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Uli Hoeneß Der einstige Ministrant rügt den Papst

Bei einer Podiumsdiskussion mit Kardinal Lehmann zeigt sich Uli Hoeneß zufrieden mit seinem Verein Bayern München. Nicht aber mit dem Papst: „Er ist relativ weltfremd und ein Problem für die Kirche“.

22.09.2011 18:30
Jan Christian Müller
Uli Hoeneß hat den Papst kritisiert. Foto: dpa

Uli Hoeneß ist derzeit ein zufriedener Mensch: „Der ganze Verein schwebt im Moment. Ich fühle mich sauwohl.“ Das konnte jeder sehen, der den Präsidenten des FC Bayern München am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion mit Kardinal Karl Lehmann vor 200 Gästen in der VIP-Lounge des neuen Mainzer Stadions erlebte. Das Thema war anspruchsvoll gesteckt, es ging um die soziale Verantwortung des Fußballs, und außerdem wurden 10720 Euro für den Verein „Mainz 05 hilft“ gesammelt. Gutmensch Hoeneß stellt sich 20 bis 25 Mal pro Jahr für derartige Projekte zur Verfügung, „zum Leidwesen meiner Frau“, wie er mit einem Lächeln sagt. Rund eine halbe Million Euro sind so schon ganz gezielt zusammengekommen.

Auch die aktuelle Tabellenführung komme keinesfalls unverhofft, sagt der 59-Jährige. Die Mannschaft spiele „fantastischen Fußball“, auch deshalb, „weil alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Diesen Idealzustand hatten wir hier nicht immer.“ Hoeneß war mit 27 schon Bayern-Manager, „da hatten wir sechs Millionen Umsatz und 3,5 Millionen Mark Schulden. Jetzt sind es 350 Millionen Euro Umsatz bei einer Eigenkapitalquote von 75 Prozent.“ Er habe anfangs „mit Ellbogen gearbeitet, um hochzukommen, aber je größer wir wurden, desto größer wurde auch die Bereitschaft, vom erarbeiteten Glück was zurück zu geben.“ Welche Feinde sind geblieben? „Willi Lemke und mit Abstrichen Christoph Daum.“ Eine Quote, mit der Hoeneß zufrieden ist.

Ausgesprochen unzufrieden ist der ehemalige Ministrant mit der Art und Weise, wie Papst Benedikt XVI., 84, die katholische Kirche in die Zukunft zu führen versucht. „Ich sehe den Papst nicht als Popstar. Ich sehe ihn als relativ weltfremd. Er ist ein Problem für die Kirche.“ Süffisant fügt er an: „Vielleicht sollte man mal über eine Altersbegrenzung nachdenken.“ Hoeneß selbst regiert den FC Bayern seit 32 Jahren, die vergangenen beiden Jahre als Präsident. Er ist das Familienoberhaupt. Wenn es einem seiner Profis schlecht geht, ist er da. Er lebt das vor. Als Franck Ribéry, Moral hin oder her, in einen Rotlichtskandal verwickelt war, habe sich „der ganze Verein wie eine Muschel um den Spieler gelegt“. Derzeit gelte sein Einsatz vor allem Ersatzspieler Breno, dessen Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Den Einwand von Kardinal Lehmann, er fände es „menschenverachtend, wie manche Vereine ihre Trainer wie Hunde vom Hof jagen“, kontert Hoeneß kühl: „Louis van Gaal kriegt weiter Gehalt und verdient bis Saisonende bei jedem Bayernsieg die Prämien mit. Davon kann er ganz gut leben.“

Weiter gut leben könnte laut Hoeneß auch ein schwuler Fußballprofi, wenn er sich zu seiner Homosexualität öffentlich bekenne. „Das ist überhaupt kein Tabuthema. Soll doch jeder machen, was er will.“ Er halte es für „totalen Schwachsinn“, dass jemand „im Stadion ein Problem kriegen würde, wenn er sich outet.“

Zorn über Schalke

Den FC Schalke 04 zeiht Hoeneß mangelnder Zivilcourage. Denn: Schalker Fans hatten am Sonntag beim 0:2 gegen die Bayern folgenlos ein riesiges Hassplakat gegen den nach München gewechselten Torwart Manuel Neuer präsentieren dürfen, das als Todesanzeige stilisiert war. „Da höre ich von den Schalker Verantwortlichen nichts. Wegschauen ist genauso wie mitmachen. Das ist das Problem in unserer Gesellschaft.“ Für seinen Klub könne er versichern: „Ich will kein Geld von einem Verrückten, der bereit ist, dem Fan eines anderen Vereins den Schädel einzuschlagen.“

Ausschnitte der Diskussionsrunde zeigt der SWR in der Sendung „Elstner extra“ am Samstagabend ab 23.45 Uhr.

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