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Papst Rücktritt Stillstand unter Benedikt XVI.

Als Joseph Ratzinger vor knapp acht Jahren zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt wurde, galt er als ein Papst, von dem kaum neue Akzente erwartet wurden. Und tatsächlich: Keines der großen Probleme der Kirche ging Benedikt XVI. an. In Deutschland sorgte er gar für Frust.

11.02.2013 15:10
Harald Biskup
Papst Benedikt XVI. - keine großen Erwartungen an ihn, keine großen Enttäuschungen von ihm. Foto: imago

Als der Papst aus Deutschland vor knapp acht Jahren zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt wurde, galt er vielen Beobachtern nicht vor allem wegen seines fortgeschrittenen Alters, sondern wegen seines Wirkens als oberster römischer Glaubenshüter als ein Papst, von dem kaum neue Akzente zu erwarten sein würden. Er wurde als Pontifex des Übergangs betrachtet, und nur wenige knüpften an sein Pontifikat die Hoffnung, dass es ihm gelingen könnte, den von seinem Vorgänger hinterlassenen Reformstau zu verkleinern oder gar abzubauen. Jene Auguren sollten im Wesentlichen Recht behalten.

Keines der großen Probleme, die Benedikt XVI. aus der der Amtszeit des polnischen Papstes geerbt hat, packte er ernsthaft an, geschweige denn löste er es vollständig. Über den Missbrauchs-Skandal, der die katholische Kirche in vielen Teilen der Welt in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise gestürzt hat, hat sich Benedikt auf vielen Reisen tief erschüttert gezeigt und die Opfer um Entschuldigung gebeten. Aber diese Krise ist noch lange nicht überwunden und hat vor allem die deutsche Kirche viel Vertrauen gekostet, das sie, wenn überhaupt erst in Jahren wird zurückerlangen können.

Das jahrelange Vertuschen und Verschweigen der sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch Priester und andere Kirchenmitarbeiter hat in Deutschland die größte Austrittswelle seit Jahrzehnten ausgelöst.

Euphorie ist Ernüchterung gewichen

In anderen Teilen der Welt, in Afrika zumal, sind die begeisterten „Benedetto“-Rufe nicht so schnell verklungen wie im Heimatland des Papstes, wo eine kurzzeitige „Wir sind Papst“-Euphorie schon nach erstaunlich kurzer Zeit großer Ernüchterung gewichen ist. So recht konnten sich gerade auch in Pfarrgemeinde n und katholischen Verbänden engagierte Laien nicht vorstellen, dass sich ausgerechnet der im Ruf eines Hardliners stehende ehemalige Chef der Glaubenskongregation auf dem Stuhl Petri vom Saulus zum Paulus wandeln sollte. Dass Benedikt sozusagen aus Altersmilde auf seine reformhungrigen Gläubigen zugehen und ihnen wenigstens in einigen der im Grunde seit dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils ungelösten Probleme ein Stück entgegenkommen könnte.

Das war eine fromme Hoffnung, denn sämtliche offenen Fragen, die schon unter seinem Vorgänger bestanden haben, harren weiter einer Lösung. Viele deutsche Katholiken hatten es längst aufgegeben, immer wieder auf die mitgeschleppten Baustellen hinzuweisen, weil sie von Papa Ratzi keine Initiative in dieser Hinsicht erwarten konnten.

Auch das Konzils-Jubiläum, das an die Eröffnung der Kirchenversammlung und den damit verbundenen Aufbruchsstimmung vor 50 Jahren erinnern sollte, ging vorbei, ohne dass die Chance ergriffen worden wäre, wenigsten „Reförmchen“ anzugehen, etwa bei der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, vor allem zur Kommunion. Die Stagnation, die vor allem in zweiten Teil des Ratzinger-Pontifikats kennzeichnend war, hat große Teile des so genannten Kirchenvolks erfasst. Deswegen sind die Erwartungen jener Katholiken, die noch zur Stange halten, an den nächsten Papst gewaltig.

Frust in der deutschen Kirche

In den Bereichen, in denen Benedikt sich bewegt hat, haben seine Entscheidungen gerade auch in der deutschen Kirche für zusätzlichen Frust gesorgt. Dazu zählt vor allem die Rehabilitierung von vier abtrünnigen Bischöfen der reaktionären „Pius-Bruderschaft“. Dass dem Papst eine Wiederannäherung an diese religiös und vor allem politisch am äußersten rechten Rand angesiedelten Splittergruppe so wichtig war, dass er es in Kauf genommen hat, Hunderttausende brave Katholiken zu verprellen, hat wiederum besonders in Deutschland für großes Unverständnis gesorgt. Übel genommen wurde und wird Benedikt XVI. vor allem, dass er den Abtrünnigen ohne Gegenleistung die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hat – und wie man inzwischen weiß, ist sein Großmut nicht honoriert worden.

Im Land der Reformation hatte man an den Deutschen auf dem vatikanischen Chefposten von Anfang an keine großen Erwartungen. Heute ist bei den Protestanten das Gefühl vorherrschend, dass man im ökumenischen Dialog bestenfalls auf der Stelle tritt. Stagnation auch hier.

Innerkatholisch spielten gerade auch in Deutschland bei der Bewertung der acht Jahre Benedikt gewiss auch die diversen Skandale hinter den Mauern des Vatikan eine Rolle. Mehr und mehr verstärkte sich der Eindruck, dass der 85-jährige Papst seinen eigenen Laden, die Kurie, nicht mehr im Griff hatte, und die demonstrative Milde für seinen zumindest untreuen Kammerdiener wurde von vielen Gläubigen angesichts der Dramatik der Fälle mit Kopfschütteln registriert.

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