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Bundestag Der Papst vor leeren Stühlen

Wenn Benedikt XVI. im Bundestag spricht, könnte er auf etliche leere Stühle blicken. Auch die Grünen schließen nicht aus, dass sie der Rede fernbleiben. Linken-Fraktionschef Gysi will dagegen mit dem Papst diskutieren.

21.09.2011 11:59
Der Papst kommt, die Volksvertreter gehen. Viele Bundespolitiker wollen die Rede von Benedikt XVI. im Parlament nicht hören. Foto: Getty

Wenn Benedikt XVI. im Bundestag spricht, könnte er auf etliche leere Stühle blicken. Auch die Grünen schließen nicht aus, dass sie der Rede fernbleiben. Linken-Fraktionschef Gysi will dagegen mit dem Papst diskutieren.

Papst Benedikt XVI. könnte es nach Angaben der Grünen passieren, dass bei seiner Rede im Bundestag die Reihen nicht gefüllt sind. „Wenn Plätze leerbleiben, bleiben sie leer“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck am Mittwoch in Berlin.

Der Rede des Papstes wollen etwa 100 Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken fernbleiben, weil sie seinen Auftritt für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates halten. „Ich persönlich werde zu der Rede gehen, wie auch die große Mehrheit unserer Fraktion“, sagte Beck. Danach werde er zur Gegendemonstration wechseln, um gegen die überkommene Sexualmoral des Papstes zu protestieren.

Doch wenn Plätze leerblieben, würden sie nicht aufgefüllt. „Uns hat die Verwaltung (des Bundestags) gesagt, dass man nicht auffüllt, wenn man nicht darum bittet“, erläuterte Beck. Und die Grünen bäten nicht darum. „Es gehört zum Recht, auch fernzubleiben“, sagte Beck. Der Papst biete genügend Anlass für fundierte Kritik.

Mit Provokationen im Parlament rechne er nicht, sagte Beck. „Es gibt vielleicht Leute, die was am Revers tragen.“ Sollte der Papst allerdings provozieren, hätten die Abgeordneten immer die Möglichkeit zu reagieren - etwa indem sie den Saal verließen. Die Grünen wollten dem Papst im Bundestag Respekt entgegenbringen, auch wenn sie an ihren Bedenken daran festhielten, dass er im Bundestag rede.

Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, würde gern einmal ausgiebig mit dem Papst sprechen. Wenn Benedikt XVI. 20 Minuten oder auch länger Zeit hätte, würde er ein Streit-Gespräch mit ihm führen, sagte Gysi am Mittwoch dem Bayerischen Rundfunk. Thema wären dann vor allem die Normen der katholischen Kirche und andere Fragen. „Also wenn er Lust dazu hätte, ich hätte Lust“, fügte der Politiker hinzu.

Obgleich nicht gläubig, sei er vom jüdisch-christlichen Kulturkreis geprägt, betonte Gysi. Bei der Rede des Papstes am Donnerstag im Bundestag will der Politiker anwesend sein, da er immer dafür sei, jemandem zuzuhören. Deshalb habe er auch der Anfrage des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bezüglich einer Einladung von Benedikt XVI. zugestimmt. Zu Lammert habe er aber auch gesagt, jetzt müsse er jedes Jahr oder alle zwei Jahre ein religiöses Oberhaupt einladen, so Gysi.

Die Teilnahme an der Sitzung des Bundestags sei den Mitgliedern der Linken-Fraktion von Anfang an freigegeben worden, so ihr Chef. Nur wenige linke Abgeordnete gingen zur Gegendemonstration, bei anderen spreche die Seele gegen den Auftritt des Papstes, was er respektieren könne. (dpa/kna)

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