Regierung in Tokio einen Teil der Aktien übernommen, allerdings unter der Maßgabe, dass er das Geld später aus Gewinnen wieder zurückzahlt. Viele Beobachter hielten es für unrealistisch, dass das funktionieren könnte. Die Verstaatlichung der Aufräumarbeiten wäre das Eingeständnis, dass das Geld nie wieder zurückkommt.

Aso ließ auch den Grund für seine Unterstützung durchblicken. Er räumte ein, auch der Staat trage eine Mitschuld an dem Super-GAU, weil er die Energiepolitik verantworte und die Nuklearaufsicht betreibe. Die Atombehörde hatte zum Beispiel für Fukushima zu niedrige Schutzmauern genehmigt, die Tsunamis abhalten sollten.

Japans Regierung räumte zudem erstmals ein, dass mehr als 150 000 Menschen aus den evakuierten Gebieten nicht in ihre Heimatorte zurückkehren können. Bisher hatte die Regierung dazu keine konkreten Angaben gemacht.

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