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Papst Franziskus Die Stimme der Armen

Der neue Papst tritt bescheiden auf, gilt als volksnah. Er hat aber auch unangenehme Seiten - die bekam auch die argentinische Präsidentin schon zu spüren.

13.03.2013 20:24
Obwohl er sich in die Politik eigentlich nicht einmischen will, legte Bergoglio sich mehrfach mit seiner Regierung an. Foto: AFP

Der neue Papst tritt bescheiden auf, gilt als volksnah. Er hat aber auch unangenehme Seiten - die bekam auch die argentinische Präsidentin schon zu spüren.

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist der erste Papst aus Lateinamerika und gleichzeitig der erste Jesuit in dieser Position. Bereits beim letzten Konklave 2005 war er der stärkste Kontrahent Joseph Ratzingers. Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging Bergoglio in die neue Papstwahl eher als Außenseiter unter den Favoriten.

Der Erzbischof von Buenos Aires tritt volksnah auf. Er fährt gerne Bus und U-Bahn, in Buenos Aires besuchte er regelmäßig Armenviertel. Seine Lebensweise hat ihm den Ruf als Anwalt der Armen verschafft.

Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. Sein Vater war dort Bahnangestellter. Bergoglio absolvierte eine Ausbildung zum Chemie-Techniker. Mit 21 Jahren ging er ins Priester-Seminar. Im selben Alter wurde ihm wegen einer schweren Lungenentzündung ein Teil der rechten Lunge entfernt.

Nach seiner Priesterweihe 1969 wurde er 1973-1979 zum Provinzial des Jesuitenordens in Argentinien berufen. In diesen für Argentinien sehr schwierigen Jahren, in denen nach sozialer Aufruhr das Militär die Staatsmacht übernahm, wies Bergoglio seine Ordensbrüder an, sich auf religiöse Fragen zu beschränken. Er übernahm schließlich die Erzdiözese von Buenos Aires, 2001 wurde er zum Kardinal ernannt.

Vorwurf der Nähe zur Militärdiktatur

Bergoglio wird eine zu große Nähe zur damaligen Militärdiktatur vorgeworfen. Er wurde beschuldigt, zwei Jesuiten denunziert zu haben. Bergoglio hingegen sagt, er habe wenige Tage vor dem Staatsstreich 1976 die beiden Patres vor bevorstehender Gefahr gewarnt und ihnen angeboten, im Jesuitenhaus Schutz zu suchen. Die beiden Priester, die in Elendsvierteln in Buenos Aires predigten, sollen nach Bergoglios Aussagen dieses Angebot abgelehnt haben. Zwei Monate später wurden die beiden von Militärs entführt und fünf Monate lang in der berüchtigten Marineschule ESMA in Haft gehalten.
Beim Konklave nach dem Tod von Johannes Paul II. bekam Bergoglio laut Gerüchten bis zu 40 Stimmen. Der Argentinier soll dann seine Aufstellung zurückgezogen haben, um die Konfrontation mit Joseph Ratzinger zu vermeiden.

Als Bergoglio die Gesetzesvorlage zur gleichgeschlechtlichen Ehe als „Teufels-Manöver“ bezeichnete, antwortete Staatschefin Cristina Kirchner, diese Kritik erinnere an die Zeiten der Inquisition.

Trotz seiner teils radikalen Ansichten gilt Bergoglio in der Kirche als relativ aufgeschlossen. Er schätzt unter anderem Literatur von Hölderlin, Borges und Dostojewski und ist erklärtermaßen Fan des Fußball-Erstligisten San Lorenzo de Almagro. (dpa/jon)

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