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Papst-Wahl fällt auf Jorge Bergoglio Franziskus, Papst des Südens

Mit der überraschenden Wahl des argentinischen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio öffnet sich die katholische Kirche zur Welt.

13.03.2013 21:44
Jorge Mario Bergoglio tritt als Franziskus I. auf den Balkon. Foto: Getty Images

Mit der überraschenden Wahl des argentinischen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio öffnet sich die katholische Kirche zur Welt.

Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Katholiken einen Papst, der nicht aus Europa stammt. Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires wurde zum 266. Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Mit der traditionellen Formel „Habemus Papam“ verkündete Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran am Mittwochabend die Wahl des Konklave. Der neue Pontifex entschied sich für den Namen Franziskus. Der heute 76-Jährige hatte schon beim Konklave 2005 als wichtiger Gegenkandidat des zurückgetretenen bisherigen Papstes Benedikt XVI. gegolten.

Der jesuitische Erzbischof von Buenos Aires hatte in seiner Heimat Argentinien den Ruf als „Kardinal der Armen“, er nutzte öffentliche Verkehrsmittel und verzichtete auf Prunk. Die in Lateinamerika starke Theologie der Befreiung hat er stets kritisiert. Zudem wurde ihm vorgeworfen, während der Militärdiktatur nach 1976 als Jesuiten-Provinzial Ordensleute nicht ausreichend vor der Gewalt der Junta geschützt zu haben. Mit der Verbindung äußerst konservativer Auffassungen über Sexualmoral, Abtreibung, Kondome und Homosexualität und seinem schlichten Lebensstil überzeugte der italienisch-stämmige Argentinier, der in Deutschland studierte, diesmal die Kardinäle am zweiten Tag des Konklave.

Den Namen Franziskus wählte noch kein Papst vor ihm. Der Heilige Franziskus von Assisi stand im 13. Jahrhundert für eine Hinwendung der Kirche zu den Armen. Der Orden der Jesuiten beruft sich auf die Lehren und das Vorbild des Franz von Assisi.

Auch in ersten Reaktionen wird die Wahl des Jesuiten als Wende bezeichnet. „Der Jesuitenorden steht für eine Hinwendung zur Welt und wurde in den vergangenen Jahrzehnten vom Vatikan zurückgedrängt“, sagte der katholische Theologe Professor Magnus Striet von der Universität Freiburg. „Viele Jesuiten stehen heute für eine Hinwendung zu den Armen und für eine Lösung politischer Probleme. Ich hoffe, dass der neue Papst dem gerecht wird.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat den Katholiken zur Wahl des neuen Papstes gratuliert. Er wünsche Papst Franziskus I. „Gottes Segen für sein Amt und seine großen Aufgaben in der römisch-katholischen Kirche, viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“, sagte Schneider. Es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch seinen Namenswahl an Franz von Assisi erinnere und damit bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt. Er erhoffe sich Kontinuität im weltweiten Einsatz des Papstes für Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten.

Der deutsche Weltkirche-Bischof Ludwig Schick sieht in der Wahl von Papst Franziskus ein Zeichen dafür, dass sich die Schwerpunkte der katholischen Kirche in andere Kontinente verlagern. „Man merkt, dass die Kirche über Europa hinausgeht“, sagte der Bamberger Erzbischof. (FR)

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