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Franziskus und Kirill Papst und Patriarch rücken zusammen

Erstmals seit der Kirchenspaltung treffen sich ein Papst und ein russisch-orthodoxer Patriarch. Der Ort ist ungewöhnlich: Ein Flughafengebäude im sozialistischen Kuba. Die Botschaft klar: Die Christenheit soll in Zeiten von Krieg und Terror zusammenrücken.

12.02.2016 23:17
„Wir haben wie Brüder gesprochen“, sagte der Papst nach der Begegnung mit Kirill. Foto: rtr

Papst Franziskus und der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wollen die Christenheit in Zeiten von Krieg und Terror stärker einen. Die Oberhäupter der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche kamen am Freitag in der kubanischen Hauptstadt Havanna zum ersten Treffen der Geschichte zusammen. Die zweistündige Unterredung endete mit der Unterzeichnung einer 30 Punkte umfassenden Erklärung mit teils sehr klaren Botschaften. Gemeinsam fordern sie ein Ende brutaler Christenverfolgungen in Nahost und Afrika - und ein Ende des Blutvergießens in Syrien. Seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054 gehen die römisch-katholisch und die orthodoxen Kirchen getrennte Wege.

„In einer Welt, die von uns nicht nur Worte, sondern auch konkrete Taten erwartet, möge diese Begegnung ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein.“ Sie hofften, dass die Begegnung „zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat, beitragen kann“. Die menschliche Zivilisation sei in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten. Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts islamistischen Terrors dringend handeln, „um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen“. Mit Blick auf die dramatische Lage in Syrien und dem Irak riefen sie die Staatenwelt auf, „sich zu vereinen, um der Gewalt und dem Terrorismus ein Ende zu setzen“. Die Flüchtlinge müssten in die Häuser zurückkehren können. Zudem prangerte sie einen „zügellosen Konsum“ an, der die Ressourcen des Planeten aufzubrauchen beginne.

Beim ersten Handschlag hatte Papst Franziskus betont: „Endlich. Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist.“ Beide begrüßten sich mit Wangenküssen. An der Begrüßung nahm auch Kubas Präsident Raúl Castro teil. Mit der Begegnung setzten Franziskus und Kirill in Zeiten von Terror, Krieg und Vertreibung ein kraftvolles ökumenisches Zeichen. Seit 20 Jahren, schon zu Zeiten von Johannes Paul II., gab es Pläne für so ein Treffen, das nun durch den zufälligen Aufenthalt beider in der Region möglich geworden ist. Franziskus hatte auf dem Flug zu einer mehrtägigen Reise nach Mexiko in Havanna einen Zwischenstopp eingelegt. „Wir haben wie Brüder gesprochen“, sagte der 79-jährige Argentinier nach der Begegnung. Beide seien der Meinung, dass man zusammengehen müssen, um die Einheit zu erreichen.

Der russische Patriarch betonte: „Es gab uns die Chance, die Position des Anderen kennenzulernen“. Das Treffen komme zur richtigen Zeit. Katholiken und Orthodoxe gehen seit der Kirchenspaltung (Schisma) aus dem Jahr 1054 getrennte Wege. Damals exkommunizierten sich die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz (heute Istanbul) und der Westkirche in Rom gegenseitig. Folge war die Eigenständigkeit der orthodoxen Kirchen. Nach Katholiken und Protestanten stellen die Orthodoxen heute die drittgrößte Gruppe innerhalb des Christentums.

Die „orthodoxe Welt“ ist in 14 Kirchen zersplittert. Die größte ist der russisch-orthodoxe Zweig mit rund 150 Millionen Gläubigen. Der katholische Kirche gehören rund eine Milliarde Menschen an. In den vergangenen Jahrzehnten trafen Franziskus und seine Vorgänger zwar andere orthodoxe Patriarchen, aber bisher nicht den russischen.

Kirill (69) gilt als Freund der Ökumene, aber auch als Verfechter traditioneller Familienwerte und Gegner von Homosexuellenrechten. Er pflegt engen Kontakt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kremlchef bindet die orthodoxe Kirche als Machtstütze aktiv in seine Politik ein. Kritiker sprechen von einer „unheiligen Allianz“ von Staat und Kirche - mit Blick auf den Ukraine-Konflikt bekannten sich Kiriil und Franziskus dazu, dass die Konfliktparteien einen Frieden aufbauen sollen. „Wir bedauern die Auseinandersetzung in der Ukraine, die bereits viele Opfer gefordert, unzählige Verwundungen bei den friedlichen Einwohnern verursacht und die Gesellschaft in eine schwere wirtschaftliche und humanitäre Krise geworfen hat.“

Papst in Mexiko angekommen

Inzwischen ist Franziskus nach Mexiko weitergereist. Der Pontifex wurde am Flughafen in Mexiko-Stadt von Präsident Enrique Peña Nieto und seiner Frau Angélica Rivera begrüßt. Tausende Schaulustige feierten am Freitagabend (Ortszeit) das Papamobile bei seiner ersten Fahrt durch die Stadt.

Bei der mehrtägigen Reise (bis Mittwoch Ortszeit, Donnerstag MEZ) stehen aber durchaus ernste Themen wie die Migration sowie die Drogengewalt im Mittelpunkt. Geplant sind unter anderem Besuche in der Grenzregion zu den USA und in der Unruheprovinz Michoacán.

Am Samstag trifft Franziskus Staatschef Peña Nieto zu einem offiziellen Gespräch. Am Abend werden Zehntausende bei einer Messe in der Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko-Stadt erwartet. Nach Brasilien ist Mexiko das Land mit den meisten Katholiken weltweit. Mehr als 80 Prozent der rund 120 Millionen Mexikaner bekennen sich zum Katholizismus. (dpa)

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